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Corona und Sport – kann ich mich bei anderen anstecken? | BR24

© BR/Doris Tromballa
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Friso Gentsch

Vielen ist es wohl schon so ergangenen, dass ihnen mulmig wurde, wenn ein Sportler eng an ihnen vorbeikam - egal ob Jogger, Rodler oder Skitourengeher. Die Gefahr einer Corona-Ansteckung scheint aber gering zu sein. Gefährlicher ist Geselligkeit.

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Corona und Sport – kann ich mich bei anderen anstecken?

Vielen ist es wohl schon etwas mulmig geworden, wenn ein Sportler eng an ihnen vorbeikam - egal ob Jogger, Radler oder Skitourengeher. Die Gefahr einer Corona-Ansteckung scheint aber gering zu sein. Gefährlicher ist Geselligkeit.

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Von
  • Doris Tromballa

Bewegung ist gesund – da sind sich Mediziner einig. Aber die Sportstätten und Fitnessstudios haben geschlossen. Manche haben sich eigene Geräte zugelegt, viele gehen aber auch nach draußen zum Sporteln. In den Parks wird gejoggt, die Langlauf-Loipen sind begehrt und auch die Radlfahrer flitzen durch die Natur. Aber wie gefährlich ist diese Lust am Sport für andere – wenn überall um einen herum geschnauft und geschwitzt wird?

Angst vor Ansteckung durch Sportler

Manchen Spaziergängern wird schon etwas unheimlich, wenn sie so vorbeischnaufen, die Jogger und Radfahrer im Park. Kopf wegdrehen, Luft anhalten, zur Seite gehen. "Manche Leute haben einfach keinen Respekt", schimpft ein älterer Herr, der in den Isarauen unterwegs ist. "Hier sind die Wege viel zu eng zum Laufen", meint eine Dame, die mit ihrem Hund Gassi geht.

Andere sehen das lockerer: "Dann gehe ich eben ein Stück zur Seite und mache Platz", meint ein Spaziergänger. "Ich gehe diese Runde seit Jahren und werde das auch nicht ändern - wenn es eng wird, setze ich meine Maske auf."

Aerosole verhalten sich im Winter anders als im Sommer

Frank Powitz, Lungenfacharzt aus München und Vorsitzender des Bayerischen Pneumologenverbands, erklärt, dass es im Winter draußen eine "reale Gefahr" gibt, sich anzustecken. Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus sind Tröpfchen und Aerosole, also feine Wasserpartikel in der Atemluft. Und diese Aerosole verhalten sich im Winter anders als im Sommer.

"Grundsätzlich sind Aerosole bei Wärme kürzer überlebensfähig und bei Kälte und bei trockener Luft länger überlebensfähig." Frank Powitz, Lungenfacharzt aus München

Dazu komme die desinfizierende Wirkung von Sonnenlicht. Die UV-Strahlung sei im Winter wesentlich weniger ausgeprägt, sodass im Winter auch länger lebendes Virusmaterial in den Aerosolen sei, so Powitz.

Jogger, Radfahrer und fahrende Rodler sind keine Gefahr

Allerdings, so betont er, geht von den vorbeizischenden Joggern oder Radfahrern keine Gefahr aus. "Die Phase des Kontakts sei ja sehr, sehr kurz. Und wenn jemand vorbeilaufe, dann nehme man nur in einer ganz kurzen Phase Teil an den Aerosolen oder an den Tröpfchen, die der Sportler ausatmet. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass in der Menge eingeatmeter Atemluft auch genügend Virusmaterial drin ist, das Sie dann einatmen, das zu einer Infektion führt. Das ist ein theoretisches Risiko, aber das Risiko ist extrem gering." Außerdem sei es sehr unwahrscheinlich, dass ein Infizierter so fit sei, dass er schweißtreibenden Ausdauersport betreiben könne.

Ähnliches gelte am Rodelhang: Dass man hinter einem Rodler in eine infektiöse "Wolke" reinrodeln und sich so anstecken könnte – "das Risiko halte ich für nahezu null", meint Powitz.

Gefahr bei Geselligkeit an Schilift & Rodelberg

Kritisch ist es eher, wenn man am Rodelberg, Schilift oder beim Glühweintrinken zusammensteht und sich ohne Maske länger unterhält, in der Annahme, draußen könne man sich nicht anstecken. Das ist falsch. "Deshalb tragen wir im Alltag Masken, achten auf Hygiene und halten Abstand. Und deshalb macht es natürlich auch Sinn, draußen entsprechend Abstand zu halten, denn es besteht in jedem Fall Infektionsmöglichkeit", erklärt Christoph Spinner, Infektiologe am TU-Klinikum Rechts der Isar in München.

Als Beispiel nennt Powitz das Superspreader-Event im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort hatten sich mehrere Gäste bei einer Veranstaltung von Ex-Präsident Donald Trump mit dem Coronavirus infiziert.

Bewegung an der frischen Luft ist gesund!

Beide Mediziner sind sich aber einig: Bewegung an der frischen Luft ist gesund und hilft dem Immunsystem. "Gehen Sie raus und bewegen Sie sich an der frischen Luft, das ist sehr wichtig für die Infektabwehr", betont Powitz.

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