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Corona: Einzelne Spätfolgen oder mehrere Phasen einer Krankheit? | BR24

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Weiter krank, obwohl man längst von Corona genesen ist?

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Corona: Einzelne Spätfolgen oder mehrere Phasen einer Krankheit?

Extreme Ermüdung, Atembeschwerden, Schlaganfälle nach der akuten Erkrankung an Covid-19 - zunehmend sind Ärzte auch mit Langzeitfolgen von Corona-Infektionen befasst. So häufig, dass Forscher von verschiedenen Phasen der Krankheit sprechen.

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Von
  • Heike Westram

Aufgrund hoher Infektionszahlen und massiver Belegung der Krankenhäuser mit an Covid-19 Erkrankten sind wir derzeit vor allem mit der akuten Erkrankung nach einer Infektion mit dem Coronavirus beschäftigt. Doch bei vielen Patienten wirkt Corona auch nach der Genesung mit Langzeitfolgen nach, so häufig, dass Forscher davon sprechen, dass Covid-19 nicht mit der akuten Ersterkrankung erledigt ist, sondern in Phasen verläuft, das heißt in manchen Fällen in anderer Ausprägung zurückkehrt.

Zwei weitere Krankheitsphasen nach der akuten Corona-Erkrankung

US-Forscher veröffentlichten im Fachmagazin Jama eine Studie, nach der die Erkrankung an Corona außer der akuten Erkrankung unmittelbar nach der Infektion noch zwei weitere Phasen aufweisen kann, die ab der zweiten bzw. der vierten Woche nach Ansteckung auftreten können. Das gilt zwar nicht für jeden einzelnen, der sich mit dem Coronavirus infiziert hat oder an Covid-19 Erkrankte, sei jedoch so häufig, dass es im Hinblick auf die gesamte Bevölkerung eine wesentliche Rolle spiele, so die Forscher Deblina Datta, Amish Talwar und James T. Lee.

1. Überschießende Immunreaktionen führen zu Überentzündlichkeit

Die erste der beiden zusätzlich erfassten Krankheitsphasen tritt eher selten auf: Hier treten etwa ab der zweiten bis fünften Woche nach der Infektion mit dem Coronavirus überschießende Immunreaktionen auf, die Entzündungsvorgänge in unterschiedlichen Organen auslösen, diese schwer schädigen können oder gar Organversagen verursachen. Herz, Niere oder Lunge sind dabei besonders häufig betroffen von diesem Hyperinflammationssyndrom, das auch zum Tode führen kann.

2. Häufige Langzeitfolgen bei der Mehrheit der an Corona Erkrankten

Die zweite der von den Forschern herausgearbeiteten weiteren Krankheitsphase von Covid-19 tritt etwa ab der vierten Woche nach der Infektion mit dem Coronavirus auf. Wann sie endet, lässt sich nicht sagen, da sie bei etlichen Patienten schlicht noch nicht geendet hat. Zu dieser Phase zählen die Forscher unterschiedlichste Spätfolgen, von denen einzelne offenbar bei einer Mehrheit der Erkrankten auftreten. Im Internet finden sich diese Betroffene unter dem Hashtag #LongCovid zusammen. Sogar Coronainfizierte, die akut keinerlei Symptome aufgewiesen hatten, können betroffen sein.

Schon im Juli 2020 zeigte eine Studie an 143 Corona-Patienten in Italien, dass der Großteil auch zwei Monaten nach der Genesung noch an ein oder mehreren Symptomen litt, darunter vor allem starke Erschöpfung (Fatigue) und Atemnot, aber auch Gelenk- oder Brustschmerzen, Husten oder Geruchsverlust. Diese Symptome erinnern an das "Chronic Fatiuge Syndrome" oder ME/CFS, das nach verschiedenen Infektionen auftreten kann, auch nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber.

Auch die Erlanger Neurowissenschaftlerin Jessica Freiherr bestätigte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk im September, dass vier Wochen nach der Erkrankung nur etwa die Hälfte der Coronainfizierten wieder riechen könne.

"Die Geruchsrezeptoren liegen ganz oben im Nasendach. Sie sind im Prinzip die Verbindung von der Außenwelt zum Gehirn. Dass wir diesen Effekt mit dem reduzierten Geruchssinn in der Infektion haben, ist ein starkes Indiz dafür, dass auch andere neurologische Schäden im Nachgang kommen." Prof. Jessica Freiherr, Neurowissenschaftlerin, Universitätsklinikum Erlangen
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Nicht jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert, zeigt Symptome. Doch in manchen Fällen geht Covid-19 auch weit über eine Atemwegserkrankung hinaus. Das Virus richtet in einigen Fällen gravierende Schäden im Körper an.

Auch schwere Langzeitfolgen möglich

Vor allem auch neurologische Schäden machen den Patienten zu schaffen: Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Konzentration schränken etliche noch lange nach der Genesung von der akuten Covid-19-Erkrankung stark ein.

Es kann aber auch zu sehr schweren Spätfolgen kommen, so Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Es gäbe Fallberichte aus Singapur, wo vierzigjährige Patienten Wochen nach der Corona-Erkrankung einen Schlaganfall oder Thrombosen erlitten haben, weil offenbar die Gerinnungsneigung erhöht sei. Und dabei muss weder der Krankheitsverlauf schwer gewesen sein, noch der Patient einer Risikogruppe angehören:

"Wir sehen zunehmend auch mehr jüngere Leute unter 30, die einen relativ leichten Verlauf der Infektion hatten und die trotzdem über schwere Konzentrationsstörungen und auch Abgeschlagenheit, Müdigkeit klagen. Wir haben hier einen Symptomkomplex, den wir erst beginnen zu verstehen. Und diese Post-Covid-Syndrome werden sicher eine Herausforderung werden für die Gesundheitssysteme in der ganzen Welt." Oliver Keppler, Virologe

Einzelfälle des Guillain-Barré-Syndroms nach Covid-19-Erkrankung

Selten tritt auch eine sehr schwere Komplikation auf, das Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Dabei handelt es sich ebenfalls um eine überschießende Immunreaktion, die mit Bakterien oder Viren wie dem Zika-Virus assoziiert ist, die aber nicht an die Organe, sondern an die Nerven geht, dort Entzündungen hervorruft und die Nerven schädigt: Diese leiten keine Reize mehr weiter, die Folge sind Muskellähmungen. Meist beginnen sie an den Beinen, dann breiten sich die Lähmungen aus in die Arme und weiter ins Körperinnere. Das Syndrom kann bis zur vollständigen Lähmung gehen, die auch eine künstliche Beatmung notwendig macht. Bislang sind nach Schätzung von Berlit weltweit nur etwa hundert dieser schweren Corona-Folgen aufgetreten, in Deutschland schätzt er etwa zwanzig Fälle. Die meisten würden aber auch wieder vollständig genesen. Doch die Heilung zieht sich über viele mühsame Monate hin.

Post-Covid-Syndrom oder Long Covid - ein neues Krankheitsbild

Noch ist es zu früh, um über die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung sichere Kenntnis zu haben - dafür ist die Erkrankung noch zu jung. Doch die Studien zu Spätfolgen laufen, etwa im Universitätsklinikum und der Universität Würzburg mit dem Forschungsprojekt Covidom. Ob und wie viele der Spätfolgen vielleicht gar nicht mehr heilbar sind, ist ebenfalls nach wie vor unbekannt:

"Wir werden die Frage möglicher Spätschäden frühestens im Lauf des Jahres 2021 valide beantworten können. Bis zu einem Jahr können sich neurologische Symptome zum Glück noch zurückbilden." Peter Berlit, Generalsekretär der Dt. Gesellschaft für Neurologie

Doch es geht bei den Spätfolgen nicht um vereinzelte Ausnahmen oder individuelle Schädigungen, sondern um ein eigenes, zu Corona gehöriges Krankheitsbild, das wollen die US-Forscher mit ihrer Studie zu den verschiedenen Covid-19-Phasen verdeutlichen: Selbst wenn die akute Infektions- und Krankheitslage durch das Coronavirus entschärft sei, werde Covid-19 die Medizin noch lange beschäftigen - als ganzes Spektrum von Krankheiten in Verbindung mit SARS-CoV-2, dem Coronavirus.

Diese Einstellung teilt auch der Chefarzt des Lungenzentrums an der München Klinik, Joachim Meyer:

"Es bleibt eine neue Erkrankung, die wir kennenlernen müssen." Joachim Meyer, Pneumologe, Lungenzentrum München Klinik

Eine Vermutung jedoch hat Meyer: Das Auftreten von Spätfolgen nach einer Corona-Infektion könne durchaus mit der Virenlast zusammenhängen, also mit der Menge an Coronaviren, der man ausgesetzt war. Genau deshalb sei es so wichtig, sich mit Masken vor einer Infektion zu schützen.

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Störungen des Geschmacksinns, Erschöpfung, Müdigkeit, Atemnot: Viele Corona-Patienten berichten auch Monate nach ihrer Genesung über massive Gesundheitsprobleme. Gesundheit! spricht mit Medizinern, die diese Spätfolgen erforschen.

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