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Corona-App statt Lockdown: Neue Studie zeigt Erfolgschancen | BR24

© NDR/Anja Martini/Christian Drosten

Eine aktuelle Studie legt den Schluss nahe, dass man die aktuellen Corona-Beschränkungen aufheben könnte, wenn viele Bürger eine App auf dem Smartphone installieren und sich zeitweise in Quarantäne begeben, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten.

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Corona-App statt Lockdown: Neue Studie zeigt Erfolgschancen

Eine aktuelle Studie legt den Schluss nahe, dass man die aktuellen Corona-Beschränkungen aufheben könnte, wenn viele Bürger eine App auf dem Smartphone installieren - und sich zeitweise in Quarantäne begeben, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten.

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Die Wirtschaft leidet jede Woche mehr unter den Corona-Auflagen von Bund und Ländern, und auch die Menschen wissen nicht, wie lange sie die bisher zweiwöchigen Ausgangsbeschränkungen noch durchhalten können, ohne dabei persönlich Schaden zu nehmen. Der Virologe von der Berliner Charité, Christian Drosten, hat in seinem täglichen Podcast beim NDR jetzt eine brandneue Studie um den epidemieologischen Modellierer Christophe Fraser in Oxford besprochen, die auf eine gleichwertige Alternative zum aktuellen Lockdown weist.

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45 Prozent der Ansteckungen vor Erkrankung des Infizierten

Laut der Studie, die am 31. März im renommierten Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht worden ist, ist es derzeit nicht mehr möglich, die Verbreitung des Coronavirus deutlich zu verlangsamen, indem man lediglich Infizierte isoliert und ihre letzten Kontakte nachverfolgt und ebenfalls isoliert. Denn 45 Prozent der Ansteckungen geschehen laut der Studie, noch bevor der Infizierende Symptome bemerkt. Das heißt: Wenn man einen Infizierten isoliert, dann habe er im Schnitt schon 0,9 Menschen angesteckt und die sind zu diesem Zeitpunkt bereits am Beginn ihrer infektiösen Phase und haben vielleicht sogar schon jemanden mit Corona angesteckt.

App fordert per SMS zur Quarantäne auf

Die Studie hat nun untersucht, wie gut eine hypothetische Tracing-App die Ansteckungsrate verringern kann, wenn sie sich so schnell verbreitet, wie in der Anfangszeit von Wuhan. Jeder der die anonymisierende App freiwillig installiert hat und bei sich Symptome feststellt, wird in der App markiert. Dann könnte die App für den Patienten zum Beispiel sofort einen Termin für den Coronatest ausmachen, ihn zur Quarantäne auffordern und auch gleich alle Menschen per SMS informieren, die die App ebenfalls installiert haben und etwa in den letzten zwei Tage Kontakt mit dem Patienten hatten. Sie müssten dann ebenfalls - zum Beispiel für eine Woche - in Heimquarantäne gehen.

App könnte Lockdown ersetzen

Für die anfänglichen Wuhan-Verhältnisse würde das laut Christian Dorsten bedeuten: Wenn 60 Prozent der Bevölkerung die App freiwillig am Smartphone installieren und weitere 60 Prozent sich an die per SMS vorgeschlagene Quarantäne halten, könnte man erreichen, dass jeder Infizierte nur noch weniger als einen Menschen ansteckt. Da die Pandemie sich aber inzwischen schon schneller verbreitet als damals in Wuhan, müssten mehr Menschen mitmachen und es wären weitere Maßnahmen nötig, wie zum Beispiel Mund-Nasen-Masken in der Öffentlichkeit.

Wieder normaler Alltag und immer nur ein Teil in Quarantäne

Das bedeutet laut Christian Drosten: Die deutsche Gesellschaft könnte die aktuellen Maßnahmen aufheben. Alle Geschäfte und Restaurants könnten wieder öffnen, alle Menschen dürften zur Arbeit gehen und alle Kinder und Studenten wieder an die Schule bzw. an die Uni. Allerdings müsste immer ein Teil der Gesellschaft, der von der App eine SMS bekommt, für eine Woche zu Hause bleiben, bis sicher ist, dass sie sich nicht angesteckt haben.

Drosten: Faszinierender Gedanke

Der Virologe Christian Drosten nennt das Ergebnis der Studie faszinierend: "Das ist schon eine echte Perspektive in dieser im Moment mit einiger Verzweiflung geführten Diskussion in der Gesellschaft: Wie kommen wir raus aus diesen Maßnahmen?"

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