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Höchstens 30 Minuten bis zum Ergebnis – das versprechen Corona-Schnelltests. Die Bundesregierung sieht große Einsatzmöglichkeiten in Pflegeheimen und Krankenhäusern, doch wissenschaftlich sind die Tests umstritten.

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Corona-Schnelltests: Wie sinnvoll sind sie?

Höchstens 30 Minuten bis zum Ergebnis – das versprechen Corona-Schnelltests. Die Bundesregierung sieht große Einsatzmöglichkeiten in Pflegeheimen und Krankenhäusern, doch wissenschaftlich sind die Tests umstritten.

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Von
  • Moritz Pompl

Auf dem Markt sind sie schon: Schnelltests für Corona. Sie sehen ähnlich aus wie ein Schwangerschaftstest und weisen innerhalb von wenigen Minuten einen Teil des Virus nach.

Und die Slowakei hat vorgemacht, wie es gehen könnte: Dort wurde die gesamte Bevölkerung mit Schnelltests auf Corona geprüft, freiwillig. Naja, fast: Wer sich nicht testen lassen wollte, musste eine Woche in Quarantäne gehen. Und auch Südtirol hat zum Massentest geladen: Zwei Drittel der Bevölkerung haben sich testen lassen. Ergebnis: ein Prozent positiv. Ein Modell auch für Deutschland?

Virologen sind skeptisch

Viele Virologen wie der Corona-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité sagen: Nein. Das sei ohne Nachdenken, einfach gesunde Leute zu testen. Mal gucken, wer positiv ist. Und die unerkannt Positiven, die will man dann rausfinden. Das Problem an der Sache ist: Wenn man erstmal so eine Testung macht, dann wird man relativ viele Leute zu unrecht in Isolierung bringen. Nämlich die falsch Positiven, so Drosten.

Schnelltests liegen häufiger falsch als PCR-Methode

Falsch positiv heißen diejenigen, die ein positives Ergebnis haben, aber eigentlich gar nicht infiziert sind. Und genau das ist das Problem mit den Schnelltests: Sie liefern häufiger falsche Ergebnisse als der aufwändigere Labortest, die PCR.

Die Probe ist für beide Tests gleich: Geschultes Personal muss einen Abstrich aus dem tiefen Rachen machen. Bei der PCR wird das Virus-Erbgut dann künstlich vervielfältigt. So sind auch kleine Virusmengen nachweisbar. Der Schnelltest dagegen weist direkt Virus-Eiweiße nach. Da braucht es mehr Viruspartikel, sagt der Infektiologe Prof. Bernd Salzberger vom Uniklinikum Regensburg. Die Sensitivität, also die Empfindlichkeit für den Nachweis von Viren, lasse sehr rasch nach, wenn die Virusmenge niedrig ist. Diese Patienten könnten so eventuell verpasst werden. Darüber müsse man sich im Klaren sein.

Schnelltests kaum wissenschaftlich überprüft

Die Hersteller der inzwischen mehr als 150 in Europa zugelassenen Schnelltests behaupten zwar: Ihre Tests liegen in rund 99 Prozent der Fälle richtig. Doch einige Studien wie zuletzt von der Berliner Charité konnten nachweisen, dass die Genauigkeit einiger Testkits doch deutlich niedriger liegt. Und nur ein Bruchteil wurde bislang unabhängig überprüft.

Doch selbst wenn ihre Genauigkeit bei 99 Prozent läge, so wäre es nicht sinnvoll, die gesamte Bevölkerung zu testen. Weil es bei positiven 100.000 Tests zu immerhin 1.000 Fehlalarmen käme. Und noch viel häufiger sind falsch negative Ergebnisse, die dazu führen, dass Menschen, die eigentlich infiziert sind, sich und andere in falscher Sicherheit wiegen.

Einsatz in Schulen fraglich

Der Kinderarzt Ulrich von Both von der LMU München glaubt deshalb, dass auch der pauschale Einsatz von Schnelltests in Schulen nicht sinnvoll ist - stattdessen aber dort, wo viele Positive zu erwarten sind. Zum Beispiel in einem Corona-Hotspot, etwa einer Gemeinde mit extrem vielen Fällen, oder in Arztpraxen. Bei Patienten mit Husten und Schnupfen, die sich beim Hausarzt vorstellen, sei der Schnelltest sinnvoll, weil man dann schnell wüsste: Corona ja oder nein.

Besucher von Krankenhäusern oder Pflegeheimen zu testen, hält er aber für nicht hilfreich: Menschen mit einem negativen Testergebnis könnten sich in falscher Sicherheit wiegen. Man lasse dann in solche Einrichtungen Leute, die eben doch vielleicht das Virus haben, so von Both. Diese Menschen würden dann vielleicht auch denken, sie bräuchten aufgrund ihres negativen Tests keine Maske. So könne es dann zu Übertragungen kommen.

Pflegeheime sind zurückhaltend

Unter anderem deshalb sind Pflegeeinrichtungen bisher vorsichtig mit den Schnelltests, auch wenn sie seit Mitte Oktober in der Teststrategie der Bundesregierung angepriesen werden. Doris Schneider von der Caritas München Freising betreut 27 Altenheime und hat vom Gesundheitsamt Schnelltests bekommen. Die würden jetzt sehr gezielt eingesetzt: Nicht flächendeckend, sondern bei diffusen Ausbruchsgeschehen, um die Situation einschätzen zu können. Darüber hinaus würden auch Mitarbeitende mit den Schnelltests überprüft, die im ganzen Haus unterwegs sind, wie zum Beispiel der Nachtdienst. Oder im Einzelfall auch Bewohnerinnen und Bewohner mit Symptomen, so Schneider. Für die Tests musste das Personal extra geschult werden, damit es den Abstrich tief genug im Rachen macht.

Fazit: Die Schnelltests können zwar helfen, allerdings nur gezielt in einzelnen Bereichen und bei Menschen mit Symptomen. Aber nicht als Massentests für die gesamte Bevölkerung.

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