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Steht die Corona-Ampel auf rot oder dunkelrot, gelten neue Maßnahmen wie etwa eine frühe Sperrstunde, Maskenpflicht für Grundschüler oder kleinere Veranstaltungen. Laufende Studien aus Wien und München zur Wirksamkeit der Maßnahmen lassen aufhorchen.

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Corona-Ampel: Welche Maßnahmen helfen wirklich?

Steht die Corona-Ampel auf rot oder dunkelrot, gelten neue Maßnahmen wie etwa eine frühe Sperrstunde, Maskenpflicht für Grundschüler oder kleinere Veranstaltungen. Laufende Studien aus Wien und München zur Wirksamkeit der Maßnahmen lassen aufhorchen.

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Von
  • Christian Stücken

In vielen Kommunen steht die Corona-Ampel auf rot oder dunkelrot, was eine Verschärfung der Maßnahmen zur Folge hat. In zwei bayerischen Landkreisen herrscht sogar ein faktischer Lockdown mit noch strengeren Auflagen. Doch viele Menschen sind verwirrt, welche Maßnahmen wann genau gelten. Und es stellt sich die Frage, wie effektiv und sinnvoll die Maßnahmen der Staatregierung sind.

Forschung zu Corona-Maßnahmen weltweit

Das internationale Wissenschaftsteam rund um den Complexity Science Hub Vienna (CSH) hat Tausende von Maßnahmen in 76 Ländern untersucht, die zwischen Januar und Mai 2020 im Zuge der Corona-Pandemie ergriffen wurden. Studienleiter Peter Klimek und seine Kollegen wollten wissen, wie diese Maßnahmen dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 zu vermindern. Konkret untersuchten sie, wie sehr die Maßnahme das Infektionswachstum in den zwei Wochen nach ihrer Einführung reduzieren konnte. Die Ergebnisse sollen in wenigen Tagen veröffentlicht werden.

Sperrstunden zeigen wenig Wirkung

Eine vorgezogene Sperrstunde um 21 Uhr und ein Alkoholverbot spielen kaum eine Rolle dabei, die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, so die Ergebnisse der Statistiker. Es mache keinen Unterschied, wann die Sperrstunde abends beginnt, stellt Studienleiter Klimek fest. Die Gefahr bestehe dann vielmehr darin, dass die Treffen im Privaten stattfinden."Wichtig ist, ob die Leute bereit sind, diese Maßnahmen mitzutragen, und dann vielleicht nicht die Feier einfach in die Wohnung verschieben, wenn die Sperrstunde zu früh ist", erklärt er.

Bislang waren Hotels und Gaststätten laut der staatlichen Agentur für Ernährungssicherheit in Österreich keine Infektionsherde. In einer Untersuchung kommt sie zu dem Ergebnis, dass Hotels und Gaststätten nur 2,5 Prozent der Cluster ausmachen, in denen sich Menschen mit Corona infizierten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte auf der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag zu den neuen Corona-Maßnahmen allerdings, dass bundesweit 75 Prozent der Infektionsorte nicht mehr nachvollziehbar seien. "Man kann nicht mehr sagen, dass ein bestimmter Bereich zur Infektion nicht mehr beiträgt", so Merkel.

Empfehlung so gut wie Verpflichtung

Die Wiener Wissenschaftler sind sich jedoch sicher, dass das Masketragen wirkt. Ihre Forschung zeigt, dass Länder, die früh dazu aufgerufen haben, auch am besten durch die erste Corona-Welle gekommen sind.

Die Forscher sind aber auch darauf gestoßen, dass es für die Eindämmung von Covid-19 kaum eine Rolle spielt, ob es nun eine verordnete Maskenpflicht gibt oder lediglich eine Empfehlung zum Tragen der Maske. Das gelte auch für andere Maßnahmen, die nur empfohlen wurden.

Studie zu Maskenpflicht bei Kindern

Bei den Corona-Stufen Rot und Dunkelrot ist das Maskentragen auch während des Unterrichts Pflicht. Doch ist das wirklich wirksam? Derzeit wird am Haunerschen Kinderspital in München eine Studie an Grundschulen und Kitas durchgeführt. Noch ist die Studie nicht abgeschlossen, aber es zeichnet sich ab, dass auch wenn die Kinder im Unterricht keine Maske getragen haben, bisher kein Infektionsgeschehen bei den Schülern zu beobachten ist.

"Wir haben schon vor den Sommerferien eine Reihe von Kindern getestet, das waren fast 800 Teste, die wir durchgeführt haben", sagt Dr. Ulrich von Both zu der Virenwächter-Studie am Haunerschen Kinderspital. "Da haben wir kein Infektionsgeschehen nachweisen können."

Kontakte reduzieren besonders wirksam

Bei der Corona-Stufe "Dunkelrot" sind Sport- und Kulturveranstaltungen nur mit fünfzig Zuschauern erlaubt, und private Treffen sind auch schon bei Stufe "Rot" auf fünf Personen oder zwei Haushalte begrenzt. Die Reduzierung von Kontakten ist ein sehr wirksames Mittel, die Infektionszahlen einzudämmen, wie die Ergebnisse der Wiener Wissenschaftler zeigen.

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