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Das Grüne Band: Eine Erfolgsgeschichte für die Natur | BR24

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Das Grüne Band - entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist jetzt ein Biotopverbund entstanden

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Das Grüne Band: Eine Erfolgsgeschichte für die Natur

Der frühere Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze - ein Rückzugsort für seltene Tier- und Pflanzenarten. Nach dem Mauerfall vor 30 Jahren erkannten Naturschützer schnell das Potenzial. Sie erkämpften einen besonderen Lebensraum: das Grüne Band.

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Zwar wurden einige Straßen gebaut und Wiesen zu Ackerland, aber letztlich konnten engagierte Umweltschützer das Projekt durchsetzen. Sie überzeugten Politiker, Medien, Fachbehörden davon, eine Naturlandschaft und eine Erinnerungslandschaft zu entwickeln. Auf 177 Quadratkilometern Fläche sind 146 verschiedene Biotoptypen nachweisbar. Insgesamt ist das Grüne Band 1.400 Kilometer lang.

Tierische Landschaftspfleger halten die Flächen offen

Würde man der Natur völlig freien Lauf lassen, dann wäre der Grenzstreifen bald überwuchert, nichts mehr würde an die Teilung erinnern. Aber nicht nur die Erinnerung, auch die Landschaft will gepflegt werden, damit Altgrasbrache mit Feuchtgebieten, Trockenrasen und Sumpfgebiete erhalten bleiben. Deshalb wirken bei der Landschaftspflege auch tierische Helfer mit. Schafe und Galloway-Rinder halten die Flächen offen und Gestrüpp klein. Das schafft Lebensraum für stark gefährdete Arten wie die Wiesenweihe oder die Küchenschelle.

Wildkatze ist wieder heimisch

In den Wäldern am Grünen Band ist inzwischen auch die Wildkatze wieder heimisch. In freier Wildbahn wird man sie zwar nicht treffen – dazu ist sie zu scheu. Aber mit Hilfe von sogenannten Lockstöcken lässt sich ihre Existenz nachweisen. Sabine Jantschke ist ehrenamtliche Wildkatzenprojekt-Betreuerin. Sie präpariert die Stöcke mit Baldrian – den lieben Wildkatzen.

Wenn sie sich dann an den Stöcken reiben, hinterlassen sie Haare. Sabine Jantschke erklärt: "Wir brauchen die Haare, um damit genetische Analysen zu machen, und dann können wir sagen, ob’s wirklich eine Wildkatze oder vielleicht doch nur eine wilde Hauskatze war."

Vision für Bayern

Der Initiator des Grünen Bandes und Artenschutzreferent des BUND Naturschutz in Bayern, Professor Kai Frobel, sieht in dem Projekt ein Musterbeispiel für einen Biotopverbund. Kleine isolierte Schutzgebiete seien wenig hilfreich, so Frobel. Gefragt seien vernetzte und verwobene Gebiete.

"Das Grüne Band ist die Blaupause dafür, wie es aussehen müsste, um den bedrohten Artenreichtum in unserer Landschaft wieder zu fördern und zu stabilisieren." Frobel zufolge braucht Bayern viele Grüne Bänder - dies sei auch im Sinne derer, die das Volksbegehren gegen das Artensterben unterstützt hätten.

Bis dahin gilt es erst einmal die grünen Lücken an der ehemals innerdeutschen Grenze zu schließen. Zwölf Prozent des Bandes sind zerstört, 450 Straßen queren, zwölfmal kreuzen Autobahnen. Der Bund Naturschutz hat ausgerechnet: Auf insgesamt 170 Kilometern hat das Grüne Band Löcher.

Die Strategie der Naturschützer

Eine von denen, die sich um den Lückenschluss bemühen, ist Karin Kowol vom Bund Naturschutz Thüringen. Sie versucht möglichst viele Flächen zu kaufen und in Biotope zurückzuverwandeln. Doch gerade in fruchtbaren Regionen ist das schwierig - und vor allem teuer. Manchmal gelingt es mittels Grundstückstausch, Löcher im Band zu stopfen. Auf rund 10.000 Hektar Fläche ist das gelungen.

Es gibt noch viel zu tun

Liana Geidezis koordiniert für den Bund Naturschutz in Bayern alle Aktivitäten rund um den Biotopverbund. Mit dem, was bisher erreicht wurde, ist sie einerseits zufrieden, andererseits wünscht sie sich mehr Unterstützung vom Freistaat Bayern. Die östlichen Bundesländer, so Geidezis, seien schon weiter.

So hat zum Beispiel Thüringen das Grüne Band zum Nationalen Naturdenkmal erhoben - daran solle sich Bayern orientieren, so Geidezis. Das Nationale Naturmonument ist eine neue Schutzgebietskategorie, die Naturschutz und Erinnerungskultur verbindet – in diesem Fall geht es um die Erinnerung an die friedliche Revolution.

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Der frühere Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze - ein Rückzugsort für seltene Tier- und Pflanzenarten. Nach dem Mauerfall vor 30 Jahren erkannten Naturschützer schnell das Potential. Sie erkämpften einen besonderen Lebensraum.