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Coronavirus oder Influenza: Womit steckt man sich eher an? | BR24

© Center for Disease Control

Dieses undatierte Handout des amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) zeigt einen Coronavirus unter dem Mikroskop.

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    Coronavirus oder Influenza: Womit steckt man sich eher an?

    An Influenza erkranken jedes Jahr viele Deutsche, auch in Bayern stieg die Zahl der Grippefälle zuletzt an. Trotzdem richtet sich die Aufmerksamkeit derzeit eher auf das neuartige Coronavirus. Was ist nun ansteckender?

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    Derzeit ist Grippesaison. Allein in Oberbayern wurden laut dem Bayerischen Gesundheitsamt bisher mehr als 540 Influenza-Fälle registriert. Seit im Freistaat allerdings die ersten Fälle des neuen Coronavirus aufgetreten sind, dreht sich vieles nur noch darum. Doch wie ansteckend ist die Lungenkrankheit überhaupt - und was ist der Unterschied zu einer normalen Grippe?

    Warum gibt es keine Impfung gegen Corona?

    Die Gruppe der Coronaviren ist seit vielen Jahren bekannt, dazu gehören zum Beispiel das SARS- oder MERS-Virus. Ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus 2019-nCoV ist aber laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gegenwärtig nicht verfügbar. Der Virologe Alexander Kekulé sagte dem BR: "Die Coronaviren sind Weltmeister im Verändern. Die verändern sich während eines einzelnen Ausbruchs schon so schnell, dass der Impfstoff, der vielleicht am Anfang mal wirksam war, schon nach ein paar Wochen nicht mehr funktioniert."

    Bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus könnten aber die Erfahrung mit anderen, vergleichbaren Erregern aus den Jahren 2003 und 2012 helfen. Die Globale Impfallianz (GAVI) schätzt, dass ein Impfstoff frühestens in einem Jahr verfügbar sein wird.

    Gegen die saisonale Influenza gibt es hingegen eine Impfung. "Wer noch nicht geimpft ist, kann das jetzt noch nachholen", so Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer.

    Corona ansteckender als SARS

    Die erste gemeldete Corona-Infektion in Bayern gilt als erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Chinas und "äußerst beunruhigend", sagt der Medizinprofessor an der Norwich Medical School an der Universität von East Anglia, Paul Hunter. Ein 33-jähriger Mitarbeiter der Firma Webasto steckte sich wohl bei einer chinesischen Kollegin an, noch bevor sie selbst Symptome zeigte. Inzwischen wurde bei drei weiteren Mitarbeitern die Lungenkrankheit festgestellt. Wenn sich das Virus aber schon in diesem frühen Stadium ausbreite, mache das die Standardkontrollstrategien weniger wirksam, erläutert Hunter.

    Genau das unterscheide das Virus auch vom SARS-Erreger, meint Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Das neue Coronavirus sei demnach zwar ansteckender als der SARS-Erreger. Allerdings sei bei SARS die Rate von schweren Krankheitsverläufen höher gewesen. Nach Einschätzung von Experten verläuft die neue Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, zum Teil sogar ohne Symptome.

    Was passiert, wenn sich ein Influenza-Erkrankter mit Coronavirus infiziert?

    Wenn sich ein Grippekranker mit dem Coronavirus infiziert, könnte man meinen, dass eine Doppelfunktion schwerer verläuft als eine Einzelinfektion. Allerdings: "Bisher sind solche Fälle aber auch aus Wuhan, dem Zentrum der Coronavirus-Infektion, wo ja auch zusätzlich Influenza grasiert, nicht beschrieben", sagt Ulrike Protzer, Virologin an der TU München. Auch der Virologe Kekulé hält das Zusammenfallen beider Infektionen für extrem abwegig.

    Unterschiede zwischen Grippe und Corona

    Eine "echte" Grippe sei durch sehr plötzlich einsetzendes, schweres Krankheitsgefühl, Fieber und Gliederschmerzen charakterisiert, so die Virologin Protzer. Die Coronavirus-Infektion beginne eher wie eine Erkältungskrankheit. Erst in der Folge trete Fieber auf, und es könne - in einzelnen Fällen - zu einer Lungenentzündung kommen.

    Bei beiden Viren handle es sich aber um RNA-Viren, die ihre Erbinformation verändern können, wenn sie sich vermehren. Sie könnten sich damit auch auf veränderte Bedingungen, wie zum Beispiel einen neuen Wirt, anpassen, meint die Expertin aus München.

    Corona nicht so infektiös wie Influenza

    Corona sei auch nicht so infektiös wie Influenza oder Masern, bestätigen der Virologe Kekulé und Martin Hoch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Grippesymptome und solche, die das Corona-Virus auslösen, könnten aber überhaupt nicht voneinander unterschieden werden. Bislang vermuten Experten, dass das Virus über eine Tröpfcheninfektion übertragen wird.

    "Nach dem was die Chinesen uns berichten, sieht es einfach wie eine Erkältung aus, die langsam immer schlimmer wird. Es gibt leider überhaupt keinen Unterschied." Virologe Alexander Kekulé

    Die Inkubationszeit bei einer Influenza beträgt nach Angaben des Robert Koch-Instituts durchschnittlich ein bis zwei Tage. Bei einer Corona-Infektion wird von einem Zeitraum von bis zu 14 Tagen ausgegangen, erklärt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

    Hygienemaßnahmen beachten

    Wie lange genau das Virus auf Oberflächen bleibt, ist bislang unklar. "Wenn man in die Hand hustet oder niest und dann eine Türklinke anfasst oder sein Telefon anfasst und weiterreicht, kann das Virus so übertragen werden. Aber eine halbe Stunde später sollte das kein Problem mehr sein", meint der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Christian Lindmeier.

    Deswegen sollte man die gleichen Schutzmaßnahmen ergreifen wie bei der Grippe: Handhygiene und für die Erkrankten eine gewisse Hustenetikette, sagt Martin Hoch, Leiter der Task-Force Infektiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Ein Mundschutz sei nicht sinnvoll. Auch das Robert Koch-Institut schätzt die Gesundheitsgefahr weiterhin als gering ein.

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