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Coronavirus: Bayreuther Forscher testen antivirale Oberflächen | BR24

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Gegenstände mit einer antibakteriellen Oberfläche könnten ein häufiges Desinfizieren überflüssig machen. Das BioMed Center in Bayreuth prüft derzeit verschiedene Materialien und Produkte.

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Coronavirus: Bayreuther Forscher testen antivirale Oberflächen

Was zerstört das Coronavirus? Ein Institut aus Bayreuth findet heraus, ob Produkte Viren unschädlich machen können. Im besten Fall wird eine antivirale Eigenschaft bestätigt. Die Forschung unter realen Bedingungen erfordert spezielle Maßnahmen.

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Von
  • Anja Bischof

Das wissenschaftliche Urteil des gemeinnützigen Forschungsinstituts "Biomed Center Innovation" ist in der Pandemie gefragt. Denn beim Test in dessen Bayreuther Sicherheitslabor zeigt sich, ob eine Maske oder eine Oberflächenbeschichtung das macht, was sie soll: Coronaviren zerstören.

Bayreuther Forscher prüfen antivirale Eigenschaften

Es sind vor allem mittelständische Unternehmen und Hochschulen, die Produkte zum Test nach Bayreuth schicken. Seit dem Frühjahr 2020 hat das "Biomed Center" beispielsweise für ein potenzielles Arzneimittel und einen beschichteten Stoff die antivirale Wirkung bestätigt. Geschäftsführer Daniel Seitz freut sich über jedes Produkt, das er als antiviral bestätigen darf.

"Was wir hier machen, kann eine große Hilfe im Kampf gegen Corona sein." Daniel Seitz, Geschäftsführer "Biomed Center Innovation"

Laborexperimente mit einer Variante des Coronavirus

Für die Tests verwenden die Wissenschaftler die Coronavirus-Variante "HCoV-299E". Diplom-Biologe Daniel Seitz sagt, dieses Virus sei von den verfügbaren Modellen "am nächsten dran an SARS-CoV-2".

Das "Biomed Center" sei eines der wenigen Labore, das mit einem menschlichen anstelle eines tierischen Coronavirus testet. Um sich selbst zu schützen, führen die Wissenschaftler diese Tests in einer sogenannten Sicherheitswerkbank durch. Derartige Werkbänke schützen die Wissenschaftler vor Aerosolen, indem die diese mithilfe eines Luftstroms von ihnen wegführen und in einem Schwebstofffilter binden.

Sprühnebeltest simuliert das Niesen

Die Tests der eingesandten Produkte laufen immer in drei Stufen ab. Das Produkt, zum Beispiel ein Stoff, wird im ersten Schritt mit einer Lösung, die das Coronavirus enthält, besprüht oder beträufelt. Der sogenannte Sprühnebeltest ist eine Besonderheit in dem Bayreuther Forschungsinstitut. Er wird bei Oberflächen eingesetzt, da er das Sprechen oder Niesen simuliert. "Mit dieser Eigenentwicklung können wir die Aerosole im Labor erzeugen", erklärt Daniel Seitz und lässt einen feinen Sprühnebel auf ein kleines Materialteil rieseln.

Coronaviren wirken auf das untersuchte Material ein

Als zweiter Schritt müssen die Viren bei 25 Grad Celsius in einem Brutkasten auf das Material einwirken. Schließlich wird das Virus mit einer sogenannten Nährlösung von der Probe heruntergespült. Diese Lösung wird in einem dritten Schritt verdünnt und auf menschliche Zellen aufgetragen. Wie viele Coronaviren nun noch aktiv sind, erkennen die Experten an der Reaktion dieser Zellen. Im besten Fall sind keine aktiven Viren mehr nachweisbar – und das Produkt erhält den wissenschaftlichen Nachweis, dass es antiviral wirkt.

Antivirale Wirkung erfahre zu wenig Beachtung

"Beim direkten Kampf gegen das Virus gibt es noch viel Raum für neue Produkte mit neuen Lösungen", sagt Seitz. Vor allem mittelständische Unternehmen und Hochschulen arbeiteten an antiviralen Oberflächen, Textilien oder Wirkstoffen. Um diese in der Pandemie so wichtige Arbeit vorantreiben zu können, fordert Seitz zusätzliche Fördermittel.

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Der Bayreuther Forscher Daniel Seitz simuliert an der Sicherheitswerkbank das Sprechen und Niesen im Zusammenhang mit Coronaviren.

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