BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Virus: Schützen die Impfstoffe auch vor Mutationen? | BR24

© picture alliance / abaca | Laine Nathan/ABACA
Bildrechte: picture alliance / abaca | Laine Nathan/ABACA

Eine Medizinerin zieht ein Medikament auf

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Virus: Schützen die Impfstoffe auch vor Mutationen?

In einem Altenheim im Landkreis Osnabrück ist kürzlich die britische Virus-Variante B.1.1.7. ausgebrochen. Und das, obwohl alle Bewohner bereits zweimal geimpft waren. Schützen die Impfstoffe nun auch gegen Corona-Mutanten oder nicht?

8
Per Mail sharen
Von
  • Sebastian Kirschner

Wenn es um die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe geht, dann schwirrt einem schnell der Kopf. 90 Prozent, 70 Prozent, manchmal auch nur 50 Prozent Schutz. Das sind nur ein paar der aktuellen Zahlen. Sind manche Impfstoffe damit also schlechter als andere? Wie verlässlich sind die Impfstoffe? Wirken sie vielleicht nicht oder nur schlecht gegen die Virus-Mutanten?

Einige Impfstoffe wirken in Südafrika, wo eine Mutation verbreitet ist, schlechter. Dort wurde eine Impfstudie von Astrazeneca inzwischen sogar gestoppt, weil der Impfstoff nicht die erwünschte hohe Schutzwirkung gezeigt hat.

Leif-Erik Sander, Immunologe und Impfstoffforscher an der Berliner Charité will das so nicht stehen lassen. Nur weil sie in Südafrika schlechter wirkten, heiße das nicht, dass sie nicht funktionieren. Sie wirkten einfach ein bisschen schlechter. Die Frage sei allerdings, ob sie komplett ihre Wirksamkeit verlieren? Und das, so Sander, glaubt er eher nicht.

Die Impfstoffe wirken

Die bisherigen Zahlen mehrerer Impfstoffstudien zeigen: Die Impfstoffe schützen zwar nicht so gut vor einer Infektion, sie schützen aber vor schweren Verläufen bei den Infizierten. Aus Sicht von Christoph Spinner, Infektiologe und Pandemie-Beauftragter am Klinikum Rechts der Isar in München, sind die ganzen Prozentzahlen deshalb sogar eher irreführend. Gemessen an der Wirksamkeit einer Grippeimpfung sind die Werte alle ausgezeichnet: Man dürfe nicht vergessen, dass Grippe-Impfstoffe so etwa zwischen 20 und 50 oder auch mal 60 Prozent pro Saison Schutzwirkung böten.

Fest steht derzeit: Die Impfstoffe wirken offensichtlich unterschiedlich bei den bekannten Virus-Varianten. In Gegenden, wo sich Mutanten stärker ausgebreitet haben, kommt es trotz Impfung häufiger zu Infektionen mit Sars-Cov-2. Das allein sagt aber noch nichts über den Verlauf einer Erkrankung aus. Das eigentliche Ziel der Impfungen gerät über all die Prozentwerte aus dem Blick, fürchtet Sander.

Die entscheidende Frage sei, ob die Vakzine vor einem schweren Verlauf schützten. Und das, so Sander, sei weiterhin der Fall. Wer geimpft sei, sei geschützt vor einer schweren Infektion. In allen Studien – auch zu den Impfstoffen, die eine schwächere Wirksamkeit hätten - gebe es keine Krankenhauseinweisung oder Todesfälle.

Schutz vor schwerem Verlauf

Auf den Punkt gebracht hat es kürzlich auch ein amerikanischer Infektiologe. Im Fachblatt Science fragte er: "Will man einen Impfstoff, der vor Husten schützt oder einen, der Leben rettet?". Für den einzelnen geht es also weniger darum, ob er das Virus übertragen kann, sondern dass er nicht schwer an Covid-19 erkrankt.

Bisher ist völlig offen, ob die Impfstoffe auch komplett vor der Infektion mit Sars-Cov-2 schützen oder verhindern, dass der Erreger weitergegeben wird. Ob also die sogenannte "sterile Immunität" erreicht wird. Gewissheit darüber erwarten die Forscher in den nächsten Wochen. Klar ist dagegen schon jetzt: Das Virus wird weiter mutieren. Und das hat auch Folgen für die Impfstoffe. Es könne sein, so Immunologe Sander, dass man vielleicht eine Auffrischungsimpfung brauche, mit einem anderen Impfstoff oder mit einem angepassten Impfstoff.

Impfstoff anpassen ist kein Problem

Einen Impfstoff anpassen: Technisch ist das aus Sicht der Experten heute kein Problem mehr. Bei mRNA-Vakzinen funktioniere das sehr schnell, sogar binnen Wochen, so Christoph Spinner. Bei Impfstoffen auf Basis von Adenoviren, sogenannte Vektorimpfstoffe, sei es ein wenig aufwendiger, aber auch kein Problem. Genau wie bei Totimpfstoffen. Ein Prinzip, das jedes Jahr erfolgreich bei Influenza, also der Grippe praktiziert wird. Ein Virus übrigens, das schneller mutiere, als Sars-Cov-2, sagt Sander.

Ein weiterer Ansatz könnte sein, zwei Impfstoffe zu kombinieren. Eine Studie der Universität Oxford etwa sieht vor, den Probanden eine Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs zu geben und dann eine Dosis des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer.

Die größte Hürde für angepasste Impfstoffe ist aus Sanders Sicht das Genehmigungsverfahren. Man müsse Mechanismen haben, dass diese dann nicht ganz komplett wieder neu durch das Zulassungsverfahren müssen, sondern dass man die anpassen kann und ähnlich wie bei den Grippeschutzimpfungen dann auch einen neuen Impfstoff auf den Markt bringen kann.

Impfen richtige Strategie

Sicher sind sich die Experten in einem Punkt: Impfen ist die richtige Strategie, auch angesichts der Virus-Mutanten. Und es ist momentan auch die einzige Möglichkeit, die bleibe, um die Pandemie langfristig in Schach zu halten.

Laut Infektiologe Spinner gebe es ja kaum wirksame Therapeutika beziehungsweise Arzneimittel, die den Erkrankungsverlauf beeinflussten. Und deshalb ermögliche die Impfung die Verhinderung der schweren Erkrankung. Und darauf käme es für den einzelnen Menschen an, übrigens auch für die Allgemeinheit. Denn es gehe am Ende ja nicht darum, jede einzelne Infektion zu verhindern, sondern vor allem die Überlastung des Gesundheitswesens und die hohen Todeszahlen zu verhindern, so Spinner weiter.

© BR
Bildrechte: BR

Eigentlich wäre Deutschland auf einem guten Weg. Die 7-Tage-Inzidenz liegt heute bei 68 - das wäre auf der Corona-Ampel nur noch rot, nicht mehr dunkelrot.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!