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Corona-Selbsttests ab heute in Deutschland erlaubt | BR24

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Corona-Schnelltest

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Corona-Selbsttests ab heute in Deutschland erlaubt

Bisher durfte nur Fachpersonal Corona-Schnelltests vornehmen. Nach einer Entscheidung des Gesundheitsministeriums ist dies nun auch für Privatpersonen möglich. Bevor die Antigen-Tests verkäuflich sind, brauchen die Anbieter noch Zertifizierungen.

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Von
  • Claudia Grimmer

Gestern durch das Bundesministerium für Gesundheit verkündet, heute in Kraft: Der Corona-Selbsttest kann kommen, die entsprechende Medizinprodukte-Abgabeverordnung wurde dazu erweitert. Jetzt fehlen nur noch entsprechende Zertifizierungen der Produkte, damit sie für Privatpersonen frei verkäuflich sind.

Spahn gibt Weg für Selbsttest frei

Ein Schnelltest ist zwar lediglich eine Momentaufnahme, ob eine hohe Infektion vorliegt, mehr kann ein Schnelltest nicht leisten. Aber er gibt zumindest eine gewisse Sicherheit. Bereits im September spielte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der Idee, dass auch zuhause Schnelltests durchgeführt werden sollten. Das Gesetz besagte bis dato aber, dass Apotheken Corona-Tests nicht an Privatpersonen, sondern nur an Ärzte und Krankenhäuser verkaufen dürfen und dass die Entnahme nur durch ausgebildetes Personal durchgeführt werden darf.

Sogenannte In-vitro-Diagnostika zum Erregernachweis von Sars-CoV-2 können nach der neuen Verordnung nun auch für die Eigenanwendung abgegeben werden. Allerdings müssen die Produkte erst noch zugelassen werden. Bislang gibt es keine solchen CE-zertifizierten Tests. "Die Eignung der Tests für die Laienanwendung muss dabei anhand von klinischen Daten belegt werden", heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium.

"Antigen-Tests, die zur Eigenanwendung durch Laien vorgesehen sind, werden von der Abgabebeschränkung befreit. Als sogenannte Selbsttests müssen sie so konzipiert sein, dass sie durch einen Laien angewendet werden können. Sie müssen zudem mit Beipackzetteln ausgestattet sein, die zur richtigen Anwendung anleiten. Beipackzettel müssen die Nutzer auch darüber informieren, wie mit einem negativen, positiven oder unklaren Ergebnis umgegangen werden soll. Bei einem positiven Ergebnis ist eine Bestätigungsdiagnostik erforderlich." Bundesgesundheitsministerium, 02.02.2021

Größte Chancen für einen Selbsttest räumt der Apothekenverband Nordrhein dem Gurgeltest ein. Er sei in der Anwendung deutlich einfacher als beispielsweise ein Test, bei dem ein Rachenabstrich gemacht werden muss.

Mit der Anpassung der Novelle wird auch der Kreis der Unternehmen und Einrichtungen erweitert, die PoC-Antigenschnelltests zum professionellen Gebrauch beschaffen dürfen. Künftig dürfen damit neben Schulen und Obdachlosenunterkünfte unter anderem auch Flüchtlingsheime, Justizvollzugsanstalten, berufsbildende Schulen, überbetriebliche Ausbildungsstätten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung, ambulante Pflegedienste oder wichtige Unternehmen wie Energieversorger, Lebensmitteleinzelhandel oder Logistikunternehmen solche Tests kaufen. Die Abgabe ist damit nicht mehr auf Ärzte oder beispielsweise Apotheken beschränkt.

Diese PoC-Antigen-Schnelltests, bei denen Abstriche durchgeführt werden, dürfen aber auch weiterhin nur von Fachpersonal eingesetzt werden.

Abstrich aus der Nase wohl zuhause machbar

Prof. Jörg Steinmann, Chefarzt des Instituts für Hygiene am Klinikum Nürnberg, präferiert trotzdem den Nasenabstrich für zuhause. Dabei müsse die Testperson gar nicht so weit in den oberen Bereich der Nase, wie es oft von Profis gemacht wird.

"Mittlerweile gibt es auch erste Daten und auch erste Hersteller, die sagen, dass der Nasenvorhof auch fast genauso gut geeignet ist wie hinten die Nasenrachenhinterwand. " Prof. Dr. Jörg Steinmann, Chefarzt des Instituts für Hygiene Klinikum Nürnberg

Die Berliner Charité hat das zusammen mit der Uniklinik Heidelberg in einer Untersuchung bestätigt. 146 Patienten wurde eine Probe entnommen und diese mit der PCR-Analyse untersucht. 40 davon wurden positiv getestet. Diese wiederum wurden von einem medizinischen Fachpersonal mit einem Schnelltest getestet: 34 davon wurden als positiv festgestellt. Beim Selbsttest erkannten sich 33 als infiziert. Der Tupfer musste dabei nur im vorderen Nasenbereich in zwei bis drei Zentimetern Tiefe für 15 Sekunden in kreisenden Bewegungen an den Innenwänden der Nase entlanggeführt werden.

Andere Möglichkeit: Gurgeln

Der Mikrobiologe und Virologe Andreas Ambrosch vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg präferiert den Gurgeltest. Der funktioniert mit einer genau vorgegebenen Menge an Wasser, mit der 30 Sekunden gegurgelt werden muss. Bis jetzt gab es nur Erfahrungen mit dem Gurgeltest als PCR-Test.

Das Entscheidende ist, dass ein Schnelltest für zuhause über den jetzt schon auf dem Markt vorhandenen Antigen-Test laufen müsste, also, dass Flüssigkeit auf ein Teststäbchen aufgetragen wird, das ähnlich aussieht wie ein Schwangerschaftstest und durch die Anzahl der Striche anzeigt, ob ein Test positiv oder negativ ist.

Ambrosch, der auch Mitglied einer Arbeitsgruppe zur Corona-Diagnostik der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin ist, zeigt aber, dass der Gurgeltest sehr wohl auch mit der Auswertung über einen Schnelltest funktioniert. Noch setzt er dafür ein spezielles Auslesegerät ein. Nun müssten nur noch Stäbchen entwickelt werden, die auch zuhause ein zuverlässiges Ablesen des Ergebnisses zulassen.

Schnelltests können keine PCR-Tests ersetzen

Der Unterschied zwischen einem Schnelltest und einem PCR-Test ist allerdings groß. Der entscheidende Faktor ist dabei, wann welcher Test anschlägt. Der PCR-Test ist sensibler, zeigt bereits eine geringe Anzahl der Viren eines Infektionsgeschehens an. Ein Schnelltest, egal von welcher Firma, reagiert erst bei einer relativ hohen Zahl an Erregern.

Der zuverlässigste Test ist und bleibt also die PCR-Analyse im Labor. Sie weist zu 99 Prozent eine Virusinfektion nach.

"Unsere Erfahrungen mit Schnelltests sind eigentlich ganz gut. Sie ersetzen von der Leistung keine PCR, aber sie haben so eine Sensitivität zwischen 70 und 85 Prozent. Also, für die schnelle Erkennung von Patienten von einer hohen Viruslast sind sie geeignet." Prof. Dr. Jörg Steinmann, Chefarzt des Instituts für Hygiene Klinikum Nürnberg

Die Medizinerin Claudia Denkinger von der Uni Heidelberg pflegt regelmäßig eine Liste über die Zuverlässigkeit dieser Schnelltests.

Das Bundesinstitut für Medizinprodukte und Arzneimittelsicherheit (BfArM) hat eine Liste aller zur Verfügung stehenden zertifizierten Schnelltests, die durch geschultes Personal durchgeführt werden dürfen, auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Schnelltests beim Arzt kosten 50 Euro

In München werden Schnelltests für durchschnittlich 50 Euro bei Ärzten angeboten. In der Apotheke werden sie meist für rund zehn Euro verkauft, im Internet ab sechs Euro.

Der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis, der Selbsttests befürwortet, hält es für wichtig, dass die Abgabe nur über Apotheken erfolgen dürfe, damit auch eine entsprechende Beratung stattfindet.

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Infektionsketten lassen sich schon lange nicht mehr richtig zurückverfolgen, und die Corona App blinkt immer grün. Nun sollen Bürger selbst überprüfen können, ob sie sich angesteckt haben. Mit Schnelltests für daheim.

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