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Corona-Shutdown – Folgen für die Umwelt | BR24

© BR/Susi Weichselbaumer

Durch Corona stehen auf der ganzen Welt weite Bereich des Lebens still. Der Mensch zieht sich zurück. Eine Verschnaufpause für Natur und Umwelt, denn auch der CO2-Verbrauch sinkt deutlich. Und die Tiere erobern sich Lebensraum zurück.

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Corona-Shutdown – Folgen für die Umwelt

Durch Corona stehen auf der ganzen Welt weite Bereich des Lebens still. Der Mensch zieht sich zurück. Eine Verschnaufpause für Natur und Umwelt, denn auch der CO2-Verbrauch sinkt deutlich. Und die Tiere erobern sich Lebensraum zurück.

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Für Teile der Tierwelt ist Corona wie Ostern und Weihnachten zusammen. Denn wo das menschliche Leben weitgehend brachliegt, zieht tierisches Leben ein. So tummeln sich in Spaniens Hauptstadt Madrid Wildschweine im sonst hektischen Zentrum. Das jetzt klare Wasser in Venedigs Kanälen lockt Fische zurück in die Lagunenstadt. Im Hafen des italienischen Triest ist der Schiffsverkehr weitgehend eingestellt. Nun tauchen hier Delfine auf.

Experten: Tiere werden sich wieder zurückziehen

Allerdings werden diese Tiere nur solange bleiben, wie die Krise andauert, urteilen Experten wie Sandra Altherr vom Verein ProWildlife: "Nach der Corona-Krise wird sich der Schiffsverkehr wieder normalisieren und dann haben wir wieder die alte Situation und das heißt: Dieses Aufatmen von Delfinen und anderen Wildtieren ist sicher etwas Kurzfristiges.“

So kurzfristig der Effekt sein mag, so eindrucksvoll ist er. Auch in Deutschland könnten sich Tiere Freiräume zurückerobern: Kröten wandern weit gefahrloser als in Vorjahren über momentan kaum befahrene Straßen.

Mehr Brutplätze für Vögel

Auf den Kiesinseln in Isar oder Inn brüten Vögel wie Flußregenpfeifer und Flußuferläufer, Arten die normalerweise von Sonnenanbetern und Grillfreunden vertrieben werden. Auch auf den Inseln in der Nord- und Ostsee profitieren die Tiere von der Sperrung der Strände für Touristen. Normalerweise suchen sich Zwergseeschwalbe oder Seeregenpfeifer ihre Nistplätze weit weg von Urlaubern und Liegestühlen. Jetzt bieten die leeren Strände für die Tiere viel Platz. Ungestört haben sie möglicherweise auch mehr Bruterfolg. Das wäre allerdings nur so, wenn die Strände bis zum Ende der Brutsaison im Juni oder Juli gesperrt blieben.

Shutdown bringt Deutschland ans Klimaziel

Wie lange solche Effekte der Corona-Krise anhalten, diese Frage stellt sich auch fürs Klima. Kurzfristig könnte der Shutdown deutliche CO2–Einsparungen bringen. Eine neue Studie der Denkfabrik Agora Energiewende rechnet aus, dass Deutschland sein Klimaziel 2020 erreichen wird, nämlich 40 Prozent weniger CO2 auszustoßen als 1990. Bis vor wenigen Monaten noch undenkbar. Da galt als ausgemacht, dass Deutschland sein Klimaziel 2020 krachend verfehlen wird.

Christoph Podewils von Agora Energiewende verweist darauf, dass mit der Corona-Krise viel weniger Strom verbraucht wird als sonst, außerdem seien zahlreiche Produktionsanlagen nicht in Betrieb und es würde deutlich weniger Auto gefahren.

Einsparung von zig Millionen Tonnen CO2 möglich

Durch die Corona-Krise sparen wir dieses Jahr 30 bis 100 Millionen Tonnen CO2, prognostiziert die Untersuchung – je nachdem wie lange die Krise dauert und wie sich die CO2-Emissionen in diesem Jahr entwickeln in den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr oder Landwirtschaft.

Was nach Corona kommt, ist Spekulation. Denn wenn nach wenigen Monaten wieder alles läuft wie gehabt, ist für den langfristigen Klimaschutz nichts gewonnen - ein paar Millionen Tonnen CO2 hin oder her.

Tierische "Medizin" gegen Corona?

Verschnaufpause, aber kein Umsteuern gilt für Klima wie Natur. Und manchen Tieren könnte es aufgrund der Corona-Krise erst recht schlecht gehen. Sandra Altherr vom Verein ProWildlife erwähnt eine Empfehlung der chinesischen Regierung vor wenigen Tagen, die besage, dass man in der Behandlung im Schutz gegen den Coronavirus sich doch Injektionen geben lassen solle nach einem alten traditionellen Medizinrezept: "Das Rezept enthält Bärengalle, jetzt werden diese Bären gefarmt. Und die Angst - mal von der Grausamkeit abgesehen - ist, dass bestimmte Klienten mit viel Geld lieber das wilde Original bezahlen."