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Deutschland lebt seit 3. Mai ökologisch auf Pump | BR24

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Deutschland lebt seit 3. Mai ökologisch auf Pump

3. Mai - und wir haben alles verbraucht, was die Erde uns für das ganze Jahr zu bieten hat. Ab heute leben wir Deutsche auf Kosten der Natur und derer, die sie weniger ausbeuten. Würde die ganze Welt uns nachahmen, bräuchten wir gleich drei Planeten.

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Wenn die Tomaten in Ihrem Garten nicht reichen, dann gehen Sie in den Supermarkt nebenan und kaufen eben Tomaten ein, die anderswo gewachsen sind. Das ist im Kleinen das, was Deutschland seit Jahrzehnten im Großen macht: Wir leben auf so großem Fuße, dass auch unser ökologischer Fußabdruck entsprechend riesig ist.

Vorhandene Ressourcen vs. Ressourcen-Verbrauch

Ausgerechnet hat das eine internationale Gruppe von Forschern, das Global Footprint Network. Die Wissenschaftler rechnen jährlich unseren Öko-Verbrauch an Energie, Fläche, fossilen Brennstoffen, Wasser und ähnlichem sowie unsere Verschmutzung wie CO2-Emissionen gegen das auf, was der Planet an Kapazitäten für ein Jahr zu bieten hat - an Fläche, an Ressourcen, an CO2-Speicherkapazität der Wälder etc.

Earth Overshoot Day

Und sie finden seit den 1980er-Jahren ein wachsendes Defizit. Der Earth Overshoot Day - der Tag, an dem die Menschheit die Ressourcen eines Jahres verbraucht hat - war 1987 am 19. Dezember, im vergangenen Jahr aber schon am 1. August und könnte in diesem Jahr bereits Ende Juli erreicht sein.

Deutschlands ökologischer Fußabdruck besonders groß

Und wir Deutschen sind da ganz vorne dabei: Deutschland (83 Millionen Einwohner) liegt auf Platz 8 im weltweiten Vergleich, nach China (1,4 Milliarden Einwohner), den USA (330 Millionen Einwohner), Indien (1,3 Milliarden Einwohner), Russland (145 Millionen Einwohner), Brasilien (209 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) und Indonesien (264 Millionen Einwohner).

Pro Kopf gerechnet wird noch deutlicher, wie sehr wir Deutsche ökologisch gesehen über unsere Verhältnisse leben: Würden alle Menschen weltweit uns nachahmen, bräuchten wir drei Planeten, um den gesamten Bedarf zu decken. Da wäre es besser, die Chinesen nachzuahmen, dann käme die Menschheit mit 2,2 Planeten aus. Die ganze Welt zusammengerechnet verbraucht, was nur 1,7 Erden pro Jahr aushalten würden.

Wer zahlt die Ökoschulden?

Dadurch verschlechtert sich der Zustand unseres Planeten: Die Böden werden ausgelaugt, Seen verlanden, Wälder verschwinden, das Klima ändert sich. All das sind die Folgen unserer Ökoschulden. Zahlen müssen diese dann zukünftige Generationen.

"Wir nehmen Ressourcen der Zukunft, um die heutige Wirtschaft zu füttern. Wie bei einem finanziellen Schneeballsystem bauen wir uns damit die eigene Falle." Mathis Wackernagel, Gründer des Global Footprint Networks

Deutschlands Overshoot Day ein Vierteljahr früher

In Deutschland schlägt vor allem der große Flächenbedarf für den Anbau von Futtermitteln und die hohen Kohlendioxid-Emissionen durch Energieerzeugung und Verkehr, aber auch in der industriellen Landwirtschaft zu Buche. Das macht unseren ökologischen Fußabdruck so groß - und daher tritt der deutsche Overshoot Day im weltweiten Vergleich auch noch besonders früh ein: ein Vierteljahr vor dem Earth Overshoot Day.

Leichte Schwankungen, aber kein Trend

Vom Jahresanfang bis heute, dem 3. Mai 2019, hat Deutschland bereits alle Ressourcen verbraucht, die die Natur im Jahresbudget vorgesehen hatte. Damit sind wir in diesem Jahr immerhin einen Tag später dran als im Jahr 2018, da hatte Deutschland seinen Erdüberlastungstag schon am 2. Mai erreicht. Die Umweltschutzorganisation Germanwatch, die für den deutschen Bericht des Global Footprint Network verantwortlich war, sieht darin aber noch kein Zeichen von Entspannung. Geringe Schwankungen bei den CO2-Emissionen, die dank eines milden Winters gesunken waren, seien die Ursache. Auch bei der Nutzung von Wald- und Ackerflächen gäbe es leichte Verbesserungen Ein Trend zum Positiven sei nicht erkennbar.

"Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Ressourcennutzung agiert die Bundesregierung, als ob es kein Morgen gäbe." Kira Heinemann, Vorstand der BUNDjugend