BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Impfstoffe: Das sind die nächsten Kandidaten | BR24

© Bayerischer Rundfunk
Bildrechte: dpa-Bildfunk

Als dritter Impfstoff wurde in den USA das Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson zugelassen. Die US-Behörde FDA erteilte eine Notfallzulassung.

11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Impfstoffe: Das sind die nächsten Kandidaten

Bisher werden drei Corona-Impfstoffe in Deutschland verimpft. Dabei soll es aber nicht bleiben. Weitere Vakzine werden erforscht, erprobt oder sind schon zugelassen. Ein Überblick.

11
Per Mail sharen
Von
  • Jan-Claudius Hanika

Zur Zeit werden in Deutschland die Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca gespritzt. Es gibt aber weitere Vakzine, die bereits eine Zulassung haben oder kurz davor stehen. An vielen anderen wird noch geforscht. Manche Impfstoffe stecken noch in der Entwicklungsphase, andere werden schon in groß angelegten Studien getestet.

  • Corona: Aktuelle Zahlen zur Impfung in Bayern
  • Impfstoff aus USA/Belgien: Janssen / Johnson & Johnson

    Der Impfstoff Ad26.Cov2.S von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson, ist ein Vektorimpfstoff, so wie auch die Impfstoffe von Astrazeneca und Sputnik V. Beim Johnson & Johnson-Impfstoff dient ein sogenanntes Adenovirus als Vektor. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

    In den USA erhielt der Impfstoff von Johnson & Johnson am 28. Februar 2021 eine Notfallzulassung. Am 11. März erteilte die EU-Kommission nach einer Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA dem Corona-Impfstoff eine bedingte Zulassung ab 18 Jahren. Im Gegensatz zu Sputnik V und dem Astrazeneca-Impfstoff, die ebenfalls Vektorimpfstoffe sind, ist beim Janssen-Impfstoff nur eine einzige Impfdosis notwendig, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Außerdem kann das Präparat bis zu drei Monate in einem Kühlschrank bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius aufbewahrt werden. Das erleichtert die Verteilung des Impfstoffs deutlich.

    Im April sollten die Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson beginnen. Der US-Pharmakonzern verschob allerdings die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa. Zuvor hatten die zuständigen Behörden in den USA empfohlen, die Impfungen mit dem Wirkstoff vorübergehend auszusetzen. Bei sechs Menschen im Land waren nach der Impfung Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden. Diese Erkrankung wurde auch im Zusammenhang mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca beobachtet. In den USA war bis Mitte April rund 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson gespritzt worden.

    Am 20. April teilte die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) mit, der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson könne in der EU nach Prüfung uneingeschränkt verwendet werden. Die EMA hat einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson und Blutgerinnseln gefunden. Gleichwohl überwögen die Vorteile des Vakzins dessen Risiken, erklärte sie. Der Impfstoff solle mit einer Warnung vor sehr ungewöhnlichen Blutgerinnseln versehen werden.

    Johnson & Johnson verhindert schwerste Krankheitsverläufe

    Am 29. Januar 2021 veröffentliche Janssen ein Zwischenergebnis seiner Phase-III-Studie mit rund 44.000 Probanden. Demnach schützt der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung zu 85 Prozent vor schweren Covid-19-Krankheitsverläufen. Rechnet man mittlere oder schwere Krankheitsverläufe zusammen, lag ein 66-prozentiger Schutz vor. Das heißt, in der Placebo-Gruppe zeigten dreimal mehr Probanden einen mittleren oder schweren Krankheitsverlauf als bei den geimpften Probanden. Nach Einschätzung der FDA schützt der Impfstoff auf jeden Fall vor den schwersten Erkrankungen: 28 Tage nach der Impfung gab es keine Krankenhauseinlieferungen wegen Covid-19 und keine Todesfälle. Von den Studienteilnehmern, die nur ein Placebo erhalten hatten, wurden 16 ins Krankenhaus eingeliefert, sieben starben.

    Die Entwicklung von Impfstoffen ist für das Unternehmen Janssen vergleichsweise neu. Erst im vergangenen Sommer brachte die Firma ihr erstes Vakzin auf dem Markt. Der Impfstoff gegen das Ebola-Fieber war der erste Vektorimpfstoff weltweit, der eine Zulassung erhielt.

    Impfstoff aus Russland: Sputnik V wird in der EU geprüft

    Schon im August 2020 erhielt das vom russischen Gamaleja-Forschungszentrum entwickelte Vakzin Sputnik V in Russland als erster SARS-CoV-2-Impfstoff weltweit eine offizielle Zulassung. Das war viele Monate vor der ersten Zulassung eines Impfstoffs in der EU. Allerdings hatten die russischen Zulassungsbehörden auf den Abschluss von Phase-III-Studien verzichtet, in denen ein Impfstoff an mehreren tausend Probanden getestet wird. Dieses Vorgehen stieß international auf scharfe Kritik und Skepsis. Russland begann im Dezember damit, Risikogruppen mit Sputnik V zu impfen. Im Januar 2021 startete eine großangelegte Impfkampagne.

    Studie bestätigt hohe Wirksamkeit von Sputnik V

    Die russischen Entwickler gaben für Sputnik V eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent an. Eine unabhängige Prüfung dieser Angaben gab es jedoch lange nicht. Eine am 2. Februar 2021 in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Untersuchung bestätigte aber diese Angaben: Das Vakzin schützte in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien bei fast 20.000 Teilnehmern 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Nach Angaben der Autoren der Studie wurde der Impfstoff von den Studienteilnehmern zudem gut vertragen. Diese Studie war ein erster Schritt zu einer Zulassung von Sputnik V in der EU. Am 4. März 2021 startete die EU-Arzneimittelbehörde die Prüfung zur Zulassung des Vakzins.

    Sputnik V: robuster Vektorimpfstoff

    Sputnik V ist ein Vektorimpfstoff, so wie auch der Impfstoff von Astrazeneca, der bereits in der EU zugelassen ist. Das bedeutet, er kann bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden. Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna hingegen benötigen deutlich niedrigere Temperaturen.

    Wie bei den Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca sind auch bei Sputnik V zwei Impfdosen notwendig, um die Schutzwirkung zu erreichen. Allerdings kommen bei den beiden Impfdosen zwei verschiedene Erkältungsviren (Adenoviren) als Transportmittel (Vektor) zum Einsatz. Dies soll verhindern, dass Immunreaktionen auf das Vektor-Virus der ersten Impfdosis die Wirkung der zweiten Dosis abschwächen.

    Impfstoff aus Deutschland: Curevac

    Große Hoffnungen liegen auf dem Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac mit der Bezeichnung CVnCoV. Wie bei den Wirkstoffen von Biontech und Moderna handelt es sich beim ihm um einen mRNA-Impfstoff. Das Vakzin befindet sich derzeit im sogenannten rollierenden Zulassungsverfahren der EMA. Ende März hielt Curevac eine Zulassung im Juni für möglich. Weltweit bekannt wurde das Unternehmen, als im Frühjahr 2020 das Gerücht aufkam, der damalige US-Präsident Donald Trump wolle dessen Impfstoff exklusiv für die USA sichern.

    Impfstoff aus USA: Novavax

    Die Vektor- und mRNA-Impfstoffe sind das Ergebnis neuartiger Methoden der Impfstoffentwicklung. Auf bereits bewährtem Prinzip basiert der Impfstoff auf Protein-Basis des US-Unternehmen Novavax. Protein-Impfstoffe enthalten einzelne Bestandteile (Proteine) des Erregers, gegen die die Impfung schützen soll. Bei SARS-CoV-2 ist dies meist das Spike-Protein, mit dem sich das Virus an Körperzellen bindet. Das Immunsystem reagiert auf die Proteine im Impfstoff, behält sie im Gedächtnis und ist vorbereitet, wenn es tatsächlich mit dem Virus konfrontiert ist. Impfstoffe auf Protein-Basis sind bereits bewährt. Auch andere Impfstoffe funktionieren auf diese Weise, beispielsweise Grippeimpfstoffe.

    Wenn die US-Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht gibt, soll Novavax im Mai in den USA zugelassen werden. Grundlage für die Zulassung sind Daten aus einer Studie, die das Unternehmen in Großbritannien gesammelt hat, teilte Novavax-Vorstandsvorsitzender Stanley Erck am 1. März mit. Die Auswertung wird einige Wochen dauern. Vorläufige Daten aus der britischen Studie zeigen, dass der Impfstoff zu etwa 96 Prozent gegen die ursprüngliche Version des Coronavirus und zu etwa 86 Prozent gegen die jetzt weit verbreitete britische Variante wirksam ist.

    Auch die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft die Zulassung von Novavax. Am 2. März gab die Behörde die Einleitung eines sogenannten Rolling Reviews für das Vakzin bekannt. Dabei werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Bei allen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen war die EMA ebenso vorgegangen.

    © Bayerischer Rundfunk
    Bildrechte: BR/Christian Sonnberger

    Unser Körper wird täglich verschiedensten Erregern ausgesetzt: Viren, Bakterien oder Parasiten. Unser Immunsystem hat viele Mechanismen entwickelt, um sie zu bekämpfen. Manche erinnern sich auch an Erreger.

    Impfstoffe aus China: Cansino, Sinovac und Sinopharm

    Drei chinesische Unternehmen haben bisher Vakzine entwickelt. Convidecia von Cansino ist ein Vektorimpfstoff. Die Vakzine der Unternehmen Sinovac (CoronaVac) und Sinopharm (BBIBP-CorV) sind sogenannte Totimpfstoffe. Diese werden nach einer bewährten, aber keineswegs simplen Methode hergestellt, die erlaubt, relativ schnell große Mengen von Impfstoff herzustellen. Beispiele für Totimpfstoffe sind die derzeit in Europa verwendeten Impfstoffe gegen Polio, Hepatitis A und Tollwut. Allerdings ist bei diesen Vakzinen ein Verstärker notwendig, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Dieser kann grippeähnlichen Symptomen auslösen. Zudem sind bei Totimpfstoffen regelmäßig Auffrischungsimpfungen notwendig.

    Wenig Details bekannt

    Nach Angaben der WHO erfüllen die beiden Impfstoffe von Sinopharm und Sinovac mit ihren Covid-19-Vakzinen die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation. Die beiden Unternehmen legten laut WHO Ende März bei einem Treffen entsprechende Informationen vor. Über die Impfstoffe aus China sind allerdings weiterhin nur wenig Details in zuverlässigen Quellen wie Fachzeitschriften veröffentlicht. Daher lässt sich die Aussagekraft vieler Studien über chinesische Impfstoffe kaum nachprüfen. Beim Vakzin von Sinovac schwankte die Wirksamkeit je nach Untersuchung zwischen 50 bis über 90 Prozent. Der Impfstoff von Sinopharm zeigte in einer Phase-III-Studie in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit rund 30.000 Probanden eine Wirksamkeit von 86 Prozent. Im Dezember 2020 erhielt das Vakzin dort die volle Zulassung. Ende Januar 2021 hat auch Ungarn den Impfstoff von Sinopharm zugelassen, kurz nach dem russischen Impfstoff Sputnik V.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

    © Bayerischer Rundfunk
    Bildrechte: Christoph Spinner privat

    Eine neue Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks mit Dr. Christoph Spinner vom Münchner Klinikum Rechts der Isar rund um das Thema Corona. In dieser Folge über Corona-Impfstoffe und Virus-Mutanten.