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Hagen-Aussage: Sind wirklich noch so viele Intensivbetten frei? | BR24

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Gäste: Martin Hagen, Fraktionschef der FDP im Bayerischen Landtag; Klaus Holetschek, Staatssekretär für Gesundheit und Pflege (CSU); Margot Käßmann, Theologin und frühere EKD-Ratsvorsitzende; Martin Stürmer, Virologe

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Hagen-Aussage: Sind wirklich noch so viele Intensivbetten frei?

Gerade einmal 3.500 der insgesamt 40.000 Intensivbetten in Deutschland seien mit Covid-Patienten belegt, sagte Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag in der Münchner Runde. Stimmt das? Ein Faktencheck.

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In der Livesendung Münchner Runde am Mittwoch im BR Fernsehen warnte der FDP-Landtagsfraktionschef Martin Hagen vor Aktionismus. Er kritisierte in der Diskussion Klaus Holetschek, Staatssekretär im bayerischen Gesundheitsministerium, der von einer drohenden Überbelegung von Krankenhausbetten mit Corona-Patienten sprach. Hagen hält dies für Panikmache.

3.500 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt

Der Grund: Im Augenblick seien gerade einmal 3.500 der insgesamt 40.000 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, die insgesamt in Deutschland zur Verfügung stünden, so Hagen.

Stimmt das, was der FDP-Fraktionsvorsitzende sagt? Die Zahlen, die Martin Hagen am Mittwoch, den 18. November nennt, sind zwar nicht ganz auf dem tagesaktuellen Stand, aber sie sind auch nicht aus der Luft gegriffen. Denn aktuell (Stand: 19.11.20) werden deutschlandweit 3.594 Covid-Patienten auf Intensivstationen behandelt.

Differenzierter Blick auf die Statistiken

Bei der Gesamtzahl der Intensivbetten muss man genau hinschauen: Insgesamt gibt es zurzeit nur 28.208 Intensivbetten in Deutschland, allerdings gibt es weitere 11.978 Betten in Notfallreserve, meldet die DIVI, die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Die DIVI dokumentiert den täglichen Bettenbestand in deutschen Krankenhäusern, die innerhalb von sieben Tagen in Betrieb genommen werden können, in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut. Das macht in der Summe 40.186 Intensivbetten. Hagens Zahlenangaben sind also korrekt.

Korrekte Zahlen, unsaubere Schlussfolgerung

Nicht ganz richtig ist allerdings der Schluss, den Martin Hagen aus diesen Zahlen zieht: Die Lage sei ernst, aber man solle keine Panik schüren. Denn bei Hagens Berechnung fehlt eine wichtige Zahl. Und zwar die Anzahl der Intensivbetten mit Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind.

Denn man muss bedenken, dass selbst wenn aktuell "nur" 3.594 Intensivbetten deutschlandweit für Covid-Patienten benötigt werden, alle anderen Patienten, beispielsweise Herz-, Krebs- und Schlaganfall-Patienten, einen erheblichen Anteil der Intensivbetten bereits belegen. So kommt es, dass derzeit trotz der vergleichsweise niedrigen Zahl von Covid-Patienten insgesamt 21.935 Intensivbetten tatsächlich belegt sind.

"Ein Bett alleine macht niemanden gesund"

Zudem ist auch die Reaktivierung der Notbetten nicht ganz so einfach, wie es zunächst erscheinen mag. Nina Meckel, Pressesprecherin des DIVI, sagte der Münchner Runde-Redaktion dazu:

"40.000 Betten hätten wir, wenn jede Klinik in Deutschland im Notprogramm arbeitet (Anmerkung der Redaktion: Und damit alle planbaren Operationen absagen würde) und alle Pflegekräfte ab heute auch nicht mehr krank werden. Und das ist utopisch: Das Personal infiziert sich bei den hohen Zahlen im privaten Bereich. Pro erkrankter Pflegekraft stehen 2,5 Betten nicht mehr zur Verfügung."

Deshalb sinke die Zahl der verfügbaren Betten auch weiterhin. Denn 'Bett' sei der medizinische Begriff für einen Behandlungsplatz. "Das Bett und die Beatmungsmaschine alleine macht keinen Patienten wieder gesund", so Meckel. "Dazu braucht es Personal." Die Antwort der Pressesprecherin auf Martin Hagens Aussage in der Livesendung lautet daher: "Ja, es ist kein Grund Panik zu schüren. Aber es ist Zeit für Aktionismus."

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