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Coronavirus-FAQ: Das sollten schwangere Frauen jetzt wissen | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Wie können sich Schwangere in Zeiten von Corona richtig verhalten? Was ist jetzt bei einer Geburt zu bedenken? Gespräch mit Prof. Dr. Bettina Kuschel, Leiterin der Geburtshilfe am Krankenhaus Rechts der Isar in München.

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Coronavirus-FAQ: Das sollten schwangere Frauen jetzt wissen

Jeden Tag nimmt die Zahl derjenigen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, zu. Die meisten Fälle verlaufen harmlos, aber es gibt auch Risikogruppen. Schwangere gehören nicht dazu, trotzdem stellen sich für viele im Moment Fragen.

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Erkrankt man am neuen Corononavirus SARS-CoV-2 sprechen Ärzte von der Krankheit Covid-19 (Corona Virus Disease 2019). Die Symptome der Erkrankung ähneln meist einer harmlosen Erkältung. Zu den Symptomen gehören: Fieber, Husten, Atemnot, Muskelschmerzen und Müdigkeit - mitunter auch Auswurf, Kopfschmerzen und Durchfall. Eine Minderheit erkrankt an einer viralen Lungenentzündung, dem schweren Verlauf von Covid-19. Es gibt inzwischen verlässliche Tests, mit denen eine Infektion durch das Coronavirus diagnostiziert werden kann.

Wer ist durch das Coronavirus gefährdet?

Nach bisherigen Erkenntnissen spielen das Geschlecht, das Alter und der Gesundheitszustand eines Patienten eine entscheidende Rolle, ob man an der schweren Form von Covid-19 erkrankt. Man geht davon aus, dass besonders ältere Menschen - und da eher Männer - betroffen sind und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Zudem haben Langzeitraucher ein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Wenig gefährdet sind Kinder und Schwangere. Obwohl Schwangere als weniger gefährdet gelten, sind Sie besonders besorgt um sich und ihren Nachwuchs.

Sind Schwangere durch das Coronavirus besonders gefährdet?

Laut Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. geht man davon aus, dass die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome erleiden werden – vergleichbar denen einer Erkältung oder eines grippalen Infektes. Anders sieht das aus, wenn die Schwangere unter einer Herz- oder Lungenerkrankung leidet. Dann sind, wie bei anderen Menschen mit Vorerkrankungen auch, Komplikationen eher wahrscheinlich.

Hat eine Coronavirus-Infektion Auswirkungen auf das ungeborene Baby?

Das Virus ist so neu, dass noch nicht ausreichend Erfahrungen vorliegen. Es gäbe aber, so der Berufsverband der Frauenärzte e.V., weder Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten noch auf eine Übertragung des Virus auf das ungeborene Baby. Es wird daher als unwahrscheinlich angesehen, dass das Virus beim Fetus zu Anomalien führt. Insgesamt wurde international aber auch nur über 20 Schwangerschaften berichtet, die alle in China stattfanden. In keinem Fall war ein Neugeborenes infiziert. Es wurde von keinen Auffälligkeiten bei Mutter und Kind berichtet.

Was tun, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu reduzieren?

80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden über die Hände verbreitet. Das wird ihnen häufig auch leicht gemacht. Denn wir fassen uns im Schnitt - häufig mit ungewaschenen Händen - alle vier Minuten ins Gesicht. Das ist DIE Chance für Viren, sich in unseren Schleimhäuten breit zu machen. Deshalb ist häufiges Händewaschen wichtiger denn je, um eine Infektionsgefahr zu reduzieren – und zwar mindestens 30 Sekunden lang. Außerdem sollte jeder Kontakt mit Personen, auch der Familie, vermieden werden, die Symptome einer Erkältungskrankheit oder Fieber aufweisen.

Was tun, wenn man Kontakt zu Personen mit Covid-19 hatte?

Sollten Sie Symptome einer Coronavirus-Infektion aufweisen, wenden Sie sich an Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt – und zwar telefonisch! Diese sollten mit Ihnen die nächsten Schritte abklären. Wenden Sie sich zusätzlich unverzüglich und unabhängig von Symptomen telefonisch an Ihr zuständiges Gesundheitsamt, oder rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 an. Aktuell sind noch keine Behandlungsmöglichkeiten oder Impfungen zugelassen. Die Diagnose wird mit einem Abstrichbefund aus dem Mund- und Rachenbereich gestellt.

Was tun, wenn man positiv auf das Coronavirus getestet wurde?

Wenn Sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sollten Sie sich mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin telefonisch in Verbindung setzen. Wenn Ihre Symptome nur leicht sind und Sie oder ihre Familie keine Risikofaktoren aufweisen, können Sie sich zu Hause erholen und von einem Arzt betreuen lassen. Wenn Sie schwerere Symptome haben, werden Sie möglicherweise in einem Krankenhaus behandelt.

Wann sollten Sie isoliert werden?

Eine Isolation wird empfohlen, so der Berufsverband der Frauenärzte e.V., wenn:

  • Sie mit jemandem in Kontakt gekommen sind, der an einer Coronavirusinfektion leidet;
  • Sie ein bestimmtes Gebiet oder Land besucht haben, in denen Covid-19-Fälle vorkommen oder das als Risikogebiet ausgewiesen wurde;
  • Sie Symptome haben, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hinweisen, und darauf warten, getestet zu werden oder auf Ihre Ergebnisse;
  • Sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden und es Ihnen empfohlen wurde, sich zu Hause zu erholen.

Kriterien zur Aufhebung von Isolierungsmaßnahmen

Nach aktuellem Wissensstand ist eine Aufhebung der Isolierung zu Hause bzw. Entlassung aus der Klinik frühestens zehn Tage nach Symptombeginn und Erfüllung dieser Kriterien vertretbar:

  • Fieberfreiheit seit mind. 48 Stunden
  • Symptomfreiheit seit mind. 24 Stunden bezogen auf die akute Covid-19-Erkrankung
  • sowie 2 negative SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen im Abstand von 24 Stunden gewonnen aus Mund-Rachen-Abstrichen.

Was soll ich tun, wenn ich aufgefordert werde, mich selbst zu isolieren?

Schwangere, denen geraten wurde, sich selbst zu isolieren, sollten im Haus bleiben und 14 Tage lang den Kontakt mit anderen vermeiden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt hierzu dezidierte Empfehlungen.

Konkret bedeutet das:

  • Nicht zur Schule oder zur Arbeit oder in öffentliche Bereiche zu gehen.
  • Keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen – bleiben Sie zu Hause und erlauben Sie keine Besuche.
  • Lüften Sie die Räume, in denen sie sich befinden.
  • Trennen Sie sich so weit wie möglich von anderen Personen im Haushalt, indem Sie ihre eigenen Handtücher, Geschirr und Utensilien verwenden und zu unterschiedlichen Zeiten essen.
  • Bitten Sie Freunde und Familie oder nutzen Sie Lieferservices, um Besorgungen für Sie zu erledigen. Die Übergabe sollte dann ohne direkten Kontakt erfolgen.

Wie sieht es im Fall der Fälle mit vorgeburtlichen Kontrollterminen aus?

Wenn Sie in der häuslichen Isolation sind, sollten Sie sich an Ihre Frauenärztin bzw. Ihren Frauenarzt wenden und ihn darüber informieren. In der Regel lassen sich routinemäßige vorgeburtliche Termine ohne Schaden für Sie oder Ihr Kind herauszögern.

Wirkt sich die Selbstisolierung auf die Geburt aus?

Zum jetzigen Zeitpunkt deutet nichts darauf hin, dass Schwangere mit Coronavirus-Verdacht oder Coronavirus-Infektion nicht vaginal gebären kann oder dass ein Kaiserschnitt sicherer ist. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass man keine PDA geben dürfe. Die Verwendung von Lachgas kann jedoch die Aerosolisierung und Ausbreitung des Virus erhöhen – davon wird ausdrücklich abgeraten.

Anders sieht es aus, wenn eine Atemwegserkrankung (Atmung) darauf hindeutet, dass eine dringende Entbindung erforderlich ist. Dann kann eine Kaiserschnittgeburt empfohlen werden.

Wird mein Baby auf das Coronavirus getestet?

Ja, wenn zum Zeitpunkt der Geburt Ihres Babys eine Coronavirus-Infektion bei Ihnen vermutet oder bestätigt wurde, wird Ihr Baby auf das Coronavirus getestet.

Können infizierte Frauen ihr Baby stillen?

Ja. Derzeit fehlen evidenzbasierte Hinweise dafür, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Berichtet wurde lediglich über einen Einzelfall, wo in der Muttermilch die RNA (Ribonukleinsäure) des Virus festgestellt wurde und das Kind an COVID-19 erkrankte. Unklar ist jedoch, durch welchen Übertragungsweg sich der Säugling infizierte. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen. Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch das Tragen eines Mundschutzes eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion verhindern. Diese Empfehlung kann sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

Wenn Sie Ihr Baby stillen, werden Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:

  • Waschen Sie Ihre Hände ausreichend lang, bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren.
  • Tragen Sie eine Gesichtsmaske zum Füttern an der Brust.
  • Befolgen Sie nach jedem Gebrauch die Empfehlungen zur Pumpenreinigung.
  • Wenn Sie Ihr Baby mit Milchnahrung oder Milch füttern möchten, wird empfohlen, die Sterilisationsrichtlinien strikt einzuhalten.
  • Wenn Sie im Krankenhaus Muttermilch abpumpen, sollte eine spezielle Pumpe verwendet werden.

Ist eine Mutter nicht in der Lage, ihr Kind zu stillen, kann die Muttermilch auch abgepumpt werden und über eine weitere Person an den Säugling verfüttert werden. Auch hierbei sollte auf die Hygiene geachtet und Pumpe sowie Fläschchen nach dem Gebrauch sterilisiert werden.

Informationen abgestimmt mit dem Royal College of Obstetricians and Gynaecologists © 2020 und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.

© picture-alliance/dpa/Inga Kjer

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