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Darmkrebs: So wichtig ist die Koloskopie | BR24

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Darmspiegelung.

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    Darmkrebs: So wichtig ist die Koloskopie

    Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsleiden. Obwohl das nicht sein müsste. Denn wird er rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs fast immer heilbar. Eine der erfolgreichsten Früherkennungsmaßnahmen ist die Koloskopie - die Darmspiegelung.

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    Von
    • Nora Zacharias

    61.020 Darmkrebs-Neuerkrankungen und 24.596 Todesfälle gab es laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr. Durch rechtzeitige Vorsorge, einen gesünderen Lebensstil und die Koloskopie kann das Darmkrebsrisiko jedoch massiv gemindert werden. Das verdeutlicht eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

    Hochrechnungen: Gesunder Lebensstil beeinflusst das Risiko

    In der Rhein-Neckar-Odenwald Region wurden seit 2003 mehr als 7.000 Personen mit und ohne Darmkrebs befragt. Die Epidemiologen Dr. Michael Hoffmeister und Dr. Prudence Carr vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) analysierten diese Daten und berechneten das absolute Risiko, ab dem 50. Geburtstag innerhalb von 30 Jahren an Darmkrebs zu erkranken.

    Dazu ordneten die Epidemiologen die Probanden in Gruppen ein. Erst anhand ihres genetischen Risikos, dann aufgrund ihres Lebensstils.

    Dieser Lebensstil berechnet sich anhand fünf Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Alkohol, Ernährung sowie Bewegungsmangel, erklärt Dr. Michael Hoffmeister:

    "Wir haben jede gesunde Verhaltensweise mit einem Punkt belohnt. Das heißt: Wenn jemand normalgewichtig war, gab es einen Punkt und wenn jemand zum Beispiel wenig Alkohol getrunken hat, gab es einen Punkt. Und so konnte man auf dieser Skala fünf Punkte erzielen. Fazit: Je mehr gesunde Verhaltensweisen verinnerlicht wurden, desto geringer war das Darmkrebsrisiko." Dr. Michael Hoffmeister, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum

    Hochgerechnet erkrankt ein Mann mit einem mittleren genetischen Risiko und einem unvorteilhaften Lebensstil ab dem 50. Lebensjahr zu 9,4 Prozent an Darmkrebs.

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    Ein gesunder Lebensstil senkt das Darmkrebsrisiko. Studie: Carr et al. Gastroenterology 2018/ Deutsches Krebsforschungszentrum.

    Bei einem etwas gesünderen Lebensstil sinkt das Risiko auf 7,4 Prozent, bei einem sehr gesunden sogar auf 5,3 Prozent. Bei Frauen ist das Risiko, Darmkrebs zu bekommen, generell geringer. Jedoch hat der gesunde Lebensstil den gleichen Einfluss.

    Die Koloskopie reduziert das Risiko am stärksten

    Die Studie zeigt jedoch: Einen viel größeren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat die Koloskopie (Darmspiegelung):

    "In unserer Studie haben wir gesehen, dass die drastischste Risikoabsenkung für Darmkrebs durch die Koloskopie erzielt werden konnte. Also: über den Lebensstil hinaus und auch unabhängig vom genetischen Risiko." Dr. Michael Hoffmeister, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum

    Ohne Koloskopie hat ein Mann mit mittlerem genetischen Risiko und halbwegs gesundem Lebensstil ein Risiko von 7,4 Prozent, mit dieser sinkt das Risiko auf 2,6 Prozent. Also um fast 4,8 Prozent. Bei Frauen mit mittleren genetischen Risiko und durchschnittlichem Lebensstil sinkt das Darmkrebsrisiko mit einer Koloskopie um 4,3 Prozent.

    Krankenkassen zahlen Darmkrebsvorsorge ab 50/55 Jahren

    Männer erkranken an Darmkrebs früher und häufiger. Deshalb haben Männer ab dem 50. Geburtstag einen gesetzlichen Anspruch auf zwei Koloskopien im Zeitraum von zehn Jahren. Frauen erst ab dem 55. Lebensjahr. Ist der Befund hier unauffällig, muss diese erst nach 10 Jahren wiederholt werden.

    Alternativ zahlt die Krankenkasse für beide Geschlechter vom 50. bis zum 55. Lebensjahr jährlich, ab dem 55. Lebensjahr alle zwei Jahre, einen Stuhltest. Bei diesem können versteckte Spuren von Blut erkannt werden können. Diese können ein erstes Anzeichen für Polypen sein, harmlose Schleimhautwucherungen, die zu Krebs werden können.

    Genetisch Vorbelastete müssen früher zur Koloskopie

    Ein wesentlich höheres Risiko haben Menschen, die familiär vorbelastet sind. Von ihnen müssen manche schon ab 25 Jahren zur regelmäßigen Vorsorge, betont der Arzt und Wissenschaftler Dr. Jakob Kather vom Uniklinikum in Aachen.

    "Wenn man bei einer Person herausfindet, dass so eine genetische Mutation vorliegt, die zum Krebs disponiert. Muss man die Konsequenzen ergreifen und frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen machen."Dr. Jakob Nikolas Kather, Arzt und Studienleiter, Uniklinik RWTH Aachen

    Jedoch werden nicht alle Darmkrebspatienten darauf getestet, ob bei ihnen ein genetischer Krebs vorliegt. Denn hierzu wird ein spezieller Test auf Mikrosatelliten-Instabilität – kurz MSI – benötigt. Die jetzigen Labortests sind jedoch sehr teuer und aufwendig.

    Künstliche Intelligenz könnte bei Früherkennung helfen

    Das könnte sich in Zukunft durch Tests mit Künstlicher Intelligenz (KI) ändern. Dr. Kather hat mit seinem Team erforscht, wie man durch KI erkennen kann, ob ein Karzinom bei einem Darmkrebspatienten genetisch veranlagt ist.

    Wichtig für Patienten, vor allem aber für Angehörige, die diese genetische Anlage zu 50 Prozent erben können - und dann schneller wissen, ob bei ihnen eine genetische Veranlagung zum Darmkrebs vorliegt und sie früher zur Vorsorge gehen müssen.

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    Erprobung von KI in der Darmkrebs-Vorsorge.

    Wie das funktoniert? Die Maschine wurde mit histologischen Bildern von 8.000 Patientinnen und Patienten gefüttert. Die künstliche Intelligenz teilt nun die histologischen Bilder in Farben ein. Die Stellen, die gelb kennzeichnet werden, sind ein Nachweis, dass bei dem Tumor eine sogenannte Mikrosatelliten-Instabilität vorliegt und der Krebs mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit genetische Ursachen hat.

    Dieses Verfahren ist noch nicht zugelassen und wird momentan nur in der Forschung weiterentwickelt. Jedoch könnten diese Prozesse in Zukunft die Früherkennung vereinfachen und beschleunigen.

    "Die große Motivation für unsere Forschung ist eben, dass wir diese diagnostischen Prozesse schneller und einfacher und günstiger machen möchten. Und auch in der Breite besser verfügbar." Dr. Jakob Nikolas Kather, Arzt und Studienleiter/Uniklinik RWTH Aachen

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