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Der erste von einem Meteoriten erschlagene Mensch | BR24

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Noch nie gab es einen Hinweis auf Tote durch einen Meteoriteneinschlag. Doch jetzt haben Forscher einen ersten Fund getan: Ein Bergwanderer wurde im Jahr 1888 durch ein Meteoriten-Bruchstück erschlagen. Vom Bösewicht fehlt jedoch jede Spur.

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Der erste von einem Meteoriten erschlagene Mensch

Noch nie gab es einen Hinweis auf Tote durch einen Meteoriteneinschlag. Doch jetzt haben Forscher einen ersten Fund getan: Ein Bergwanderer wurde im Jahr 1888 durch ein Meteoriten-Bruchstück erschlagen. Vom Bösewicht fehlt jedoch jede Spur.

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Obwohl die Einschläge von Meteoriten das Aussehen der Erde geformt haben und zu so großen Katastrophen geführt haben wie dem Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren: Von einem Meteoriten aus dem Weltall getroffen zu werden, ist etwa 200-mal unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. So war bislang kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Mensch durch einen Meteoriten zu Tode kam.

Erstes menschliches Meteoriten-Opfer ausfindig gemacht

Türkische Wissenschaftler wollen nun aber die ersten Opfer der Menschheitgeschichte ausfindig gemacht haben, die durch einen Steinschlag aus dem All starben: zwei Wanderer, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Wir schreiben den 22. August 1888. In Deutschland sterben nacheinander Kaiser Wilhelm I. und sein Nachfolger Friedrich III., der Forscher Heinrich Hertz entdeckt die elektromagnetischen Wellen und Vincent van Gogh schneidet sich das rechte Ohr ab. Während all dies in Mitteleuropa passiert, versuchen zwei Wanderer im Osten des Osmanischen Reiches einen Berg zu besteigen. Ihren Aufstieg beginnen sie in der Nähe der Stadt Sulaimaniyya im heutigen Irak. Aber – die beiden kommen nicht weit ...

Ein Meteorit, ein Steinbrocken aus den Tiefen des Alls, dringt in die Erdatmosphäre ein. Auf den ersten Blick wirkt er wie eine Art überdimensionale Sternschnuppe, ein Feuerschweif am Himmel. Die Bewohner der Region beobachten das Phänomen – aber vor mehr als 130 Jahren wussten sie nicht, was sie da sahen.

"Die Menschen hatten keine Ahnung, was da gerade vor sich ging. Manche sprachen von einem Stern, der vom Himmel gefallen sei. Andere berichteten, es habe Steine vom Himmel geregnet." Ozan Ünsalan, Ägäis-Universität Izmir

Alte Briefe berichten von "steinigem Regen"

Ozan Ünsalan von der Physikabteilung der Ägäis-Universität im türkischen Izmir hat sich alte Quellen angesehen – vor allem Briefe in staatlichen türkischen Archiven. Was also passierte an jenem Augusttag des Jahres 1888 in diesem Gebiet, das zum heutigen Kurdistan gehört? Die beiden Bergsteiger wurden in der Tat von "steinigem Regen" überrascht.

"Ein Meteorit näherte sich. Noch in der Luft ist er auseinandergeflogen. Nach dieser Explosion sind seine Trümmerteile zu Boden gestürzt. Die beiden Männer befanden sich noch am Fuße des Berges. Beide wurden von den Bruchstücken des Meteoriten getroffen. Der eine war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt. Das ist es, was die Quellen berichten." Ozan Ünsalan, Ägäis-Universität Izmir

Noch nie wurde von Toten durch einen Meteoriten berichtet

Es wäre der erste Fall eines Meteoriten-Toten in der Geschichte. Zwar gibt es auch andere Berichte über Menschen, die angeblich von Meteoriten getroffen wurden. Aber nicht alle sind seriös - und Todesopfer gab es dabei nicht.

"Es gibt einen Fall aus dem Jahr 1954, bei dem ein Meteorit in Alabama durch das Dach eines Hauses hindurch und einer Frau auf’s Bein fiel. Die etwas übergewichtige Frau hatte im Bett gelegen. Als der Meteorit durch das Dach fiel, ist er dadurch schon einmal abgebremst worden und hat sie nur noch als schwerer Stein auf der Hüfte getroffen. Sie hat einen riesigen blauen Fleck bekommen." Christian Köberl, Universität Wien

Christian Köberl erforscht an der Universität Wien Meteoriteneinschläge. Er muss zugeben: Es ranken sich viele Legenden um angebliche Opfer solcher Treffer aus dem All.

"Auch die Untersuchung der türkischen Kollegen ist natürlich sehr interessant. Aber es ist wieder so ein Fall: Weder kennen wir das Opfer, noch kennen wir die Tatwaffe. Es gibt keinen zugehörigen Meteoriten, der erhalten geblieben ist." Christian Köberl, Universität Wien

Steinregen aus den Bruchstücken des explodierten Meteoriten

Dieser Meteorit – die "Tatwaffe" also – ist wohl noch vor dem Aufschlag auf der Erde in Tausend Einzelteile zersprungen. Seine Überreste sollen es gewesen sein, die die beiden Männer getroffen haben. Anschließend hat er seinen Zerstörungskurs offenbar noch fortgesetzt. Ünsalan fand noch weitere Hinweise auf den Meteoriten in der Umgebung:

"Es gibt einige Dörfer weiter östlich. Dort soll der Meteorit einige Getreidefelder vernichtet haben. Ein einzelner Brocken kann nicht solche ausgedehnten Zerstörungen anrichten und ganze Felder verwüsten. Er muss daher explodiert sein. Wahrscheinlich sind seine Trümmerteile in einem elliptischen Gebiet von mehreren Dutzend Kilometern Ausdehnung zu Boden gegangen." Ozan Ünsalan, Ägäis-Universität Izmir

Bislang kein tatsächlicher Überrest gefunden

Ein wirklich handgreiflicher Überrest dieses Meteoriten ist bislang nicht gefunden. Doch der Forscher hofft, dass vielleicht ein Bruchstück in den vergangenen Jahrzehnten seinen Weg ins archäologische Museum in Istanbul gefunden hat, weil ein aufmerksamer Wanderer oder Archäologe auf das ungewöhnliche Mineral aufmerksam geworden ist. Ozan Ünsalans Hoffnung liegt darauf, im archäologischen Museum von Istanbul auf Überreste des Meteoriten zu stoßen. Denn dort gibt es eine umfangreiche Sammlung von Steinen zwischen hundert Gramm und einem Kilogramm Gewicht.

Die Gefahr durch Meteoriten und Asteroiden

Anhand besonderer Mineralzusammensetzungen oder Schmelzspuren werden immer wieder die Überreste von Meteoriten gefunden, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre in Hunderte oder Tausende Bruchstücke zerbarsten. Auch in Bayern wurden zahlreiche Meteoriten-Bruchstücke gefunden. Meist sind sie so klein, dass sie nur überschaubare Schäden anrichten. Doch je größer der Himmelskörper ist, der in die Bahn der Erde gerät, umso gefährlicher kann er uns werden. Große Asteroiden können zur Gefahr werden - und auf diese wollen die Vereinten Nationen am Internationalen Tag der Asteroiden am 30. Juni hinweisen.

Übrigens: Der Unterschied zwischen einem Meteoriten und Asteroiden ist nicht etwa die Größe. Solange die Gesteinsbrocken durch's All trudeln, heißen sie Asteroiden. Die durch die Erdatmosphäre eintretenden Stücke nennt man Meteoroiden oder Meteoriden. Meteoriten dagegen sind streng genommen nur die Bruchstücke, die die Erdoberfläche erreichen.

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