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Corona-Pandemie: Zweifel an Herdenimmunität bis Herbst | BR24

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Für eine so genannte Herdenimmunität müssten Experten zufolge 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden. Dann könnte sich das Virus nicht mehr unkontrolliert verbreiten. Die Bundesregierung schätzt, dass es im Herbst so weit sein wird.

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Corona-Pandemie: Zweifel an Herdenimmunität bis Herbst

Mehr als 300.000 Menschen sind in Deutschland inzwischen gegen Corona geimpft, zumindest mit der ersten Dosis. Doch wann haben genügend Menschen einen Impfschutz, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen?

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Von
  • Moritz Pompl

Erst wenn die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist, kann sich das Virus nicht mehr ungebremst weiterverbreiten. Die Bundesregierung rechnet damit bis kommenden Herbst. Aber an diesem Zeitplan gibt es Zweifel, denn der Weg bis zur Herdenimmunität ist ein Hürdenlauf.

Hürde Nummer eins: Die Produktion

In der EU ist bisher nur der Impfstoff von Biontech zugelassen. Pro Woche will die Firma 670.000 Dosen an Deutschland liefern. Weil jeder zweimal geimpft werden muss, würde es bis zur Herdenimmunität rund drei Jahre dauern. Einfach mehr mRNA-Impfstoff herzustellen ist kaum möglich, sagt der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg. Die RNA-Moleküle müssten in ganz kleine Fettpartikel eingeschlossen werden, die aus einer speziellen Kombination von verschiedenen Fetten hergestellt werden. Da gäbe es Nachschubprobleme. Die Lieferketten seien also begrenzt, so Kekulé im Interview mit dem BR. Insgesamt hat die Bundesregierung über die EU rund 300 Millionen Dosen an Impfstoffen von verschiedenen Herstellern bestellt. Wann diese Impfstoffe auf den Markt kommen, wie wirksam sie jeweils sind, und wie schnell sie nach einer Marktzulassung geliefert werden können, ist aber noch offen.

Hürde zwei: Die Impfzentren

In Bayern seien in den Impfzentren rund 38.000 Impfungen am Tag möglich, rechnet das Bayerische Gesundheitsministerium vor. Um ganz Bayern durchzuimpfen würde es fast zwei Jahre dauern. Wichtig ist also, dass auch Hausärzte impfen können. Und dass dazu Impfstoffe auf den Markt kommen, die sich auch im Kühlschrank lagern lassen. Etwa der von Moderna, über dessen Zulassung die EU am 6. Januar noch einmal berät, oder auch der Impfstoff von AstraZeneca. Alexander Kekulé ist sich sicher, dass der AstraZeneca-Impfstoff in der EU früher oder später eine Zulassung erhält. Da der Impfstoff aber weniger wirksam sei, werde er wohl nur eine Art Impfstoff zweiter Wahl werden.

Hürde drei: Die Impfstoffe

Es ist unklar, wie lang der Impfschutz anhält. Müsste etwa nach einem Jahr schon wieder nachgeimpft werden, würde das den Zeitplan über den Haufen werfen.

Hürde vier: Die Impfbereitschaft

Erst wenn zwei Drittel der Bevölkerung geimpft sind, könnte sich eine Herdenimmunität einstellen. Machen sich ansteckendere Virusvarianten breit, wie etwa die aus England, dann müssten sich sogar mindestens 80 Prozent impfen lassen, glauben Epidemiologen.

Das Ziel "Herdenimmunität" könnte also doch erst viel später erreicht werden als geplant.

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