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Die Droge aus dem Regenwald: Der Hype um Ayahuasca | BR24

© BR/Lorenz Rollhäuser

Ayahuasca ist ein psychedelisch wirkender Pflanzensud aus dem Amazonas-Tiefland. Ursprünglich ein traditionelles Heilmittel, nehmen es heute Hipster auf Sinnsuche, genauso wie gestresste Manager aus dem Silicon Valley. Was ist dran an dem Hype?

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Die Droge aus dem Regenwald: Der Hype um Ayahuasca

Ayahuasca ist ein psychedelisch wirkender Pflanzensud aus dem Amazonas-Tiefland. Ursprünglich ein traditionelles Heilmittel, nehmen es heute Hipster auf Sinnsuche, genauso wie gestresste Manager aus dem Silicon Valley. Was ist dran an dem Hype?

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In der westlichen Welt ist Ayahuasca gerade schwer in Mode. Obwohl es nicht legal ist, finden in New York, im Silicon Valley oder im Umland europäischer Metropolen jedes Wochenende Zeremonien statt, bei denen die Teilnehmer ein Gebräu aus ausgekochten Lianen und weiteren Bestandteilen zu sich nehmen.

Halluzinationen und Durchfall

Die Teilnehmer bekommen Halluzinationen oder Visionen - dazu aber auch Durchfall und Erbrechen. Viele von ihnen beschreiben die Erfahrung als heilsam und reinigend. Die Zeremonien, bei denen Ayahuasca konsumiert wird, leiten oft Schamanen aus Kolumbien, Ecuador, Peru oder Brasilien an. Sie touren dafür mittlerweile durch die ganze Welt - auch durch Deutschland.

Ursprung im Regenwald von Peru

Seinen Ursprung hat Yagé - wie es auch genannt wird - aber im Amazonas-Tiefland. In der Stadt Iquitos mitten im peruanischen Urwald ist der aus Lianen gewonnene Sud ein riesiges Geschäft. Rund siebzig Ayahuasca-Zentren gibt es dort. Die Preise beginnen bei dreißig Dollar pro Zeremonie. Sogenannte High-End-Retreats können bis zu 3.000 Dollar kosten.

"Es war wie eine höhere Intelligenz, die jede Zelle meines Körpers durchsucht hat. Auf einmal war ich mit dem ganzen Kosmos verbunden." Pop-Ikone Sting über seine Ayahuasca-Erfahrung

Folklore und Drogenrausch

Meistens ist die Einnahme der halluzinogenen Droge Teil einer Zeremonie. Oft wird mit schamanistischen Ritualen geworben, die natürlich ohne einen kulturellen Kontext abgehalten werden: Die westlichen Konsumenten glauben an die Moleküle, die das Ayahuasca enthält. Für den kommerziellen Sessions wird der Lianensaft sogar noch in einer berauschenden Mischung angeboten, damit die Konsumenten stärkere Erfahrungen machen können. Beim ursprünglichen Heilverfahren dagegen trinkt der Patient das Ayahuasca gar nicht selbst.

"Im Zentrum steht nicht die Substanz, sondern die Welt der Geister, zu der der Heiler Zugang hat, nachdem er Ayahuasca getrunken hat. Von verbündeten Geistern erfährt er, welche Gesänge und Heilmittel er anwenden muss." Carlos Suarez, Ethnologe und Journalist

Manche Völker trinken den Lianensaft traditionell auch gemeinsam, nur nicht tagelang immer wieder, wie es jetzt die westlichen Touristen tun.

Boom bringt Neid und Zwist in lokale Gesellschaften

Nach Schätzungen des Ethnologen Carlos Suarez nehmen das Ayahuasca jedes Jahr bis zu 20.000 Personen. Bei einem Preis von im Schnitt 1.000 Dollar pro Woche sind das 15 Millionen Dollar. Das bedeutet, dass in den indigenen Gesellschaften zum ersten Mal Einzelne zu deutlich mehr Geld kommen als andere.

"In einer Gesellschaft, die auf Gleichheit orientiert ist, erzeugt das Ungleichgewicht und damit Neid, Klatsch und spirituelle Kriege." Carlos Suarez, Ethnologe und Journalist

Traditionell sind Heiler eher Außenseiter und arm. Außerdem kommt es durch die weltweite Nachfrage nach Ayahuasca zu einer Übernutzung des peruanischen Regenwaldes, vor allem in der Gegend um Iquitos. Carlos Suarez sieht in dem Boom deshalb eine neue Form von Kolonialismus.

Heilung von psychischen Krankheiten?

Inzwischen interessiert sich auch die westliche Gesundheitsforschung für die medizinische Wirkung von Ayahuasca. Daran forschen Simon Ruffel und Nigel Netzband im Auftrag des britischen Gesundheitsministeriums. "Bisher können Medikamente zwar psychische Beschwerden vorübergehend lindern", sagt Simon Ruffel, "aber wenn man sie absetzt, stellt sich häufig der alte Zustand wieder ein." Langfristige Effekte ließen sich bislang nur mit Psychotherapie erreichen.

"Die Wirkung von Ayahuasca schien uns ziemlich spannend. Noch nach sechs Monaten hielten die Veränderungen an." Simon Ruffel

Vor allem bei neurotischen Störungen scheint Ayahuasca gut zu wirken. Ob es auch bei der Behandlung von frühkindlichen Traumata helfen kann, das untersuchen die Forscher gerade, indem sie Teilnehmer der Sessions in unterschiedlichen Zeitabständen befragen. Sie glauben, dass Ayahuasca präziser wirkt als Psylocybin oder LSD. Auch wenn sich die Forschung für die mögliche Heilwirkung interessiert, es gilt zu bedenken, dass Ayahuasca als Droge eingestuft wird und der Konsum illegal ist.