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Das große Geschäft mit den FFP2-Masken?

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    Das große Geschäft mit den FFP2-Masken?

    Risikopatienten können bis Januar drei kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke abholen. Die Aktion des Bundes sorgt nun aber für Ärger: Denn die Apotheker erhalten ein Vielfaches vom eigentlichen Einkaufspreis, sagen Kritiker.

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    Von
    • Christina Schmitt

    "Am ersten Tag der Maskenausgabe kamen drei bis viermal mehr Kunden als sonst", erinnert sich Lilian Barbarino, Leiterin der Schloss Apotheke in Schwindegg. Auch jetzt, eine Woche nach dem Start, holen sich noch viele ihre kostenlosen FFP2-Masken ab. Bis zum 6. Januar soll die Aktion laufen – für rund 27 Millionen Risikopatienten, in ganz Deutschland. Dazu zählen etwa alle über 60 oder chronisch Kranke. Sie sollen durch die vergleichsweise hochwertigen Masken besser geschützt werden.

    Lieferanten wittern Steuerverschwendung

    Lilian Barbarino hat bislang rund 2.000 FFP2-Masken ausgegeben. Viel Arbeit war das. Als Entschädigung soll sie für jede Maske sechs Euro bekommen – finanziert aus Bundesmitteln. Allein für diese erste Aktion hat der Bund 491,4 Millionen Euro ausgeben. Zu viel, finden einige Lieferanten und Importeure.

    Achim Theiler von der Firma "Franz Mensch" beliefert auch Apotheken mit medizinischen Produkten. Er ist der Meinung, man hätte die FFP2-Maskenausgabe anders organisieren müssen, denn so würden Steuergelder verschwendet. "Die sechs Euro, ich weiß nicht, wer die berechnet hat. Bei uns kostet eine Maske unter einem Euro", sagt er.

    Bund will Anreiz schaffen für Apotheker

    In dem Erstattungsbetrag von 6 Euro seien die Umsatzsteuer und die Leistung des Apothekers enthalten, heißt es aus dem Bundesministerium für Gesundheit. "Wir setzen damit einen Anreiz, dass die Apotheken die Masken beschaffen", argumentiert das Bundesgesundheitsministerium weiter. Die Apotheken sollen zudem ihre Kunden beraten und auch überprüfen, ob sie überhaupt berechtigt sind, die Masken zu erhalten.

    Apotheken zahlen nicht nur für Material

    Dass alle Apotheken automatisch einen Gewinn erwirtschaften, glaubt Apothekerin Lilian Barbarino nicht. Auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gibt zu bedenken, dass die Apotheker einen deutlichen Mehraufwand durch die Maskenausgabe hätten. Einige seien sogar gezwungen gewesen, noch zusätzliches Personal einzustellen, beispielsweise um die Masken umzupacken, von zehn Stück auf drei pro Tüte.

    Auch Lilian Barbarino glaubt, dass das Plus durch die Masken wahrscheinlich eher niedriger bei ihr ausfallen wird. "Wir mussten nach dem Beschluss, der ja recht kurzfristig auf uns zukam, schnell bestellen", sagt sie. Sie habe kein Angebot für unter einem Euro gefunden, das noch lieferbar gewesen sei. "Außerdem achten wir sehr auf die Qualität. Unsere Masken sind in Deutschland produziert.“ Sie hat dafür etwa 2,50 Euro pro Stück bezahlt. Hinzu käme der Arbeitsaufwand für ihre Mitarbeiter.

    Kompliziertes Vergütungssystem: Pauschale statt 6 Euro

    Wie viel Apothekerin Barbarino mit ihren Masken tatsächlich verdienen wird, könne sie allerdings noch nicht einschätzen. Der Grund: Das Vergütungssystem. Denn der Bund hat die 491,4 Millionen an die ABDA bezahlt, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Diese verteilen an die Apotheken das Geld anteilig: Je nachdem, wie viele Kunden sie haben. Die Zahl der Kunden will die ABDA daran ablesen, wie viele Arzneimittelpackungen im 3. Quartal ausgegeben wurden.

    Es ist allerdings fraglich, ob das System so gerecht ist: Wie viele Masken die Apotheken ausgeben müssen, ist nicht festgelegt und wird wohl nicht überprüft. Für Lilian Barbarino bedeutet das: Verteilt sie wenig Masken, ist ihr Gewinn groß. Verteilt sie sehr viele, bleibt sie auf den Kosten sitzen. "Es ist eine sinnvolle Aktion. Und wenn zum Beispiel ein Stammkunde kommt, der Risikopatient ist, werde ich ihn nicht ohne Masken wegschicken, auch wenn mein Kontingent erschöpft ist."

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