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Corona-Gipfel: Was sagt die Wissenschaft zu den Beschlüssen? | BR24

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Nach langen Verhandlungen haben Bund und Länder einen Stufenplan für Corona-Lockerungen ausgearbeitet, aber sind die aktuellen Beschlüsse aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht überhaupt sinnvoll? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

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Corona-Gipfel: Was sagt die Wissenschaft zu den Beschlüssen?

Bund und Länder haben nach langen Verhandlungen einen Stufenplan für Corona-Lockerungen ausgearbeitet. Wie sinnvoll sind die aktuellen Beschlüsse aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Von
  • B5 aktuell
  • Jeanne Rubner
  • Fabio Taormina

Nach stundenlangen Beratungen haben sich Bund und Länder auf einen komplizierten Kompromiss geeinigt. Der Lockdown wird bis zum 28. März verlängert - für Lockerungen gibt es einen 5-stufigen Plan, der sich an der 7-Tage-Inzidenz orientiert. Ab Montag dürfen bundesweit Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte wieder öffnen. Und es dürfen sich auch wieder mehr Personen treffen - bis zu fünf Erwachsene aus zwei Haushalten, Kinder werden nicht mitgezählt.

Was sagt die Wissenschaft dazu? Wir haben die wichtigsten Fragen mit Jeanne Rubner aus der Wissenschaftsredaktion beantwortet:

Ist das, was die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten da gestern beschlossen haben, aus medizinischer Sicht überhaupt sinnvoll? Oder steuern wir damit direkt in die dritte Welle?

Aus medizinisch-virologischer Sicht ist es natürlich immer besser, alles geschlossen zu halten und gar keine Kontakte zu haben. Aber ganz offensichtlich hat man hier eine Abwägung vorgenommen zwischen virologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten. Manche der bisherigen Regelungen sind auch virologisch gesehen schwer zu rechtfertigen, wie zum Beispiel, dass nur eine Person aus einem Haushalt zu einem Treffen gehen kann. Zwei Personen, die im selben Haushalt leben, sind ja virologisch gesehen relativ ähnlich. Und Buchläden sind auch nicht gefährlicher als Blumenläden. Umso wichtiger ist es natürlich jetzt, wo man öffnet, sich sehr streng sich an die bekannten Hygiene- Regeln zu halten: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen und lüften.

Sind regional unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll, um das Infektionsgeschehen einzudämmen?

Dem Virus sind solche Unterschiede egal. Die Initiative für die No-Covid-Strategie hat gesagt, man müsse Landkreise ggf. quasi absperren, um einen Austausch zu verhindern. Dies durchzusetzen scheint illusorisch - natürlich ist es möglich, dass man hin und her fährt. Denkbar wäre natürlich, zu sagen, dass, wer aus einem Risikogebiet mit einer Inzidenz von über 100 kommt, vor Ort einen Test machen muss. Tests sind ja ebenfalls gut, um mehr Sicherheit an Schulen zu haben. Eine hundertprozentige Sicherheit erreicht man dadurch jedoch auch nicht.

Reichen diese Schnelltests denn aus, um zu wissen, dass man am Tag des Test nicht ansteckend ist? Wenn man vielleicht ins Kino, ins Theater oder ins Fußballstadion will?

Diese Schnelltests sind sehr zuverlässig im Aufspüren von hochinfektiösen Personen. Und sie sagen natürlich schon für 24 Stunden etwas aus und ergeben somit einer Sicherheit von 80 bis 90 Prozent. Aber es ist eben keine absolute Sicherheit. Es gibt auch falsch negative Tests, das sind dann also Leute, die trotzdem ansteckend sein können. Zusammenfassend kann man sagen: Ja, Tests geben zusätzliche Sicherheit. Man sollte trotzdem weiterhin Maske tragen. Und natürlich muss dann auch klar sein: Wer sich positiv bei einem Schnelltest testet, sollte unbedingt einen noch einen PCR-Test machen, das melden, sich isolieren und vorerst Kontakte vermeiden.

Sind die mutierten Coronaviren für steigende Infektionszahlen verantwortlich? Was ist da der aktuelle Stand?

Die Abschätzungen sind sehr schwierig, aber eine aktuelle Veröffentlichung von Londoner Forschern zu dieser britischen Mutante liefert neue Daten. Sie gehen davon aus, dass die Ausbreitungsrate der Mutante mindestens fünfzig Prozent höher liegt. Aufgrund der bisherigen Zahlen in Großbritannien kam man so zum Schluss, dass man entweder ganz schnell impfen muss oder einen strengeren Lockdown braucht, um zu verhindern, dass die Todesfälle steigen. Das ist schon eine Gefahr, die es gilt, wirklich gut zu beobachten.

Die Impfkampagne soll ja deutlich an Fahrt aufnehmen. Welche Rolle spielt der Astrazeneca-Impfstoff? Was weiß man inzwischen über seine Wirksamkeit?

Neue Daten aus Großbritannien, insbesondere aus Schottland, zeigen: Die Wirksamkeit von AstraZeneca ist doch relativ hoch, fast genauso hoch wie die von Biontech. Die Entscheidung in Deutschland, Astrazeneca vorerst nicht an die Über-65-Jährigen zu verimpfen, war ja sehr umstritten. Jetzt sind die Daten da. Einer schleunigsten Verimpfung von Astrazeneca - auch an die älteren - steht nichts im Wege.

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Bildrechte: BR/Natasha Heuse

Dr. Jeanne Rubner - Wissenschaftsredaktion

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