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Corona: Forscher prüfen Lüftungskonzepte für Klassenzimmer | BR24

© dpa-Bildfunk

Forscher haben untersucht, welches Lüftungskonzept in Räumen sich am Besten eignet.

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    Corona: Forscher prüfen Lüftungskonzepte für Klassenzimmer

    Um die Aerosolkonzentration in Klassenzimmern zu reduzieren, rät das Kultusministerium in Bayern zu regelmäßigem Luftaustausch in den Räumen. Forscher haben verschiedene Lüftungskonzepte untersucht. Welches eignet sich besser?

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    Regelmäßiges Lüften soll die Menge der Aerosole in Räumen verringern. Das ist nicht nur im Alltag wichtig, auch im Schulunterricht schreibt das Kultusministerium einen regelmäßigen Luftaustausch vor. Auf diese Weise soll die Ansteckungsgefahr verringert werden, denn Coronaviren werden auch durch Aerosole verbreitet.

    Für die Schulen in Bayern nennt das Kultusministerium deswegen im aktuellen Rahmenhygieneplan (Stand: 05. Oktober 2020) Lüften als eine der Hygienemaßnahmen: Mindestens alle 45 Minuten sei eine "Stoßlüftung bzw. Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten (mindestens 5 min) vorzunehmen", steht es in dem Papier. Sei nur das Kippen der Fenster möglich, müsse man durch das Öffnen von Türen einen ausreichenden Luftaustausch garantieren, heißt es weiter.

    Genügt Lüften durch Fenster-Öffnen?

    Forscher haben nun die Auswirkungen verschiedener Lüftungskonzepte auf den Aerosolgehalt in Räumen untersucht. Einer von ihnen ist Christian Kähler, Professor am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Bundeswehruniversität München. Er hat sich verschiedene Methoden angesehen, um die Aerosolbelastung in Klassenzimmern zu senken.

    Zunächst einmal die heute gängigste Methode in vielen bayerischen Klassenzimmern: Fenster aufmachen! Aus Sicht von Professor Kähler nehme dabei zwar die Aerosolpartikelkonzentration im Raum ab, aber deutlich zu langsam – ausreichen würden die Maßnahmen aus seiner Sicht nicht: "Das heißt, da ist fast nichts raus aus dem Raum. Das ist die Realität, das muss man sich klar machen."

    Alternative: Raumluftfilter in Klassenzimmern

    Neben Lüften testete Kähler auch moderne Raumluftfilter. Sie sollen die Luft im Raum filtern und so die Aerosolpartikel entfernen. Für Kähler sind die Raumlüfter der Fensterlüftung bei Weitem überlegen:

    "Wenn Sie sich anschauen, was Sie in der gleichen Zeit mit einem Raumluftfilter hinbekommen würden, dann schafft der bequem 80 Prozent der Aerosolpartikel aus dem Raum in der Zeit, und Sie können ihn sogar noch steigern in seiner Leistungsfähigkeit, dass Sie ein noch besseres Filterergebnis hinbekommen." Prof. Christian Kähler, Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik, Bundeswehruniversität München

    Luftfilteranlage soll Aerosole absaugen

    Eine solche Luftfilteranlage hat eine bayerische Firma entwickelt. Hier wird ein langer Schlauch unter die Decke des Klassenzimmers gehängt, und durch viele kleine Öffnungen die Luft gleichmäßig angesaugt. Markus Raffel, Professor für Aerodynamik am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Göttingen, hat dieses Konzept untersucht.

    Das mit den Auftraggebern umgesetzte Konzept sieht vor, dass die Luft von unten nach oben steigt. "Sodass dann die Aerosole, die der Mensch ausatmet und die virenhaltig sein könnten, nach oben abtransportiert werden könnten. Oben werden dann die Aerosole von der Lüftungsanlage abgesaugt und dem Filter zugeführt", erklärt Raffel die geplante Umsetzung.

    Bayern will in einzelnen Klassen Luftfilteranlagen einsetzen

    Damit bestätigen sowohl die Messungen der Göttinger wie auch der Münchner Forscher die Wirksamkeit von Luftfilteranlagen.

    Der Freistaat hat nun 36 Millionen Euro bereitgestellt, um für einige Klassen solche Anlagen anzuschaffen, aber nur für solche, in denen keine Fensterlüftung möglich ist. Das Geld würde für etwa 14.000 Geräte reichen. 75.000 Schulklassen gibt es im Freistaat. Jede mit einem Luftfiltergerät auszustatten, würde etwa 200 Millionen Euro kosten.

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