BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Pfunde: Wie wird man die Frust-Kilos wieder los? | BR24

© dpa/picture-alliance/Ulrich Niehoff

Symbolbild: Übergewicht.

13
Per Mail sharen

    Corona-Pfunde: Wie wird man die Frust-Kilos wieder los?

    Social Distancing ist das Motto in Corona-Zeiten. Gleichzeitig bedeutet es aber auch oft Einsamkeit. Trost findet so mancher dann beim Essen. Experten sprechen dabei von "Seelenhunger". BR24 gibt Tipps, was man gegen die Corona-Pfunde tun kann.

    13
    Per Mail sharen

    Die einen merken es, wenn sie auf die Waage steigen – die anderen, wenn die Büro-Klamotten plötzlich viel enger sitzen als vor der Corona-Zeit: Die Krise hat nicht nur den Alltag umgekrempelt, sondern auch unsere Ernährung.

    Laut einer Online-Umfrage haben 27 Prozent der Deutschen schon zu Beginn der Corona-Zeit merklich zugenommen. Viele fragen sich: Wie wird man die zusätzlichen Pfunde – und manch andere schlechte Gewohnheit – wieder los?

    Seelenhunger: Wenn die Seele Trost im Essen sucht …

    Ernährungsberaterin Monika Bischoff vom Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) am Krankenhaus Barmherzige Brüder in München rät, mit der Frage anzufangen, warum man denn eigentlich in letzter Zeit so viel gegessen hat. Das könnte mit einem Phänomen zusammenhängen, das Fachleute als "Seelenhunger" bezeichnen.

    Mandy Kepper z.B. hat wegen Corona den Job verloren. Sich ein bisschen verwöhnen, sich trösten, das Bedürfnis ist nicht nur bei ihr im Moment stärker als sonst. Auch die Art zu kochen hat sich verändert: Sahne und Butter oder Süßigkeiten stehen viel häufiger auf dem Speiseplan als früher. Typisch für den "Seelenhunger", so die Ernährungsexpertin.

    "Bei den Psychologen gibt es so ein Schema, da gibt sieben verschiedene Arten von Hunger. Speziell der Seelenhunger ist bei vielen in der schwierigen Zeit vermehrt da, weil man einsam ist, die sozialen Kontakte sind nicht mehr so da, Berührungen fehlen vielleicht, und da gibt es nicht so viel Ersatz. Das sind oft Genussmittel, Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten oder Essen." Dipl. oec.-troph. Monika Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus Barmherzige Brüder in München

    Trick: Kleinere Teller können helfen

    Das Problem kennt auch Familie Neuhaus. Besonders die Kinder, die den ganzen Tag zu Hause sind, sind anfällig für das Essen aus Langeweile. Das fällt auch den Kindern selbst auf.

    Auf "Soulfood" ganz verzichten, das muss zum Glück nicht sein. Doch die Hälfte der Ration tröstet manchmal genauso gut. Ein guter Trick: Mit einem kleineren Teller fällt es leichter, sich mit der halben Portion zufrieden und satt zu fühlen.

    Kalorienbombe Alkohol

    Es wird mehr getrunken: Nicht nur aus Frust, sondern manchmal auch, um das Essen, das man sich gekocht hat, gebührend zu würdigen. Selbst wenn das noch keine Suchtproblematik sein muss – für die schlanke Linie ist es schlecht.

    "Alkohol liefert in erster Linie sehr viel Kalorien. Das haben die meisten gar nicht so auf dem Schirm, die denken, ach so ein Glas Whiskey, das sieht man gar nicht, kann ja keine Kalorien haben! Aber das wird oft unterschätzt!" Dipl. oec.-troph. Monika Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus Barmherzige Brüder in München

    Bischoff rät, sich auch hier zu beschränken. Beispielsweise statt an sieben Tagen in der Woche nur noch an zwei oder drei Alkohol zu trinken. Oder den täglichen Konsum auf beispielsweise ein halbes Glas zu beschränken.

    Turbo für die Corona-Pfunde: Bewegungsmangel

    Nicht alle bewegen sich seit der Corona-Krise weniger. Viele haben sogar deshalb angefangen zu laufen. Auch Mandy Kepper hat sich vom Lauffieber anstecken lassen. Es reichte allerdings nur für die Anschaffung von neuen Laufschuhen. Dann blieben die guten Vorsätze im Ansatz stecken. Gleichzeitig fielen der tägliche Weg zur Arbeit per Fahrrad und die gewohnten Sportarten - wie Schwimmen - weg.

    Die mangelnde Bewegung ist eine Art Turbo für die Gewichtszunahme. Das zeigt der Check im Münchner Zentrum für Ernährungsmedizin und Bewegung.

    "Die biometrische Impedanzanalyse zeigt uns viel mehr als wie viel Fett wir haben. Ganz wichtig ist dabei auch die körpereigene Muskulatur. Denn je mehr Muskulatur ich habe, desto mehr Kalorien verbrenne ich über den Tag automatisch." Dipl. oec.-troph. Monika Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus Barmherzige Brüder in München

    Zu wenig Muskulatur, zu viel Kalorienzufuhr - das ist bei vielen das Problem, das zu den zusätzlichen Corona-Kilos geführt hat. Die Ernährungsexpertin errechnet für Mandy Kepper, dass sie mit einem Minus von 500 Kalorien pro Tag schon bald wieder ihr Wohlfühlgewicht erreichen könnte. Das klappt durch weniger Kalorienzufuhr über die Ernährung und mehr Bewegung.

    Ganz wichtig: Geduld

    Mandy Kepper will es versuchen:

    "In drei Monaten müsste ich mein altes Gewicht wiederhaben. Klar das ist natürlich eine Motivation, wenn die Ernährungswissenschaftlerin einem das vorrechnet, in dieser und dieser Zeit kannst du die fünf Kilo wieder runterbringen, dann möchte ich das jetzt mir und allen anderen beweisen."

    Ganz wichtig: Geduld. Von Crash-Diäten rät die Expertin dringend ab. Die Faustregel: Fürs Abnehmen sollte man sich genauso viel Zeit lassen, wie man fürs Anfuttern gebraucht hat.

    Mehr Zeit zum Essen: Die "Frühstücksfalle"

    Es ist bestimmt keine schlechte Gewohnheit, dass viele Familien viel öfter als sonst gemeinsam am Tisch sitzen. Wenn die Eltern im Homeoffice sind und die Kinder zu Hause lernen wird aber plötzlich gefühlt doppelt so viel gegessen und gekocht wie sonst. Dann auch noch gesunde Lebensmittel auf den Tisch zu bringen, ist für viele eine kleine Herausforderung, die mehr Planung als sonst erfordert.

    So ging es auch Marina Neuhaus:

    "Die Gedanken kreisen ständig ums Essen, weil man den Eindruck hat, man isst ständig das Gleiche, und dann habe ich beschlossen, einen Plan zu machen, damit es einfach nicht zu einseitig wird. Weil ständig Nudeln oder eine Pizza, das ist auch nicht das richtige."

    Problematisch wird’s manchmal, wenn die zusätzliche Zeit in zusätzliche, ausgedehnte Mahlzeiten investiert wird. Klassischerweise: für ein entspanntes Frühstück: mit Speck, Eiern, Brötchen und einem Glas Saft.

    "Grundsätzlich ist dieses 'mehr Zeit mit gesundem Essen zu verbringen' schon sehr gut. Das heißt: Ich kann wieder bewusster essen, ich kann meine Achtsamkeit wieder mehr aufs Essen lenken. Aber wenn ich vorher nicht gefrühstückt habe, dann habe ich jetzt natürlich auch eine Mahlzeit mehr, wenn ich nicht woanders einspare. Dadurch erhöht sich mein Kalorienkonto wieder." Dipl. oec.-troph. Monika Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus Barmherzige Brüder in München

    Mandy Kepper will auf solche "Ernährungsfallen" in Zukunft verstärkt achten. Insgesamt weniger essen, aber dafür mehr Proteine, damit ihre Muskulatur nicht durch die Diät abgebaut wird.

    "Die Proteine brauchen wir, damit wir die Muskulatur aufrechterhalten. Denn wenn wir zu wenig Proteine essen, holt sich der Körper das Eiweiß aus dem Muskel, und wir bauen Muskulatur ab. Und drum muss der persönliche Proteinbedarf gedeckt sein, ob man dann weniger Kohlenhydrate oder Fett isst, das ist egal." Dipl. oec.-troph. Monika Bischoff, Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus Barmherzige Brüder in München

    Bewegung als Appetitzügler?

    Familie Neuhaus hat schon damit angefangen, die Süßigkeiten zugunsten der gesunden Ernährung zu beschränken - auch wenn das nicht immer einfach durchzusetzen ist.

    Zumindest für Kinder gibt Ernährungsexpertin Bischoff aber grundsätzlich Entwarnung. Denn mit mehr Bewegung wird auch der Hunger auf Süßes automatisch wieder abnehmen, prophezeit sie. Funktioniert am besten bei Kindern - könnte aber auch manchem Erwachsenen dabei helfen, die "Corona-Pfunde" wieder loszuwerden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!