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Der Meteorit aus dem Vorgarten | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Felix Kästle

Nach Angaben des DLR wurde der rund 30 Kilogramm schwere Meteorit als größter bislang bekannter Steinmeteorit bestimmt.

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    Der Meteorit aus dem Vorgarten

    Der bislang größte in Deutschland entdeckte Steinmeteorit hat jahrzehntelang unerkannt in einem Garten im schwäbischen Blaubeuren herumgelegen, zum Schluss sogar in einem Kleiderschrank. Jetzt wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt.

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    Von
    • Yvonne Maier

    Tausende Jahre lag er unter der Erde – der Steinmeteorit, bis Hansjörg Bayer in seinem Garten in Blaubeuren ein Rohr verlegen wollte. In einen halben Meter Tiefe traf er auf den Stein.

    „Die ganze Haptik, das Anfassen und das Gewicht - ich habe damals schon gemerkt, dass der Stein besonders ist.“ Hansjörg Bayer

    Doch mehr hatte er sich nicht gedacht und setzte den Stein auf seine Wiese, also Dekoration. Dort blieb er dann, etwas mehr als 25 Jahre. 2015 wollte der Gartenbesitzer den Stein fast los werden, aber irgendwie war es ihm doch zu schade, ihn einfach zu entsorgen. Kurzerhand trug er ihn in den Keller und lagerte ihn weitere 5 Jahre in einem alten Kleiderschrank.

    Fragment des Meteoriten wird untersucht

    Im Januar 2020 war es dann so weit: Hansjörg Bayer wollte den Keller entrümpeln - und der Stein war immer noch da. Weil die Farbe des Steins so völlig anders war als der Kalkstein, den er aus der Gegend um Blaubeuren kannte, wandte er sich an einen Fachmann: Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

    "Der sah erst überhaupt nicht meteoritenverdächtig aus." Dieter Heinlein, DLR

    Dieter Heinlein bekam erstmal nur ein kleines Stück des Steins zugeschickt, 20 Gramm. Seine erste Vermutung: Eisenerz. Doch als er ihn genauer untersuchte, war klar: Das ist ein Meteorit. Drei weitere Labore haben das Ergebnis bestätigt.

    "Das ist etwas ganz Besonderes." Dieter Heinlein, DLR

    Besonderer Meteoritenfund

    Meteoritenfunde sind laut Dieter Heinlein sehr selten. Die meisten dieser Gesteinsbrocken aus dem All, die auf unsere Erde treffen, sind klein und verglühen in der Atmosphäre. Wir kennen sie dann als Sternschnuppen: Meteore. Manchmal stürzen aber auch Gesteinsbrocken zur Erde, die kilometergroße Krater hinterlassen, zum Beispiel im Nördlinger Rieß. Wie man sich in Zukunft vor solchen Einschlägen schützen könnte, ist noch unklar.

    Zusammengezählt hat es über die Jahre hat es in Deutschland nur 52 Meteoriten-Funde gegeben, sie verwittern auf der Erdoberfläche auch schnell. Der Fund von Blaustein wiegt 30,26 Kilogramm, und ist damit der deutsche Rekordhalter. Vorher war das der "Benthullen"-Meteorit, der bei Oldenburg gefunden wurde, er wiegt 17,25 Kilogramm. Der Blaustein-Meteorit soll jetzt weiter untersucht werden.

    Nur wenige Brocken überstehen den Absturz auf die Erde

    Dieter Heinlein bekommt jedes Jahr hunderte Einsendungen mit vermeintlichen Meteoriten.

    "Über die vielen Jahre ist es enttäuschend, wenn man den Leuten immer wieder sagen muss, dass es kein Meteorit ist. Nur ganz wenige sind wirklich Meteorite. Unter 2000 Einsendungen in den letzten 15 Jahren waren drei echte dabei." Dieter Heinlein, DLR

    Drei Meteorite in 15 Jahren - zwei eher kleine, faustgroß - und dann der dritte, der Blaubeuren-Meteorit. Er misst 28 mal 25 mal 20 Zentimeter, ist etwa so groß wie ein Fußball. Dieter Heinlein geht davon aus, dass der Meteorit bei seinem Absturz auf die Erdoberfläche mit 250 Stundenkilometern aufgeprallt ist.

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    In seinem Garten lag der Meteorit: Hansjörg Bayer aus Blaubeuren bei Ulm.

    Meteorite spielen eine große Rolle für die Erforschung des Sonnensystems

    Für die Erforschung der frühen Entwicklung des Sonnensystems spielen Meteorite eine herausragende Rolle. Die meisten stammen laut DLR ursprünglich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, bevor sie in ihrer Bahn um die Sonne gestört werden und auf Kollisionskurs mit der Erde geraten. Als kosmische Geschosse treten sie dann mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein. Dabei verglüht ein Großteil ihrer Masse - selbst bei schweren Brocken aus Stein oder Eisen gelangt oft nur ein kleiner Rest als Meteorit auf die Erdoberfläche.

    Der kosmische Körper ist nach der Stadt Blaubeuren benannt

    Nun wollen die Forscher herausfinden, wann er auf die Erde fiel. Dies könnte bereits vor Jahrtausenden geschehen sein. Im Juli bestätigte zudem die internationale Organisation "Meteoritical Society" den Meteoritenfund.

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