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Während der ersten Corona-Welle gab es nirgendwo sonst in Deutschland so viele Infektionen wie im Landkreis Tirschenreuth. Heute scheinen die Menschen dort besser immunisiert zu sein als anderswo, sagt eine groß angelegte Corona-Studie.

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Corona-Studie: Warum so viele Tirschenreuther immun sind

Während der ersten Corona-Welle gab es nirgendwo sonst in Deutschland so viele Infektionen wie im Landkreis Tirschenreuth. Heute scheinen die Menschen dort besser immunisiert zu sein als anderswo, sagt eine groß angelegte Corona-Studie.

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Von
  • Christoph Röder
  • Uli Scherr
  • BR24 Redaktion

Im einstigen Corona-Hotspot Tirschenreuth sind die Menschen heute besser immunisiert gegen Covid-19 als an vielen anderen Orten in Bayern. Das ist ein Zwischenergebnis aus der vor einem Jahr gestarteten Corona-Studie, die jetzt in ihre dritte Phase geht. Seit dieser Woche werden von mehr als 4.000 Studienteilnehmern aus dem Landkreis ein drittes Mal Blutproben genommen.

Jetzt geht es um Herdenimmunität

In der nächsten Phase der Studie geht es nach den Worten von Studienleiter Professor Ralf Wagner von der Uni Regensburg um die Fragen: Wann ist eine so genannte Herdenimmunität erreicht? Und: Wie lange nach einer überstandenen Infektion oder Impfung sind die Antikörper in welcher Menge im Blut nachweisbar?

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Studienleiter Ralf Wagner vom Universitätsklinikum Regensburg erklärt die Studie in Tirschenreuth und welche Erkenntnisse sich daraus ziehen lassen.

Die Forscher wollen herausfinden, wie lange eine Immunisierung gegen Covid-19 vorhält. Davon erhoffen sie sich Erkenntnisse, in welchen Abständen die Impfungen aufgefrischt werden müssen.

Erste Welle sorgt heute für Schutz

Durch die hohen Infektionszahlen in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 und die zusätzlichen Impfdosen, die Tirschenreuth als Grenzlandkreis erhalten hatte, liegt die Immunisierungsquote der Bevölkerung heute etwas höher als im übrigen Freistaat, wie die Wissenschaftler vermuten.

Dies könne durchaus zur derzeit bayernweit niedrigsten Inzidenz des Landkreises beitragen, eine Herdenimmunität im eigentlichen Sinne sei aber auch in Tirschenreuth sicher noch nicht erreicht, sagte Studienleiter Ralf Wagner dem BR.

4.000 Freiwillige machen mit

Den Angaben nach war Tirschenreuth bis Herbst 2020 bei mehr als 1.500 registrierten Infektionen pro 100.000 Einwohnern der am stärksten von Corona betroffene deutsche Landkreis. Seit Sommer 2020 wird mehr als 4.000 Freiwilligen aus dem Landkreis regelmäßig Blut abgenommen und anschließend auf Antikörper untersucht.

Die Studie mit dem Namen "Prospektive COVID-19-Kohorte Tirschenreuth", kurz "TiKoCo19", wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Auftrag gegeben. Durchgeführt wird sie unter Federführung der Universitätskliniken in Regensburg und Erlangen.

Hohe Dunkelziffer bei den Infektionen

Die Studie habe gezeigt, dass 80 Prozent der Infektionen unentdeckt geblieben sind, erklärt Professor Ralf Wagner. Diese Dunkelziffer bedeute, dass auf eine positiv getestete Person vier Menschen kamen, die durch die damalige Teststrategie nicht erfasst wurden.

Man könne davon ausgehen, dass 8,6 Prozent im Landkreis mit dem Virus infiziert waren, 20 Prozent von diesen wurden durch einen Test erfasst.

Wagner: Ergebnisse rechtfertigen im Nachhinein Vorgehen der Politik

Zwischen Februar und Juni vergangenen Jahres sind laut Wagner 2,5 Prozent der mit Corona infizierten Menschen an der Krankheit gestorben. Bemerkenswert sei, dass bei unter 60-Jährigen kaum jemand an der Infektion gestorben sei, jedoch in der Altersgruppe bei den über 80-Jährigen 30 Prozent. Fast die Hälfte der Verstorbenen lebten in Altenheimen, so Wagner.

Dies zeige, dass die Politik mit der Entscheidung richtig gehandelt habe, Senioren zu schützen und beim Impfen mit dieser Altersgruppe zu beginnen.

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