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Russischer Corona-Impfstoff: Wie lange dauert es normalerweise? | BR24

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Im Herbst soll die Produktion starten, erste Massenimpfungen ab Oktober erfolgen: Russland hat weltweit den ersten Impfstoff gegen die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zugelassen.

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Russischer Corona-Impfstoff: Wie lange dauert es normalerweise?

"Sputnik V" ist da: Russland hat den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Doch russische und internationale Experten sind skeptisch: Normalerweise wird ein Impfstoff an deutlich mehr Menschen und ausführlicher getestet.

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Russland hat angekündigt, einen Corona-Impfstoff zuzulassen. Bald soll auch die Massenproduktion beginnen. Das Land plant, bis zu 50 Millionen Russen gegen Covid-19 zu impfen und ab 2021 den Impfstoff auch zu verkaufen.

Russland hat den Impfstoff auf den Namen "Sputnik V" getauft. Die Entwicklung des neuen Impfstoffs wird damit verglichen, dass die Sowjetunion als Vorgängerstaat 1957 den ersten Satelliten - den Sputnik - ins All gebracht und damit das Zeitalter der Raumfahrt begründet hatte.

Damit ist Russland deutlich schneller als alle anderen Impfstoffentwickler weltweit. Erst diese Woche hatte es aus dem in Deutschland für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Institut geheißen, man rechne gegen Jahresende mit einem Impfstoff. Auch das ist schon optimistisch.

Nur wenige Probanden in Russland

Nachdem die Zulassung bereits mehrere Male verschoben wurde, kam sie schließlich am Dienstag – ziemlich überraschend. Der russische Gesundheitsminister erklärte, der Impfstoff habe eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit in den klinischen Studien gezeigt. Erst am Montag hatte sich allerdings die Vereinigung der Pharmaunternehmen und Labore in Russland an das Gesundheitsministerium gewandt und um eine Verschiebung der Zulassung gebeten. Der Impfstoff sei nicht an ausreichend Personen getestet worden.

Das staatliche Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die ersten Tests erfolgreich. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten erprobt, die sich freiwillig gemeldet hätten. Russland hat bislang aber keine wissenschaftlichen Daten zu dem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht.

Internationale Experten sind skeptisch

International stößt die schnelle Entwicklung des Impfstoffes auf Skepsis. Denn der Impfstoff wurde innerhalb einer Studie bisher nur an wenigen Menschen getestet. Dies widerspricht den internationalen üblichen Vorgehen für die Entwicklung von Impfstoffen, für die normalerweise eine Zulassung nur nach dem Vorliegen einer großen klinischen Studie möglich ist.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, erklärte, dass eine reguläre Zulassung ohne die umfangreichen Daten aus einer Phase-III-Prüfung riskant sei. In Deutschland ist eine Zulassung erst nach Abschluss dieser letzten Phase möglich. Unabhängig von der jetzigen Zulassung läuft in Russland parallel eine dritte Testphase.

Wie läuft Impfstoffforschung normalerweise ab?

Impfstoffforschung durchläuft normalerweise mehrere Phasen. Zunächst wird bei Tierversuchen ermittelt, welche Dosis sinnvoll ist, um eine Immunantwort auszulösen. Dann geht der Impfstoff in eine erste Phase mit Tests an Menschen, üblicherweise eine Gruppe im zweistelligen Bereich. Es geht dann zunächst um schwere Nebenwirkungen. In der zweiten Phase werden mehr Menschen geimpft, meist einige hundert, um die Verträglichkeit des Impfstoffes zu testen.

Aufwendig ist Phase drei. Darin werden mehrere Tausend Freiwillige geimpft, um herauszufinden, ob die Impfung im Alltag vor dem Erreger schützt. Üblicherweise werden die Probanden in zwei Gruppen geteilt, eine geimpfte und eine ungeimpfte, um die Wirkung vergleichen zu können.

Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes mehrere Jahre. In der Corona-Krise wurden diese Verfahren verkürzt, etwa in dem Phasen der Impfstofftests parallel gemacht werden. Aktuell werden weltweit rund 170 Corona-Impfstoffe getestet, drei davon bereits in Phase 3, also auf Wirksamkeit im Alltag.

Mit Material von dpa.

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