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Coronavirus und Ibuprofen: WHO zieht ihre Warnung zurück | BR24

© dpa-Bildfunk/Patrick Seeger

WHO: Kein Ibuprofen ohne ärztlichen Rat bei Coronavirus-Verdacht

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Coronavirus und Ibuprofen: WHO zieht ihre Warnung zurück

Ein Kettenbrief warnte vor der Einnahme von Ibuprofen bei Covid-19, da es zu einer Vermehrung der Viren käme. Fake-News, wie sich herausstellte. Trotzdem warnte die WHO zunächst vor einer Einnahme. Diese Warnung zieht sie jetzt zurück.

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Fieber und Schmerzen - bei diesen Symptomen, die mit zahlreichen Erkrankungen wie Erkältungen, Grippe aber auch Corona verbunden sind, greift man schnell zu einer schmerzlindernden und fiebersenkenden Tablette. Beliebte Medikamente zur Selbstmedikation sind Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol.

In den vergangenen Tagen entstand Unsicherheit, da zunächst ein WhatsApp-Kettenbrief davor warnte, im Falle von Covid-19 Ibuprofen einzunehmen, und sich die Weltgesundheitsorganisation WHO der Warnung anschloss. Jetzt hat die WHO diese Warnung zurückgenommen.

Keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen

Durch weitere Prüfung von Studien und die Nachfrage bei Ärzten hat sich die Meinung der WHO offenbar geändert: Über die bekannten Nebenwirkungen des Medikaments Ibuprofen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus gebe es keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten.

"Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab" Weltgesundheitsorganisation WHO

Rückblick: Ein Kettenbrief streut Gerüchte um Ibuprofen

Am vergangenen Wochenende (14./15. März) hatte sich das Gerücht über einen WhatsApp Kettenbrief verbreitet, dass Ibuprofen zu einer Verschlimmerung der Covid-19 Erkrankung führe, da sich durch eine Einnahme die Vermehrung des Virus beschleunigen würde. Das hätten Forschungen der Universität Wien ergeben, so die Behauptung. Die medizinische Universität Wien hatte die Meldung jedoch dementiert.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Infektiologe: Rücksprache mit Arzt halten

Neben der WHO gab es allerdings auch andere skeptische Stimmen von Experten zum Gebrauch von Ibuprofen und anderen fiebersenkenden Mitteln.

In einer BR-Extra-Sendung im BR-Fernsehen riet Prof. Bernd Salzberger, Infektiologe an der Universitätsklinik Regensburg, dazu, Ibuprofen bei Corona-Verdacht nur noch nach Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen.

© BR

Im BR-Extra zur Corona-Lage hat der Infektiologe der Uniklinik Regensburg, Bernd Salzberger erklärt, bisher gebe es keine soliden Daten, die zeigten, dass Ibuprofen und das Coronavirus verstärkten.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Schweizer Gesundheitsamt warnte ebenfalls

Auch das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz warnte vor dem Gebrauch von Ibuprofen. Es hat zwar nach eigenen Angaben ebenfalls keine eindeutige Hinweise darauf, dass Medikamente, die Ibuprofen enthalten, den Krankheitsverlauf bei Covid-19 verschlimmern. In Einzelfällen sei jedoch beobachtet worden, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führten.

Bewiesen sei dies jedoch nicht. Bis zu einem Ergebnis der Überprüfungen empfiehlt das Bundesamt eine vorsichtige Haltung gegenüber dem Gebrauch von Medikamenten auf der Basis von Ibuprofen, zumal die Behandlung von Fieber allgemein nicht notwendig sei.

Die Datenlage sei "extrem gering"

Der Virologe Prof. Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn erklärte im BR, zwar gebe es die Befürchtung, dass bei Einnahme von Ibuprofen der Körper nicht mehr ausreichend gegen das Coronavirus kämpfe. Die Datenlage dazu sei aber, so Streeck "extrem gering".

Auch Aspirin und Diclofenac scheinen ungeeignet

Schon am Wochenende warnte der französische Gesundheitsminister vor Entzündungshemmern wie Ibuprofen. Auch der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon riet von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) ab. Dazu zählen neben Ibuprofen auch Acetylsalicylsäure (ASS oder Aspirin) und Diclofenac. Im Gegensatz dazu gehört Paracetamol nicht zur Gruppe der NSAR.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) schloss am Wochenende nicht aus, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, bei der Lungenerkrankung Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", erläutert der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. Bei Paracetamol sei das nicht der Fall.

Bisher keine klinischen Daten

Dennoch sei ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von NSAR und schweren Verläufen bei Covid-19 nach seinem Wissen bislang nicht gesichert, betont Schmidt-Chanasit. "Wir wissen wenig über die Pathogenese des Virus Sars-CoV-2. Es gibt dazu bisher keine klinischen Daten."

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