Das erste veröffentlichte, zeitlich dokumentierte Röntgenbild der Welt: die Hand von Bertha Röntgen, Ehefrau von Wilhelm Conrad Röntgen.
Bildrechte: Sammlung Nachlass Wilhelm Conrad Röntgen, Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid.

Das erste veröffentlichte, zeitlich dokumentierte Röntgenbild der Welt: die Hand von Bertha Röntgen, Ehefrau von Wilhelm Conrad Röntgen.

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Das berühmteste Röntgenbild der Welt wird 125 Jahre alt

Das berühmteste Röntgenbild der Welt wird 125 Jahre alt

Mehr als eine halbe Stunde lang muss Bertha Röntgen am 22. Dezember 1895 stillsitzen. So lange bestrahlt ihr Mann Wilhelm Conrad Röntgen ihre Hand. Berthas Geduld wird belohnt: Die Aufnahme gilt heute als das spektakulärste Röntgenbild der Welt.

Die erste Röntgenaufnahme der Welt war es sicherlich nicht, die Wilhelm Conrad Röntgen am 22. Dezember 1895 angefertigt hat. "Aber die erste veröffentlichte und genau zeitlich dokumentierte", erläutert Uwe Busch, der Direktor des Deutschen Röntgen-Museums in Remscheid.

Röntgen habe vorher sicherlich schon andere Aufnahmen gemacht, um seine Arbeiten zu dokumentieren. "Wahrscheinlich auch schon einmal von einem Buch oder einem Holzbrett - aber die anderen Aufnahmen sind eben alle nicht datiert."

Bertha Röntgen brauchte bei Aufnahme viel Geduld

Unter den frühen Röntgenbildern ist die Hand seiner Frau Bertha mit dem scheinbar frei schwebenden Ring sicherlich die spektakulärste Aufnahme. Sie wird berühmt - und der 22. Dezember 1895 zum Geburtstag der Radiologie, schreibt das Deutsche Röntgen-Museum.

Zu verdanken ist dies nicht zuletzt Bertha Röntgens "Tapferkeit": Uwe Busch kann dank eines nachgestellten Versuchsaufbaus abschätzen, wie lange die Ehefrau von Wilhelm Conrad Röntgen für das Röntgenbild still sitzen musste: "Mindestens eine halbe, wenn nicht eine dreiviertel Stunde."

Bildrechte: Sammlung Nachlass Wilhelm Conrad Röntgen, Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid

Die Hand von Bertha Röntgen vom 22. Dezember 1895.

Die Entdeckung der Röntgenstrahlen

Die Röntgenstrahlen hat Wilhelm Conrad Röntgen erst wenige Wochen vor diesem sehr privaten Experiment mit seiner Ehefrau Bertha entdeckt: Am 8. November 1895 experimentierte er noch spätabends in seinem Labor im ehemaligen Physikalischen Institut der Universität Würzburg. Ihn interessierten die elektrischen Ladungen in einer Kathodenröhre, einer nahezu luftleeren Glasröhre.

Das Licht in der Röhre erhellte den Raum schwach. Weil Röntgen dies störte, umhüllte er die Röhre mit schwarzem Karton. Da hellte sich plötzlich ein weiter entfernt stehender Fluoreszenzschirm auf. Beim weiteren Experimentieren geriet seine Hand zwischen die Kathodenröhre und den Leuchtschirm - und Röntgen blickte direkt auf die Schatten seiner Handknochen.

"Ich hatte von meiner Arbeit niemand etwas gesagt: Meiner Frau teilte ich nur mit, dass ich etwas mache, von dem die Leute, wenn sie es erfahren, sagen würden: 'Der Röntgen ist wohl verrückt geworden'." Wilhelm Conrad Röntgen (Quelle: roentgen2020.de)
Wilhelm Conrad Röntgen Gedächtnisstätte
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Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg die Röntgenstrahlen.

Röntgen verfügte alle Aufzeichnungen zu vernichten

So in etwa soll sich die Entdeckung der Strahlen, die Röntgen "X-Strahlen" nannte, zugetragen haben. Tatsächlich lässt sich die Entdeckung der Röntgenstrahlen nur grob rekonstruieren. Röntgen verfügte in seinem Testament, all seine Aufzeichnungen - außer den veröffentlichten Aufsätzen - nach seinem Ableben zu vernichten.

Nach diesen ersten, eher zufälligen Beobachtungen forschte Röntgen unermüdlich weiter. Die Entdeckung der unbekannten Strahlen fesselte ihn derart, dass er sich sechs Wochen lang in seinem Labor einschloss und es kaum noch verließ. Nach seinen gewissenhaften Studien veröffentlichte er Ende 1895 seinen berühmten Artikel "Über eine neue Art von Strahlen".

Entdeckung bringt Nobelpreis für Physik ein

1901 erhielt Röntgen für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik. Bescheiden verzichtete er auf das Preisgeld und stiftete es der Universität Würzburg. Schon 1905 hieß es beim Kongress der Röntgen-Vereinigung zu Berlin: "In dieser vervollkommneten Weise sind die Röntgenstrahlen [...] in allen Spezialfächern der Menschenheilkunde [...] ein unersetzliches und unentbehrliches Hilfsmittel geworden." Röntgens Name wurde zu einem Verb: röntgen.

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