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Damit an gedämmten Fassaden möglichst lange keine unansehnlichen Algen und Flechten wachsen, werden häufig Farben und Putze mit sogenannten Bioziden verwendet. Forschungen zeigen: Diese können vom Regen ausgewaschen werden und die Umwelt gefährden.

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Biozide in der Fassade – Umweltgefahr aus der Wand?

Damit an gedämmten Fassaden möglichst lange keine unansehnlichen Algen und Flechten wachsen, werden häufig Farben und Putze mit sogenannten Bioziden verwendet. Forschungen zeigen: Diese können vom Regen ausgewaschen werden und die Umwelt gefährden.

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Von
  • Simon Plentinger

Modern, nachhaltig und umweltfreundlich bauen bedeutet unter anderem, die Fassaden möglichst gut zu dämmen. Doch das bringt ein neues Problem mit sich: Bei guter Dämmung bleibt die Oberfläche der Außenfassade auch deutlich kühler als bei nicht gedämmten Gebäuden. Dadurch trocknet Feuchtigkeit, die zum Beispiel nach Regen auf der Außenwand zurückbleibt, langsamer.

Dieses Mehr an Feuchtigkeit an Außenwänden zusammen mit organischen Bestandteilen in Farben und Putzen bedeutet beste Wachstumsbedingungen für Algen, Moose und Flechten. Das Ergebnis: Schnell kann sich die Fassade grau, braun oder grünlich verfärben. Im Wesentlichen ein ästhetisches Problem. Und ein wirtschaftliches. Früher oder später muss die Fassade saniert werden.

Einige Biozide im Rahmen einer Übergangsregelung erlaubt

Um gegenzusteuern werden - seitdem modern gedämmt wird - von den Herstellern Putze und Farben angeboten, in denen sogenannte Biozide beigemischt sind. Diese verhindern ein Wachstum von Algen und anderem Bewuchs. Doch dabei kommen auch Chemikalien zum Einsatz, die etwa in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel längst verboten sind.

Eine solche unterschiedliche Rechtslage kommt dadurch zustande, dass solche Substanzen in der EU je nach Einsatzgebiet überprüft und zugelassen werden. Die Verfahren dauern viele Jahre. Manche Substanzen wurden für ihren Einsatz in der Landwirtschaft bereits vollständig überprüft und nicht mehr zugelassen. Für ihren Einsatz als Biozid in Baustoffen wurden sie aber noch nicht vollständig überprüft.

Die Verwendung einiger Chemikalien ist momentan auch nur im Rahmen einer Übergangsregelung gestattet, da sie bereits auf dem Markt waren, bevor die EU Biozide mit einer Verordnung aus dem Jahr 2012 reguliert hat.

Chemikalien könnten langfristig der Umwelt schaden

Biozide sind Stoffe, die sich gezielt gegen Organismen wie in diesem Fall Algen und Flechten richten. Gelangen sie in die Umwelt, könnten Sie auch dort eine giftige Wirkung gegen andere Organismen entfalten, so Outi Ilvonen vom Umweltbundesamt (UBA). Gerade wurde eine Untersuchung im Auftrag des UBA abgeschlossen. Dabei wurde in zwei Neubaugebieten in Berlin gemessen, wie hoch die Konzentrationen von Bioziden in den Regenabwässern rund um die Gebäude waren.

"Wir waren dann doch schockiert, wie viele Biozide aus den Neubaugebieten rausgekommen sind", so Ilvonen. Gelangen die Biozide schließlich in Oberflächengewässer oder versickern im Boden, könnten sie dort langfristig eine Gefahr für die ökologische Qualität darstellen, meint die Expertin. Dazu komme das Problem, dass etwa Kläranlagen Biozide kaum aus Abwässern herausfiltern können.

Forschung in Bayern mit Freiland-Studie

Wie groß die Gefahren genau sind und wie viele Biozide tatsächlich etwa durch Regen in die Umwelt gelangen, wird auch in Bayern erforscht. An der Hochschule Coburg laufen aktuell zwei Forschungsprojekte zu biozidhaltigen Baustoffen, die auch vom bayerischen Wissenschafts- und dem Umweltministerium finanziert werden. Gerade geht für eine Studie ein Freiland-Versuchsaufbau in Betrieb.

Auf einem Parkplatz in der Nähe der Hochschule hat einer Gruppe von Forscherinnen und Forschern eine ganze Reihe von etwa kniehohen Betonsteinen aufgestellt. Auf die senkrechte Fläche der Steine wurden unterschiedliche Putze und Farben aufgebracht, die auch beim Hausbau verwendet werden. Sie sollen echte Fassaden mit modernen Anstrichen simulieren. Die Steine sollen dort für ein Jahr bei jeder Witterung im Freien stehen. Das Ablaufwasser der Mini-Fassaden wird aufgefangen um Labor analysiert.

Biozide werden langfristig ausgewaschen

Mit den Analysen kann das Forscherteam herausfinden, welche Konzentrationen von Bioziden tatsächlich aus den Fassaden ausgewaschen werden und wie das mit den Regenmengen zusammenhängt. Auch wird im Labor getestet, wie sich das Ablaufwasser auf ein Stück Boden auswirkt, wie schnell sich die Chemikalien abbauen, ob sie sich im Boden anreichern und ob möglicherweise noch giftigere Zerfallsprodukte entstehen.

Schon jetzt weiß das Team um Professor Stefan Kalkhof, dass die Biozide nicht in der Wand bleiben. Denn um zu wirken, müssen sie sich Stück für Stück aus der Farbe lösen. Besonders durch Schlagregen, also Regen, der durch Wind gegen die Fassade geweht wird, können sie dann auch im Laufe der Zeit ausgewaschen werden.

Umweltbundesamt setzt auf Aufklärung

Auch wenn dabei geringere Konzentrationen frei werden, als wenn die Stoffe als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, sieht das Umweltbundesamt trotzdem Handlungsbedarf. Expertin Outi Ilvonen geht zwar davon aus, dass einige der Stoffe in den kommenden Jahren noch verboten werden könnten, wenn ihre Bewertung abgeschlossen ist. Bis dahin setzt das UBA auf Aufklärung und stellt Informationsmaterialien etwa für Architekten zur Verfügungen. Denn es gibt Alternativen.

Biozideinsatz nicht immer notwendig

Die meisten Farbhersteller haben sowohl biozidhaltige als auch biozidfreie Produkte im Angebot. Nicht immer ist ein Biozideinsatz wirklich notwendig. Es gibt Farben, die Algen und Flechten auf andere Weise fernhalten oder auch Biozide zumindest möglichst gut in der Wand festhalten. Maler und Farbhändler können einschätzen was in welchem Fall sinnvoll ist.

Und auch schon bei der Bauplanung lässt sich einiges machen: Ein überstehendes Dach wie bei klassischer Bauweise hält mehr Regen von der Fassade fern, die so weniger feucht wird. Experten für nachhaltiges Bauen fordern sogar darüber nachzudenken, wie viel Dämmung tatsächlich notwendig ist und ob nicht generell mäßigeres Heizen sinnvoller wäre.

Und: Letztlich bleiben Algen Moose und Flechten an Fassaden im Wesentlichen ein ästhetisches Problem. Eine Lösung kann auch sein, von vornherein einen dunkleren Farbton zu wählen, auf dem ein Bewuchs kaum sichtbar ist.

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Klaus Kümmerer, Professor für Nachhaltige Chemie und Stoffliche Ressourcen an der Leuphana-Universität Lüneburg rät deshalb zu biozidfreien Farben oder das Problem mit baulichen Lösungen wie Dachüberständen anzugehen.

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