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Kann man sich im Schwimmbad oder Badesee mit Corona anstecken? | BR24

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Kann man sich im Schwimmbad oder im See mit Corona anstecken?

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Kann man sich im Schwimmbad oder Badesee mit Corona anstecken?

Schwimmbad, Badesee, Meer, Fluss: Möglichkeiten, sich im Sommer im Wasser zu vergnügen, gibt es viele. Doch häufig schwingt die Angst mit, sich beim Schwimmen mit dem Coronavirus zu infizieren - eine reale Gefahr?

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Ein merkwürdiger Sommer: Alles ist anders als sonst. Viele Auslandsreisen fallen wegen Corona flach und alltägliche Aktivitäten werden hinterfragt. Ist es zum Beispiel möglich, ins Schwimmbad oder an den Badesee zu gehen, ohne Gefahr zu laufen, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren?

Hinter dieser Frage steckt meistens die Befürchtung, dass man sich über das Wasser mit dem Coronavirus anstecken könnte. Dabei liegt die Infektionsgefahr ganz woanders. Das Problem sind die Menschenmassen auf der Liegewiese oder am Baggersee - wo Badetuch an Badetuch liegt, oder die Wartenden vor der Pommesbude Schlange stehen. Das Risiko einer Ansteckung besteht vor allem in der direkten Übertragung der Erreger durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch.

Abstand halten auf den Liegewiesen

Auch wenn der Platz im Schwimmbad oder an einem Badesee begrenzt ist: Abstand wahren und die Hygieneregeln einhalten, sind der beste Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. An einem weitläufigen Strand sind die Abstandsregeln leichter einzuhalten als in einem Freibad oder an einem Badesee bei 30 Grad, die gerade in diesem Sommer mangels Alternativen häufig überlaufen sind.

Kann man sich im Schwimmbad mit Corona anstecken?

Das Schwimmen an sich gilt als unproblematisch, denn die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch das Wasser ist deutlich geringer als eine durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch - da sind sich Wissenschaftler einig.

Die Gefahr, sich im Schwimmbad mit SARS-CoV-2 zu infizieren, gilt laut Umweltbundesamt als "höchst unwahrscheinlich". Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht bisher keine Hinweise, dass das Coronavirus über das Wasser übertragen werden kann. Für andere Coronaviren, die SARS-CoV-2 ähneln, konnte gezeigt werden, dass Wasser keinen relevanten Übertragungsweg darstellt, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Das bestätigt auch das Center for Disease Control and Prevention (CDS), die zuständige Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsamts. Eine spanische Übersichtsstudie kommt zu dem gleichen Ergebnis.

Wasser in Hallen- und Freibädern wird intensiv gereinigt

Das Badewasser in Hallen- oder Freibädern wird zudem ständig aufbereitet und gereinigt, denn die Schwimmbadbetreiber sind verpflichtet, eine gute Badewasserqualität zu garantieren - unabhängig davon, ob ein Krankheitserreger wie das Coronavirus grassiert. Das Wasser wird gereinigt, um Viren und Bakterien zu entfernen, aber auch alles andere, was Besucher so hinterlassen - zum Beispiel Haare, Hautschuppen, Urin, Schweiß, Cremes etc. Dazu wird großer Aufwand betrieben:

"Das Wasser in Frei- oder Hallenbädern unterliegt einer ständigen Aufbereitung. Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik bietet einen weitreichenden Schutz, auch vor unbekannten Organismen und chemischen Stoffen. Filtration und Desinfektion sind wirksame Verfahren zur Inaktivierung von eingetragenen Bakterien und Viren. Coronaviren sind behüllte Viren, die durch Desinfektionsverfahren leichter zu inaktivieren sind als unbehüllte Viren wie Noroviren oder Adenoviren." Umweltbundesamt

Wie sieht es in Bädern mit biologischer Aufbereitung aus?

Wenn Schwimmbäder kein Desinfektionsmittel - sprich Chlor - enthalten, ist ein Infektionsrisiko mit Mikroorganismen nicht auszuschließen. Aber auch hier gilt die Einschätzung der WHO: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass SARS-CoV-2 über den Wasserweg übertragen wird.

Meer, Flüsse und Badeseen gelten als unproblematisch

Wie können Coronaviren überhaupt in Flüsse und Seen gelangen? Möglich ist, dass Erreger, die über den Stuhl infizierter Personen ausgeschieden worden sind, über Abwassereinleitungen in Gewässer gelangen. Das Umweltbundesamt weist aber darauf hin, dass Badegewässer in Europa einer strengen Kontrolle unterliegen und auf Kontaminationen mit Abwasser geprüft werden. Unter dieser Voraussetzung erwartet das Umweltbundesamt "über diesen Weg keine relevanten Konzentrationen an SARS-CoV-2 (…), die zu einer Infektion führen können".

Auch der Kontamination der Badegewässer durch infizierte Personen ist theoretisch möglich. Aber allein aufgrund der Verdünnung im Wasser schätzt das Umweltbundesamt eine Infektionsgefahr als äußerst gering ein.

Kranke gehören nicht ins Wasser

Eine Regel sollte immer eingehalten werden: Wer an Atemwegsinfekten oder Durchfall leidet, sollte grundsätzlich nicht baden gehen. Denn dadurch werden andere Personen unnötig gefährdet. Das gilt unabhängig davon, um welche Krankheitserreger es sich handeln könnte - und davon gibt es eine Menge. Ein Großteil der Keime wird zwar, zumindest im Schwimmbad, vom Chlor innerhalb von Minuten unschädlich gemacht. Es gibt aber Krankheitserreger, bei denen dauert das länger. Kryptosporidien zum Beispiel können mehrere Tage in einem sonst gut desinfizierten Schwimmbadwasser überleben. Die Infektion mit Kryptosporidien heilt zwar in der Regel von selbst aus, kann aber erst einmal Symptome wie leichtes Fieber, Schwindel oder Bauchkrämpfe und Durchfall hervorrufen. Krank sollte also keiner ins Wasser.

Mangelnde Hygiene: Was das Wasser dreckig macht

Aber auch gewisse Hygienestandards sollten selbstverständlich sein. Wer ins Schwimmbecken pieselt, verunreinigt das Badewasser gehörig - und das machen zumindest laut einer US-Umfrage 30 Prozent. Ob das in Deutschland anders ist, darf bezweifelt werden. Wer nicht duscht, fügt zum Urin noch Schweiß, Hautfett und allerlei Keime hinzu. Wenn es im Frei- oder Hallenbad stark nach "Schwimmbad" riecht, dann sind daran die Piesler und Nichtduscher schuld: Chlor, das als Desinfektionsmittel dem Schwimmbadwasser zugesetzt wird, riecht erst, wenn es sich mit Keimen oder Urin-Bestandteilen verbindet.

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Zum Schwimmbad gehört der Geruch nach Pommes und Chlor. Zweiteres ist nicht ganz so lecker, besonders weil Chlor selbst eigentlich nach gar nichts riecht. Das steckt wirklich hinter dem penetranten Geruch im Freibad.

Hygieneregeln fürs Schwimmengehen

  • Wer an einer Durchfallerkrankung leidet, darf nicht ins Wasser - er könnte Keime im Wasser verbreiten.
  • Wasser möglichst nicht in den Mund gelangen lassen und nicht schlucken.
  • Duschen vor dem Sprung ins Becken sollte ebenso selbstverständlich sein wie das Händewaschen nach dem Toilettengang.
  • Mit Kindern sollte man regelmäßig und rechtzeitig auf die Toilette gehen.
  • Bei Kleinkindern: Rechtzeitig Windeln im Wickelraum wechseln. Auch sogenannte Schwimmwindeln sind nicht zu 100 Prozent dicht.

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