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Corona-Krise: Wie man sich an Weihnachten schützt | BR24

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Sich selbst und die Liebsten an Weihnachten und Silvester schützen: Was man neben Kontakte reduzieren noch tun kann.

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Corona-Krise: Wie man sich an Weihnachten schützt

Das Reduzieren von Kontakten ist momentan wohl die einzige Lösung, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu halten. Was jetzt im Hinblick auf die Feiertage aktiv zu tun ist, um die gefährliche Entwicklung in der Corona-Krise einzudämmen.

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Von
  • Tanja Fieber

Ob nach Weihnachten die Corona-Infektionen zunehmen, haben wir alle selbst in der Hand: Die Lockdown-Regeln werden zwar an den Weihnachtsfeiertagen gelockert, man sollte sich aber weiterhin an die AHAL-Regeln halten. Die Regeln sind keine Schikane, sondern sollen die derzeitige gefährliche Infektionswelle eindämmen. Den exponentiellen Anstieg konnten wir durch den Lockdown light schon stoppen, aber die Infektionszahlen müssen deutlich gesenkt werden, damit das Gesundheitswesen nicht in die Knie geht. An diesem kritischen Punkt stehen wir gerade.

Corona-Krise - derzeitige Situation in Deutschland

Am 10. Dezember 2020 wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) im Vergleich zum Vortag 29.875 neue Fälle und damit der höchste Wert seit Beginn der Pandemie sowie 598 neue Todesfälle übermittelt. Das RKI hat daraufhin seine Risikobewertung angepasst und spricht von einer sehr hohen Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland.

Was heißt das genau? Hier ein paar Zahlen aus dem RKI-Situationsbericht vom 11. Dezember 2020. Dort ist zu lesen, dass aktuell nahezu alle der 412 Kreise Deutschlands eine hohe 7-Tage-Inzidenz aufweisen. Nur sieben Kreise übermittelten weniger als 25 Fälle pro 100.000 Einwohner. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in 321 Kreisen bei mehr als 100 Fällen pro 100.000 Einwohner, davon in 35 Kreisen bei mehr als 250-500 Fällen pro 100.000 EW und in 2 Kreisen bei über 500 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Inzidenz der letzten 7 Tage liegt deutschlandweit bei 156 Fällen pro 100.000 Einwohner. In den Bundesländern Sachsen liegt sie sehr deutlich darüber, in Bayern, Berlin und Thüringen deutlich, im Saarland und in Baden-Württemberg etwas darüber.

Corona-Krise - Lockerungen an Weihnachten

Vor diesem Hintergrund sind die Lockerungen des Lockdowns an den Feiertagen kritisch zu sehen. Gehen viele zum Alltagsgeschäft über und lassen die Sicherheitsmaßnahmen schleifen (AHAL-Regeln), droht ein Wiederanstieg der Infektionszahlen und eine dritte Coronawelle. Dass Reisen eine Ausbreitung der Infektion in Deutschland nach sich ziehen, konnte man schon zweimal an den Infektionszahlen nach Kalenderwochen ablesen. Dieses Risiko besteht auch, wenn - wie an den Feiertagen erlaubt - nur vier Menschen (Verwandte und ihre Partner) mit unbeschränkt vielen Kindern unter 14 Jahren durch Deutschland reisen und sich treffen.

Was heizt die Corona-Pandemie an?

  • Reisen: Am sichersten ist, das eigene Auto zu nutzen und keine Fahrgemeinschaften zu bilden, doch nicht alle haben ein eigenes Auto. Jeder fünfte Haushalt hat keins. Das Ansteckungsrisiko in Zügen ist wenig erforscht. Die Deutsche Bahn hat zwar ein paar Sicherheitsvorkehrungen getroffen (nur 60 Prozent der Plätze buchbar und mehr Züge um Weihnachten), ob das reicht, wird sich aber erst im neuen Jahr zeigen. Die Rückverfolgung von Ansteckungen ist erschwert, wenn sich viele Menschen, die sich nicht kennen, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln auf engem Raum treffen. Reisen Menschen aus Hochrisikogebieten in Regionen mit niedrigen Infektionszahlen, können sie die Infektion verschleppen und in diese Regionen tragen.
  • Missachten der AHAL-Regeln (Abstand halten, Hände waschen, Mundschutz tragen und viel Lüften): Diese Regeln sind das, was jeder tun kann, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren und die Infektionswelle in Deutschland einzudämmen.
  • Missachten der Kontaktbeschränkungen und Lockdown-Vorgaben (Ausgangssperre ab 21.00 Uhr).

Generell gilt: Das Infektionsrisiko steigt mit der Größe der Gruppe, der Infektionslage am Wohnort, der Zahl der Kontakte, der Arbeitssituation, geschlossenen Räumen und dem unvorsichtigen Verhalten einer Person.

"Aus infektiologischer Sicht ist sicherlich das Auto das bevorzugte Verkehrsmittel für die Weihnachtstage. Dann sollte innerhalb des Fahrzeugs aber auch kein Kontakt zu Personen aus anderen Hausständen bestehen. (...) Wer an Weihnachten mit der Bahn zur Familie reist, muss vermutlich auch dieses Jahr mit voll besetzten Zügen rechnen. Deshalb lohnt es sich in gute Schutzausrüstung zu investieren, da im Zug der Mindestabstand nicht immer eingehalten werden kann und viele Menschen auf längere Zeit in teils schlecht lüftbaren Waggons ein höheres Infektionsrisiko haben. Zertifizierte Masken schützen nachweislich besser vor einer Infektion als beispielsweise selbstgenähte Masken oder Schals. Ich würde mindestens einen chirurgischen Einmal-Mund-Nasen-Schutz empfehlen, man sieht die typischerweise blauen Masken ja immer öfter. Diese können aber schnell durchfeuchten und dann ist der Schutz eingeschränkt. Für längere Fahrten ist daher eine FFP2-Maske sicherlich die noch bessere Wahl, die mindestens 94 Prozent der Aerosole aus der Luft filtert und den Träger sowie die Mitreisenden damit maximal schützt." Professor Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing und Betreuer der ersten Covid-19-Patienten Deutschlands.

Schnelltests helfen nicht als Infektionsschutz

Einmal vor Weihnachten sicherheitshalber einen Schnelltest zu machen, hilft nicht, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Warum? Schnelltests sind nur eine kurze Momentaufnahme und müssten wiederholt gemacht werden, um eine Infektion auszuschließen. Die Tests schlagen nämlich erst ab einer gewissen Menge von Viren im Körper an (Virenlast) und der Test muss richtig durchgeführt werden, damit ein korrektes Ergebnis herauskommt. Bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis sollte man dann den viel zuverlässigeren PCR-Test machen, um eine Infektion auszuschließen.

"Neben der geringeren Zuverlässigkeit sind die Schnelltests nur für maximal 24 Stunden 'aussagekräftig' - wer am Montag den Test macht und am Donnerstagabend zu Verwandten fährt, müsste den Test demnach am Donnerstagvormittag zur Sicherheit wiederholen. Antigen-Schnelltests schlagen außerdem vor allem bei bereits bestehenden Symptomen an und können hier sinnvoll sein, um unspezifische Erkältungssymptome einzuordnen. In der aktuellen Situation würde ich aber dringend davon abraten mit Fieber, trockenem Husten und Co. die Verwandten zu besuchen - negativer Schnelltest hin oder her." Professor Clemens Wendtner

Was bringt Selbst-Quarantäne vor Weihnachten?

Eine freiwillige Selbst-Quarantäne vor Weihnachten ist besser als keine Quarantäne, schützt aber auch nur bedingt. Eine Ansteckung an den Feiertagen ist trotzdem möglich. Viele Infektionen verlaufen zudem symptomlos und sind deshalb nicht bekannt. Infizierte können bis zu 14 Tage ansteckend sein (Inkubationszeit), im Schnitt sind es fünf bis sechs Tage. Kritisch sind vor allem die ersten Tage, in denen sich eine Infektion manifestiert. Dann ist die Virenlast am höchsten.

"Wer an Weihnachten Verwandte besucht, sollte dringend eine Selbstisolation vor Weihnachten in Erwägung ziehen, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Das gilt generell und insbesondere wenn die Angehörigen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben, da sie beispielsweise älter sind oder eine Vorerkrankung haben. (...) Am Tag vor der Abfahrt zu Oma und Opa sollten alle Familienmitglieder nochmal überprüfen, ob sie symptomfrei sind - das heißt: kein Husten, keine erhöhte Temperatur, kein Kopfweh oder Durchfall, die Weihnachtsplätzchen riechen und schmecken noch wie sie sollen. In jedem Fall gilt in diesem Jahr auf das eigene Bauchgefühl zu hören und Weihnachten nicht aus reinem 'Traditionsdruck' wie gewohnt zu feiern." Professor Clemens Wendtner

Wenige, nicht wechselnde Kontakte

An den Weihnachtsfeiertagen sollte man vermeiden, viele wechselnde Kontakt zu haben. Man sollte zum Beispiel nicht an den drei Feiertagen drei verschiedene Kreise von Verwandten besuchen, da das die Ansteckungswahrscheinlichkeit erhöht, wenn eine der beteiligten Personen infiziert ist.

Singen an Weihnachten? Besser nicht!

Beim gemeinsamen Singen an Weihnachten "müssen wir aufpassen", sagt der Musik-Mediziner Eckart Altenmüller. Beim Singen werden noch mehr Aerosole ausgestoßen als beim Sprechen. Diese Schwebeteilchen in der Luft sind einer der Hauptübertragungswege für SARS-CoV-2. Je nach Größe tragen die Tröpfchen mehr oder weniger Viruslast, fallen schneller oder langsamer zu Boden und verbreiten sich weit. Eine Rolle spielt auch, wie viel Viruslast ein Mensch in sich trägt und sogar wie er gebaut ist: "Vermutlich ist es so, dass Superspreader mittelgroße Aerosole ausstoßen, eine ungünstige Anatomie aufweisen und eine hohe Viruslast in den Atemwegen haben", erklärt Altenmüller.

Zudem produzierten Amateure beim Singen mehr Aerosole als Profi-Sänger. Gefährlich sei gemeinsames Singen in geschlossenen öffentlichen Gebäuden, wo sich Menschen aus verschiedenen Familien mischten. Das ist der Grund, warum Singen in Kirchen derzeit verboten ist. Unter freiem Himmel und mit Abstand ist Singen weniger bedenklich. Außer man ist falsch angezogen und holt sich eine Erkältung. Wer daheim dieses Jahr partout nicht aufs Singen verzichten will, sollte auf genug Abstand achten, oft lüften und möglichst eine Maske tragen. FFP2-Maske filterten 90 bis 95 Prozent der Aerosole, Alltagsmasken rund 70 bis 90 Prozent, sagt Altenmüller.

Achtung, Silvester!

Aufgrund der Inkubationszeit von SARS-CoV-2 und vieler symptomloser Krankheitsverläufe könnte sich die Lage an Silvester zuspitzen. Hat man sich am zweiten Weihnachtstag infiziert, ist man an Silvester am ansteckendsten und wird zum fleißigen Viren-Verteiler oder sogar Superspreader, wenn man sich mit mehreren Menschen trifft.

Impfung ist kein Heilsbringer

Eine Impfung gegen SARS-CoV-2 ist ein Hoffnungsschimmer am Horizont, aber kein Game Changer. Bis die Bevölkerung durchgeimpft ist und eine Art Herdenimmunität besteht, wird viel Zeit vergehen. Wenn sich überhaupt ausreichend viele Menschen in Deutschland impfen lassen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Man sollte also nicht auf die Impfung spekulieren, sondern jetzt mithelfen, die Infektionswelle einzudämmen. Die Impfung ist quasi das Zuckerl nach einer langen Durststrecke und erleichtert hoffentlich die kommenden Jahre. Denn eins ist klar: Das Virus geht nicht mehr weg! Wir müssen uns an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Gut zu wissen: Die Gefahr ist gering, sich über die Berührung von Oberflächen mit dem neuen Coronavirus anzustecken. Wenn man sich oft und gründlich die Hände wäscht. Das gilt sogar bei Türklinken, Einkaufswagen und Bankautomaten, die ja sehr viele verschiedene Menschen berühren. Auch Geschenke müssen vor der Übergabe nicht desinfiziert werden. Die meisten Menschen infizieren sich mit SARS-CoV-2, indem sie virushaltige Partikel einatmen. Diese entstehen beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen. Hier gibt's mehr Infos zum Thema ...

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Der Lockdown ist unumgänglich. Das Reduzieren von Kontakten ist aus mathematischer Sicht die einzige Lösung, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen, sagt die Mathematikerin Maria Barbarossa vom Frankfurt Institute of Advanced Studies.

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