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Der erste aufrecht gehende Menschenaffe war ein Bayer | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Der erste aufrechtgehende Primat war ein Bayer

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    Der erste aufrecht gehende Menschenaffe war ein Bayer

    Die ersten aufrecht gehenden Vorfahren des Menschen stammen offenbar aus Bayern und nicht aus Afrika. Fast zwölf Millionen Jahre alte Fossilien des "Danuvius guggenmosi" wurden im Allgäu gefunden. Eines von ihnen bekam den Namen von Udo Lindenberg.

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    Der aufrechte Gang auf zwei Beinen ist eine Entwicklung aus Europa und nicht aus Afrika - und das mehrere Millionen Jahre früher als bisher angenommen. Diese bahnbrechende Entdeckung verdankt ein Forscherteam der Universität Tübingen jüngeren Funden aus dem Ostallgäu. Laut einer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie konnte der Menschenaffe mit Namen "Danuvius guggenmosi" schon vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen gehen.

    "Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie. Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie." Madelaine Böhme, Universität Tübingen und "Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment"

    Die Funde stellen damit die bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage, so Böhme. Sie hält es für "nahezu ausgeschlossen", dass es in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen gab. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

    Fossil "Udo" im Ostallgäu gefunden

    Das Team hatte zwischen 2015 und 2018 in einem Bachlauf der Tongrube "Hammerschmiede" bei Pforzen im Ostallgäu die versteinerten Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Der Danuvius guggenmosi habe vor 11,62 Millionen Jahren gelebt und sich wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegt.

    "Bislang war der aufrechte Gang ein ausschließliches Merkmal von Menschen. Aber Danuvius war ein Menschenaffe." Madelaine Böhme

    Die Forscher gaben dem Fossil den Beinamen Udo, weil sie es am 70. Geburtstag von Udo Lindenberg gefunden haben und an dem Tag viele seiner Lieder im Radio liefen.

    Mehr Ähnlichkeit mit Menschen als mit Affen

    Aus der Tongrube im Ostallgäu bargen die Paläontologen 37 Einzelfunde. Darunter waren vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen - insgesamt 15 Prozent eines Skeletts. Anhand von Ellbogen, Hüfte, Knie oder Sprunggelenk konnten die Forscher rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte. Nie zuvor seien mehrere funktionell wichtige Gelenke in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersucht worden. Die Wissenschaftler waren überrascht, dass einige Knochen mehr dem Menschen ähneln als dem Menschenaffen.

    Beweis: Erste S-förmige Wirbelsäule

    So habe Danuvius seinen Rumpf durch eine S-förmige Wirbelsäule aufrecht halten können, während Menschenaffen lediglich eine einfach gebogene Wirbelsäule besitzen. Außerdem hatte er X-Beine und ein stabiles Fußgelenk - für nur kletternde Menschenaffen wäre beides hinderlich. Seine verhältnismäßig langen Arme und Greiffüße zeigen aber, dass er auch in Bäumen lebte.

    Der Danuvius war etwa einen Meter groß und wog zwischen 18 und 31 Kilogramm. Er ernährte sich eher von härteren Pflanzenteilen als von weichen Blättern, so die Forscher. In der Gegend um das heutige Kaufbeuren gab es Auenwälder und viele Niederschläge, mit etwa 20 Grad war die durchschnittliche Jahrestemperatur vor zwölf Millionen Jahren wärmer als heute.

    Stolzer Bürgermeister von Pforzen

    "Wir waren überrascht, aber auch erfreut, als wir erfahren haben, dass so bedeutsame und sensationellen Funde bei uns im Gemeindegebiet gemacht wurden, und sind natürlich auch etwas stolz darauf." Herbert Hofer, Bürgermeister von Pforzen