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Bildrechte: pa / dpa

Das Alpenvorland bekommt den Klimawandel immer stärker zu spüren. Experten gehen davon aus, dass künftig Hagelstürme häufiger und heftiger vorkommen. Was gegen mögliche Schäden zu tun ist, beraten Forscher bei einem virtuellen "Hagel-Workshop".

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Dem Hagel auf der Spur: Forscher untersuchen ein Wetter-Risiko

Durch Hagel entstehen in Deutschland Schäden in großer Höhe, durch den Klimawandel wird dieses Problem noch wachsen. Forscher untersuchen die Hagelunwetter nun bei einem "Workshop"- und setzen auch auf die Mithilfe von Bürgern.

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Von
  • Anette Kolb

Jedes Jahr verursachen Hagelstürme schwere Schäden in Milliardenhöhe. Viele Gebäude sind schlecht gegen die Eisgeschosse gewappnet, besonders solche mit großen Glasflächen oder Solarzellen auf Dächern. Auch Oberbayern ist betroffen. Allein der Münchner Hagelsturm vom Pfingstmontag 2019 hat einen Schaden in Höhe von fast einer Milliarde Euro verursacht und war damit das teuerste Unwetter in Deutschland im Jahr 2019.

Klimawandel bringt mehr Hagelstürme

Meteorologen erwarten, dass durch den Klimawandel schwere Hagelunwetter bis zum Jahr 2050 um rund 15 Prozent zunehmen. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten Hagelkörner mit einem Durchmesser von 5 cm und größer sogar doppelt so häufig vom Himmel fallen.

Aber Hagelstürme sind noch erstaunlich wenig erforscht, bestätigen Experten:

"Hagel entstehen in schweren Gewitterwolken. Da reicht nicht eine alltägliche Gewitterwolke aus, sondern da braucht man sogenannte organisierte Gewitterwolken, die haben wir nicht allzu häufig. Was da sich dann abspielt in der Wolke, sind äußerst komplexe Prozesse und Mechanismen, die wir noch nicht vollständig verstanden haben." Prof. Dr. Michael Kunz, Meteorologe, Karlsruher Institut für Technologie

Forscherinnen und Forscher vermuten, dass bodennahe Luftfeuchte und damit auch die Instabilität der Atmosphäre zunehmen werden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Hagelstürmen und die Hagelkörner werden größer. Da Hagelstürme insgesamt relativ selten und zudem lokal begrenzt sind, reichen die Daten aus langfristigen Beobachtungen und an hochauflösenden Modellierungen noch nicht aus.

Bürger als Hagel-Beobachter

Das Karlsruher Institut für Technologie organisiert vom 15. bis 18. März 2021 online den internationalen "Hagel-Workshop". Wie sich plötzliche Hagelschauer besser vorhersagen und teure Schäden vermeiden lassen, darüber wollen sich internationale Expertinnen und Experten von Wetterdiensten und Versicherungen, aus Atmosphärenforschung, Landwirtschaft und Baubranche austauschen. Aber auch Menschen in betroffenen Regionen können helfen.

"Da hat es in den letzten Jahren deutliche Entwicklungen gegeben. Neben der Verbesserung der Modellphysik zu nennen sind hier vor allem Beobachtungsdaten. Der Deutsche Wetterdienst betreibt eine App, wo jeder Bürger Hagelbeobachtungen melden kann, das ist sehr, sehr hilfreich, da schließen wir dann die Beobachtungslücke." Prof. Dr. Michael Kunz, Meteorologe, Karlsruher Institut für Technologie

Die zusätzlichen Daten werden helfen, in Zukunft rechtzeitig vor Hagel zu warnen.

Deutschland will in der Forschung aufholen

Andere Länder sind in der Erforschung von Hagelstürmen schon weiter. In der Schweiz gibt es die Warn-App, in die alle Bürger Warnmeldungen eingeben können, schon seit 2016. Aktuell werden in der Schweiz 80 Messstationen für Hagel errichtet. Dort versetzt der Hagel eine Membran in Schwingung, ein Mikrofon zeichnet das Trommeln der Eiskörner auf. Aus den Daten lassen sich unter anderem die Größe der Körner und die Wucht ihres Aufpralls ermitteln. In Spanien und Frankreich messen Wissenschaftler die Größe der Hagelkörner schon seit den 1980er-Jahren mit Styroporplatten.

Aber auch Deutschland werden mittlerweile regionale Klimamodelle entwickelt und zum Beispiel Radardaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Schadendaten von Versicherungen verknüpft, um daraus die Hagelgefährdung abzuleiten.

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