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Deutsches PISA-Ergebnis: Glas halb voll oder halb leer? | BR24

© dpa-Bildfunk

Schule (Symbolbild)

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    Deutsches PISA-Ergebnis: Glas halb voll oder halb leer?

    Deutschlands 15-Jährige schaffen es beim neuen Leistungstest "Pisa 2000" zwar ins obere Drittel, also ins gute Mittelfeld, zusammen mit Frankreich, Norwegen oder dem Vereinigten Königreich. Aber es gibt natürlich weitaus bessere Länder. Eine Analyse.

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    Deutschlands Schüler liegen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz mit ihren Leistungen in der neuen Pisa-Studie über dem OECD-Durchschnitt. Allerdings: Estland, Finnland, Südkorea etwa liegen vor Deutschland. Den absoluten Spitzenreiter China lässt man lieber außen vor, denn dort treten nur vier Provinzen an, repräsentativ ist das nicht. Bedenklicher als die absolute Rangfolge allerdings ist, dass Deutschlands Aufholjagd bei den Pisa-Punkten endgültig vorbei zu sein scheint.

    Die Pisa-Punkte-Aufholjagd ist vorbei

    Die Punktekurven gleichen - über die Jahre gesehen - einer umgekehrten Parabel, also einer gekrümmten Linie, deren Höhepunkt auf der Zeitachse längst in der Vergangenheit liegt. Pisa-Spitzenwerte gab es zuletzt 2012 - in allen drei Disziplinen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Besonders stark ist der Absturz in den Naturwissenschaften und in Mathematik - um 21 beziehungsweise 14 Punkte. Dass Deutschland sich trotzdem im oberen Mittelfeld behaupten kann, liegt auch daran, dass andere schlechter geworden sind und den OECD-Durchschnitt nach unten drücken.

    Soziale Herkunft und Migration schwächen

    Auf der Suche nach Ursachen muss man notgedrungen über soziale Herkunft und über Migration reden. Gerade bei der Lesekompetenz, aber auch beim Verständnis von Mathematikaufgaben spielen Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle. Im Vergleich zur vorherigen Pisa-Erhebung von 2015 sitzen heute in den Klassenzimmern weitaus mehr Kinder von Flüchtlingen. Und nach wie vor tut Deutschland sich schwer bei der Förderung der schwachen Schüler. Der Leistungsabstand zwischen Kindern aus sozial schwachen und starken Familien ist überall groß - natürlich hängt Bildung vom Elternhaus ab. Aber hierzulande noch ein Stück mehr als woanders.

    18 Jahre nach dem Pisa-Schock

    Vor 18 Jahren erstarrte Deutschland im Pisa-Schock. Die Noten waren mehr als mittelmäßig. Ja, im Vergleich zu Pisa 2000 haben wir aufgeholt. In allen drei Disziplinen schafft die Bundesrepublik es in die Gruppe der Länder, die signifikant über dem OECD-Durchschnitt liegen. Nur wenige Staaten hätten so eine positive Gesamtentwicklung geschafft, loben die Pisa-Experten. Insofern ist das Glas ganz gut gefüllt. Aber als reiche Nation und Industriemotor Europas kann und muss Deutschland mehr schaffen. Im Übrigen bringen gute Pisa-Leistungen auch mehr Wirtschaftswachstum.