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Coronavirus: Wie ansteckend sind Kinder? | BR24

© dpa/picture-alliance/Jordi Boixareu

Welche Rolle spielen Kinder in der Corona-Pandemie? Weltweit sind sich die Forscher darüber uneinig.

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Coronavirus: Wie ansteckend sind Kinder?

Weil die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen, sind auch wieder Kita- und Schulschließungen im Gespräch. Studien bewerten das Ansteckungsrisiko durch Kinder und Jugendliche unterschiedlich.

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Von
  • Moritz Pompl

Wer wissen will, wie viele Kinder sich in Bayern nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt haben, der muss das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) befragen. Es sammelt die Informationen aus den einzelnen Gesundheitsämtern. Im Verlauf der letzten Woche haben sich mehr Kleinkinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Virus angesteckt, als der ältere Teil der Bevölkerung.

Keine Aussage über Ansteckungsgefahr

Im Vergleich zum Beginn der Pandemie lässt sich anhand der Daten des LGL ein Trend erkennen: Es stecken sich derzeit mehr jüngere als ältere Menschen mit Corona an. Nicht ableiten lässt sich daraus allerdings die Ansteckungsgefahr, die von infizierten Kindern und Jugendlichen ausgeht. Diese wird von Studien ganz unterschiedlich bewertet.

Widersprüchliche Studien

Eine umfassende Analyse vieler Studien (Metaanalyse) aus Großbritannien vom September 2020 kommt zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche ein deutlich geringeres Risiko haben, sich mit Covid-19 anzustecken, und dass sie das Virus auch seltener weitergeben.

Das Team um Russell Viner vom Institute of Child Health in London hatte 32 Studien mit mehr als 41.000 Kindern und fast 270.000 Erwachsenen ausgewertet. Für Kinder und Jugendliche sei das Risiko, sich anzustecken, demnach um 44 Prozent geringer. Je jünger die Kinder waren, desto kleiner war ihr Risiko. Auf die Analyse hin meldeten sich verschiedene Experten zu Wort, die längere Schul- und Kitaschließungen für ungerechtfertigt hielten.

Der Kinderarzt und Infektiologe Ulrich von Both von der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU) kann mit seiner Untersuchung bestätigen, dass Kinder unter zehn Jahren in der Corona-Pandemie nur eine untergeordnete Rolle spielen. Er ist an der "Viren-Wächter-Studie" beteiligt, bei der mehr als zweitausend Kinder bis elf Jahren auf Corona getestet wurden – kein einziges davon positiv. "Grundschüler tragen mit Sicherheit am wenigsten zum Infektionsgeschehen bei", sagt Both im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Die Untersuchungen an Kitas und Schulen laufen weiter.

Superspreader in der Schule

Doch nur wenige Tage nach der Analyse aus Großbritannien kam eine großangelegte Studie, die im renommierten Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurde, zu dem Schluss: Kinder und junge Erwachsene sind sogar Treiber der Covid-Pandemie.

Forscher aus Indien und den USA hatten gemeinsam die möglichen Infektionswege von über einer halben Million Menschen in Indien nachverfolgt. Fazit: Einige wenige Superspreader, also Menschen, die besonders viele andere anstecken, hatten für einen Großteil der Infizierten gesorgt. Die Ansteckung erfolgte unter anderem in Schulen und vor allem unter Gleichaltrigen. Schulschließungen, so die Forscher, wären womöglich hilfreich gewesen, dass sich weniger Menschen angesteckt hätten.

Weniger Daten von Kindern

Unter dem Strich bleibt die Studienlage verworren und es sind noch mehr Untersuchungen nötig. Insgesamt ist es nach wie vor schwierig, ein klares Bild darüber zu bekommen, wie ansteckend Kinder wirklich sind. Das Problem: Sie werden aufgrund der oft nur milden Symptome entsprechend seltener getestet als Erwachsene, also gibt es auch weniger Daten. Auch wenn die Infektionszahlen steigen, steht aber eines fest: Für Kinder und Jugendliche sollten Kitas und Schulen allein schon aus sozialen und bildungspolitischen Gründen möglichst lange offen bleiben.

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© BR

Eine Corona-Studie der Uni Würzburg beschäftigt sich mit den Test-und Erkennungsmöglichkeiten bei Kindern. Insgesamt drei Monat wird die Studie laufen. Alle Kinder im Kindergarten machen freiwillig mit und sagen, wie sie sich testen lassen möchten.