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Coronavirus - Warum sind die Fallzahlen unterschiedlich hoch? | BR24

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Robert Koch-Institut

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    Coronavirus - Warum sind die Fallzahlen unterschiedlich hoch?

    Die veröffentlichten Coronavirus-Infektionszahlen variieren teils stark. Das liegt an verschiedenen Meldeketten für Coronavirus-Fälle im In- und Ausland sowie daran, wie die Daten erhoben werden.

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    Falsch sind die unterschiedlichen Zahlen nicht. Sie wurden lediglich zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedliche Arten erhoben und veröffentlicht. Die meistbeachteten Datenquellen für Coronavirus-Zahlen sind momentan für Deutschland das Robert Koch-Institut (RKI) und die World Health Organization (WHO) sowie die Johns Hopkins Universität auf internationaler Ebene. Wie gehen die Organisationen vor, um an Daten zu kommen und wie veröffentlichen sie diese? Ein Überblick:

    Coronavirus-Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI)

    Die Meldekette ans RKI sieht so aus: Ein Fall vor Ort wird bekannt (Arzt oder andere Einrichtungen). Dieser wird an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet, das die Daten in eine Software des RKIs einpflegt sowie faxt und an die zuständige Landesbehörde übermittelt. Diese schickt die Daten dann an das RKI. Das RKI wiederum veröffentlicht Fallzahlen auf seiner Internetseite und gibt zusätzlich täglich Situationsberichte zu Covid-19 heraus, die auch Fallzahlen enthalten. In der Vergangenheit führte das zu Verwirrung, weil sich die Zahlen unterschieden. Das lag daran, dass die Zahlen auf der Internetseite vom Tag selbst stammten, während sich die Zahlen im Situationsbericht auf den Vortag bezogen.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

    Künftig soll sich das ändern, sagte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage von heute.de. Die Zahlen auf der RKI-Website sollen künftig täglich um 10 Uhr veröffentlicht werden und beziehen sich auf den Datenstand von Mitternacht. Die Daten im Situationsbericht sollen künftig vom Tag stammen, auf den sich der Bericht bezieht und am frühen Nachmittag veröffentlicht werden. Der Datenstand ist ebenfalls der von Mitternacht. Die bisherige Meldekette des RKI führt zu einem "Meldeverzug" von ein bis zwei Tagen, sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, am 17. März 2020 in einem Zeitungsinterview. Dazu kommt ein Diagnoseverzug von ein bis zwei Tagen und durch die Inkubationszeit von Covid-19 eine Verzögerung von fünf bis sechs Tagen. Erst in knapp zwei Wochen wird sich in Zahlen zeigen, was die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gebracht haben.

    Coronavirus-Zahlen der WHO

    Die WHO aktualisiert ihre Daten auf der Homepage täglich und veröffentlicht diese auch in täglichen Lageberichten. Die Zahlen haben nationale Behörden geliefert. Der Datenstand ist 10 Uhr mitteleuropäische Zeit.

    Coronavirus-Zahlen der Johns-Hopkins-Universität

    Die Johns-Hopkins-Universität zeigt auf ihrer Website nahezu in Echtzeit eine Karte mit Zahlen von Erkrankten, Verstorbenen und Genesenen weltweit. Für die Daten greift ein Forscherteam der Universität auf verschiedene Quellen zu, weil es keine Daten von Behörden geliefert bekommt, und aktualisiert sowohl mit automatischen Updates als auch manuell. Abgegrast werden öffentlich zugängliche Daten der Weltgesundheitsorganisation, der US-amerikanischen Zentren für Seuchen und Prävention, des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, der Nationalen Gesundheitskommission der Volksrepublik China sowie von DXY, das ist ein Netzwerk von Personen aus dem Gesundheitswesen. Zudem analysieren die Forscher lokale Medienberichte, checken Twitter-Meldungen und verifizieren Hinweise, die ihnen geschickt wurden. Die Zahlen der Johns Hopkins Universität sind in der Regel ein wenig aktueller als die Zahlen des RKI.

    💡 Infos zur John-Hopkins-Universität

    • Die Johns Hopkins University (JHU) ist eine private Universität in Baltimore, USA, und wurde 1876 gegründet. Die Hochschule hat bislang 29 Nobelpreisträger hervorgebracht (Stand: 20.3.20) und landet regelmäßig in der Top 20 des internationalen Hochschulrankings sowie in der Top 10 des US-Rankings.

    Quelle: tagesschau.de, heute.de, Lars Schaade in der Süddeutschen Zeitung, Hendrik Streeck in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im B5 aktuell-Podcast, Alexander Kekulé in hart aber fair, John Hopkins University/www.jhu.edu