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Wie sicher sind die neuen Corona-Impfstoffe? | BR24

© dpa/pa/Laci Perenyi

Wie sicher sind die neuen Corona-Impfstoffe?

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    Wie sicher sind die neuen Corona-Impfstoffe?

    Die Corona-Impfstoffe polarisieren die Gesellschaft. Politiker sehen sie als Ausweg aus der Pandemie. Viele betrachten die neue Impfung jedoch skeptisch. Können die im Rekordtempo zugelassenen Impfstoffe Corona besiegen, ohne schlimme Nebenwirkungen?

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    Von
    • Adrian Dittrich
    • Dominic Possoch

    Die Impfstoff-Forschung für das neuartige Coronavirus hat eine historische Dimension angenommen. Noch nie wurden so viel Geld, so viel Energie und so viel Aufmerksamkeit in die Entwicklung eines neuen Impfmittels investiert. Der Infektiologe Prof. Dr. Peter Kremsner hat über die vergangenen 30 Jahre bereits 200 klinische Impfstoff-Studien durchgeführt und ist aktuell Leiter der Testphase 3 für den Corona-Impfstoff von Curevac.

    Im aktuellen "Possoch klärt" berichtet er, dass sich für ihn die unglaubliche Entwicklungsdynamik auch auf die enge Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft, Ärzten und Firmen sowie den Zulassungsbehörden und Ethikkommissionen zurückführen lässt. Das sei in dem Maße bei all den bisherigen Impfstoff-Projekten nicht der Fall gewesen. Ein fehlerhaftes und überhastetes Entwicklungs- sowie Zulassungsverfahren kann der Direktor des Universitätsklinikums Tübingen bei den Corona-Impfstoffen dabei nicht bestätigen.

    "Man hat alle Phasen der Entwicklung präklinisch wie auch klinisch durchgemacht. Manches ist auch überlappend gelaufen, was sonst nicht ganz üblich, aber nicht unmöglich ist. Und manches ist gestaucht gelaufen, aber es ist alles durchlaufen worden." Prof. Dr. Peter Kremsner, Infektiologe

    Mythen über gefährliche Nebenwirkungen der Corona-Impfung

    Die ersten drei Testphasen der verschiedenen Impfstoffkandidaten haben gezeigt: Die Nebenwirkungen halten sich bisher in Grenzen und sind mit denen bekannter Impfungen vergleichbar: Schwellung an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Dennoch fürchten sich viele Menschen vor noch nicht absehbaren, gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen. Angetrieben wird diese Furcht von vielen im Internet kursierenden Impfstoff-Mythen. Dort wird behauptet: ein mRNA-Impfstoff könne das menschliche Erbgut, die DNA, langfristig verändern. Prof. Dr. Leif Erik Sander, Immunologe an der Berliner Charité, hält dies im aktuellen "Possoch klärt" jedoch für ausgeschlossen.

    "Diese Technologie wird ja seit Jahren entwickelt und einer der Vorteile ist die fehlende Möglichkeit, dass sich die mRNAs in unser Genom, in unser Erbgut integrieren." Prof. Dr. Leif Erik Sander, Immunologe

    Gefährliche Nanopartikel im mRNA-Impfstoff gegen Covid-19?

    Ein weiterer Mythos: Nanopartikel, die in den mRNA-Impfstoffen verwendet werden, könnten unerwünschte Immunreaktionen, ja sogar Allergieschocks mit tödlichen Folgen verursachen. Allerdings: Bei keinem der circa 35.000 Menschen, bei denen in Phase 3 der mRNA-Impfstoff je zweimal injiziert wurde, traten diese Nebenwirkungen auf. "Das Risiko von diesen kleinen 'Lipid-Nanopartikeln' halte ich für sehr gering. Da gibt es einige andere Arzneimittel, die das auch verwenden. Mir ist bislang noch nicht bekannt, dass das besonders gesundheitsschädlich ist", so Leif Erik Sander.

    Und trotzdem, die Angst vor einem absolut neuen und mit Rekordtempo entwickelten Impfstoff wird nicht bei allen von heute auf morgen verschwinden. Das könne man auch zu einem gewissen Grad nachvollziehen, da Langzeiterfahrungen mit den Impfmitteln bisher noch fehlen, so Sander. Der Immunloge ist sich jedoch sicher: Je länger die neuen Impfstoffe auf dem Markt sind, desto mehr wird auch das Vertrauen der Bevölkerung in diese steigen.

    Vollständige Immunität durch Corona-Impfstoffe noch nicht bewiesen

    Das große Ziel, der Ausweg aus der Pandemie, soll die Herdenimmunität sein. Das propagieren Politiker schon seit Monaten. Diese wird in Deutschland bei einer Durchimpfung oder überstandenen Erkrankung von etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erreicht. Laut aktueller Umfrage der Krankenkasse Barmer liegt die Impfbereitschaft bei der deutschen Bevölkerung jedoch nur bei 53 Prozent.

    Davon abgesehen ist es noch gar nicht sicher, ob die bisher veröffentlichten Impfstoffe eine volle Immunität garantieren. Denn entscheidend ist nicht nur die eigene Immunität gegen eine Erkrankung an Covid-19, sondern auch eine nicht mehr vorhandene Infektiosität. Ob dies von den Impfstoffen gewährleistet werden kann, wird man erst mit langfristigen Studien beantworten können.

    "Wir brauchen gute Daten von sehr vielen, wo wir dann zeigen können, dass mancher Impfstoff vielleicht sehr gut, manche vielleicht ein bisschen weniger vor Infektionen schützt und damit dann auch die Menschen, die geimpft sind, gar nicht mehr infektiös macht." Prof. Dr. Peter Kremsner, Infektiologe

    Prof. Dr. Peter Kremsner setzt hierbei seine Hoffnungen auf orale Impfstoffe, deren Entwicklung jedoch noch nicht so weit fortgeschritten ist. Der Impfstoff soll dabei nicht mehr gespritzt, sondern geschluckt werden. "Da zielt man ganz bewusst auf die Entwicklung von Immunität schon im Nasen-Rachen-Raum, also diese mukosale Immunität", so Kremsner. Eine Herdenimmunität sei laut dem Infektiologen nämlich nur mit einer mukosalen Immunität, die weitere Infektionen verhindert, zu erreichen. Welchem Impfstoff dies gelingen kann, ist – Stand heute – noch offen.

    Die Gespräche mit Sander und Kremsner sowie eine ausführlichere Darstellung, wie es zu diesem Rekordtempo bei der Corona-Impfstoff-Zulassung gekommen ist, finden Sie im aktuellen "Possoch klärt":

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