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Warum die Impfstoff-Produktion so kompliziert ist | BR24

© dpa / Hendrik Schmidt

In Schutzanzügen sind Mitarbeiter im Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau-Roßlau in der Wirkstoffherstellung beschäftigt.

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    Warum die Impfstoff-Produktion so kompliziert ist

    Die Produktion der Impfstoffe gegen Corona soll hochgefahren werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Fabriken müssen umgebaut werden, die Zulieferer müssen mitspielen. Und zudem sind Mimosen mit im Spiel.

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    Von
    • Anna Küch

    Einen Impfstoff herzustellen, hat seine Tücken, vor allem, wenn es ein neuartiger Impfstoff ist. Monatelang haben Unternehmen wie Biontech und Curevac daran getüftelt, um die nötige Logistik für den Corona-Impfstoff aufzubauen. Eine Impfdose zu produzieren, dauert mehrere Tage.

    "Man kann nicht morgens anfangen und abends sagen, hurra, hier ist mein fertiger Impfstoff", Rolf Hömke, Verband der forschenden Arzneimittelunternehmen

    Erster Schritt: RNA-Gewinnung

    Im Fall von RNA-Impfstoffen erhält der Körper bei der Impfung lediglich die genetische Information des Corona-Virus. Und lernt dadurch, das Virus zu bekämpfen. Diese genetische Information muss künstlich hergestellt werden.

    RNA wird immer hergestellt mit Hilfe von DNA: Man braucht also erst einmal DNA. Diese stellt man im Labor als kleine DNA-Ringe her und führt sie in Bakterien ein. Diese Bakterien wiederum vermehrt man in Bioreaktoren. Manche von ihnen haben ein Fassungsvermögen von 1.000 Litern, manche 10.000 Liter. Das ist der erste Teil der Produktion. Diese DNA dient dann als Vorlage für die Messenger-RNA.

    Zweiter und dritter Schritt: Aufreinigen und Einbetten

    Das muss man aufreinigen, sonst wäre der Impfstoff nicht verträglich, beschreibt Hömke. Dafür schickt man die Substanz in Deutschland sogar in ein anderes Unternehmen, das die Reinigung übernimmt. Sie reicht die gereinigte RNA ebenfalls weiter. Dieses dritte Unternehmen bettet die RNA in winzige Tröpfchen ein - sogenannte Lipid-Nanopartikel. Sie müssen genau die richtige Größe haben, sonst wirken sie nicht. Anschließend muss das Ganze unter Tiefkühl-Temperaturen sorgfältig abgefüllt, gelagert und transportiert werden.

    Impfstoff durchläuft vier bis fünf Anlagen

    Ein RNA-Impfstoff durchläuft laut Hömke insgesamt vier bis fünf verschiedene Anlagen. Nach jedem Durchlauf muss abgewartet werden, ob das richtige Ergebnis in der richtigen Reinheit entstanden ist. Erst wenn die Kontrolle stattgefunden hat, kann man den Stoff in die nächste Anlage geben.

    Zellkulturen sind "Mimosen"

    Anders sieht der Herstellungsprozess beim zuletzt zugelassenen Impfstoff von AstraZeneca aus. Dieser Impfstoff beruht auf Vektorviren. Das sind harmlose Viren, die keine Krankheit auslösen. Sie müssen für den Impfstoff im großen Stil vermehrt werden. Dafür braucht man nach Angaben von Hömke ganz spezielle Zellkulturen, in denen die Vermehrung möglich ist. Sie könnten rechte Mimosen sein – wenn die Bedingungen nicht ideal sind, vermehren sie sich nicht im großen Stil, dann hat man viel zu wenige davon, so Hömke.

    Mal eben ein neues Werk hochziehen? Fehlanzeige

    Auch da müssen die Firmen ständig nachjustieren, um ausreichend Viren zur Verfügung zu haben. Mal eben eine neue Werkhalle hochziehen, um darin rasch mehr Impfstoff herzustellen, das geht nicht. Zulieferfirmen müssen geschult werden, Probeläufe sind notwendig. Hinzu kommen hohe Sicherheitsstandards.

    Auch Curevac aus Tübingen rüstet derzeit auf. Bis Ende des Jahres möchte die Firma 300 Millionen Dosen von seinem mRNA-basierten Impfstoff produzieren, wenn die Zulassung rechtzeitig kommt. Die Mitarbeiter arbeiten schon jetzt rund um die Uhr, sagt Curevac-Chef Franz-Werner Haas.

    "Das ist keine Brezelbackmaschine. Das Know-how muss auch auf andere Firmen übertragen werden, um so schnell wie möglich zu sein." Franz-Werner Haas, Curevac

    Der Chef beteuert: Jede Dosis, die Curevac obendrauf legen kann, versucht man auch in diesem Netzwerk hinzubekommen.

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