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Citizen Science: Mitforschen per App und online | BR24

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Prachttaucher

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    Citizen Science: Mitforschen per App und online

    Den Nachthimmel vermessen, Vogelarten erfassen oder lieber doch in den Himmel schauen – als Bürgerwissenschaftler kann man in "Citizen Science"-Projekten auch per App oder online mitforschen. Ideen für den Corona-Winter.

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    Von
    • Silke Schmidt-Thrö

    Die 25-jährige Claudia Höll aus dem Landkreis Starnberg ist eine begeisterte Vogelbeobachterin. Auch im Winter: "Am Starnberger See sind zum Beispiel die Prachttaucher da, die man im Sommer gar nicht hat", erklärt sie. Auch wer so beim eigenen Futterhäuschen vorbeikommt ist für sie "ein spannendes Thema". Was sie wo sieht, hält sie nicht nur mit der Kamera fest, sondern trägt es im Melde-Portal Ornitho.de und der zugehörigen App "NaturaList" ein.

    Ein Beispiel für "Citizen Science". So nennt man es, wenn Bürger mitforschen – entweder selbst organisiert in Verbänden oder in Forschungsprojekten von Berufswissenschaftlern. Ein langjähriges Studium braucht man dafür nicht, sondern vor allem Interesse, manchmal Geduld und öfter ein Handy oder einen Computer.

    Vogeldaten für den Artenschutz sammeln

    Beim Meldeportal "Ornitho.de" und der App "NaturaList" vom Dachverband der Deutschen Avifaunisten können sich Hobby-Vogelbeobachter registrieren und melden, wo sie bestimmte Vogelarten gesehen haben.

    Das hilft der Forschung und dem Artenschutz. Über ornitho.de erfahre man zum Beispiel mehr über die Verbreitung von Vögeln und aktuelle Ereignisse wie den Vogelzug, so Christopher König. Er hat das Meldeportal mit aufgebaut und betreut es.

    Die Daten werden von zahlreichen ornithologischen Vereinigungen ausgewertet. Aber auch Wissenschaftler von Forschungseinrichtungen und Universitäten interessieren sich dafür. Und wer als Hobby-Beobachter die App mit nach draußen nimmt, kann checken, wo es gerade interessante Vögel zu sehen gibt.

    Besonders was Tiere angeht, gibt es für Bürgerwissenschaftler viele Projekte zum Mitforschen. Manchmal sammelt man dafür auch keine Daten, sondern ordnet sie wie im Projekt "PlanktonID".

    Winzlinge aus dem Meer identifizieren

    Plankton nennt man alle Lebewesen, die sich im Meer einfach treiben lassen – auch tierische Einzeller wie die "Rhizeria". Dass sie Tiere sind, sieht man ihnen nicht an. Mal sehen sie aus wie Kugeln mit Stacheln, mal ein bisschen wie ein Spiegelei. Von ihnen gibt unzählige Arten.

    Welche Bilder gehören aber zur gleichen Art? Bei "PlanktonID" ordnet man sie in einer Art Memory-Spiel am Computer zu. Passend zu Beispielbildern gilt es, die gleiche Art in einer Bildauswahl suchen. Die Bürgerwissenschaftler überprüfen so, ob ein Computerprogramm richtig sortiert hat. Arbeit gibt es genug. Insgesamt 300.000 solcher Bilder hat ein Tauchroboter aufgenommen.

    Kieler Forscher vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung wollen mit dem Projekt mehr über die Winzlinge erfahren, die in der Tiefe leben. Schließlich gibt es nicht nur eine ungeheure Masse von Ihnen im Meer, sie könnten auch eine wichtige Rolle fürs Klima spielen. Rhizeria könnten maßgeblich daran beteiligt sein, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre am Ende als Kohlenstoff auf dem Meeresboden landet.

    Babbygebrabbel lauschen

    Aber auch Nicht-Tierfans können aktiv werden, sogar international. Im Projekt "Maturity of Baby Sounds" hört man auf einer englischsprachigen Webseite Laute von Babys und Kleinkindern. Dann gilt es zu erkennen: War das Gebrabbel, ein Lachen, ein Weinen oder ein Schreien? Eine Aufgabe für Menschen, die genau hinhören.

    Niederländische und französische Forscher wollen mit den Daten herausfinden, wie sich die Sprache bei Kindern entwickelt. Ein Computerprogramm schafft die Auswertung der Daten nicht automatisch. Ein häufiges Problem, wo die Crowd von Freiwilligen einspringen kann.

    Die Helligkeit vermessen

    Wer statt drinnen zu sitzen, aber doch lieber draußen den Himmel beobachtet, der kann mit der App "Verlust der Nacht" mitforschen. Dafür muss man das Smartphone bei Nacht gen Himmel halten. Auf einer Himmelskarte zeigt die App dann einzelne Sterne an, auf die man theoretisch zeigt und fragt nach, ob man sie am Himmel sieht.

    Was wie ein Test beim Optiker klingt, ist eine Möglichkeit, den Lichtabdruck an einem bestimmten Ort zu messen und damit auch die Lichtverschmutzung. Mit den Daten können Forscher Karten erstellen.

    Sicco Bauer aus Dresden zückt das Handy auch schon mal im Urlaub. "Da ich Hobby-Astronom bin, hat mich das sehr interessiert. Ich finde es auch gut, dass es die Möglichkeit gibt, zu sehen, wie die Forschung funktioniert", sagt der 49-Jährige.

    Gerade entwickelt er übrigens selbst ein Bürgerwissenschaftsprojekt mit. Die Macher von "Verlust der Nacht" vom Geoforschungszentrum in Potsdam und Bürger arbeiten zusammen an einer App, mit der man künstliche Lichtquellen draußen erfassen kann. Damit wollen sie dann die Ursachen der Lichtverschmutzung genauer vermessen.

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