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Das Chronische Erschöpfungssyndrom oder Mylagische Enzephalomyelitis betrifft 300.000 Menschen in ganz Deutschland.
© Bild: picture-alliance/dpa
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Das Chronische Erschöpfungssyndrom oder Mylagische Enzephalomyelitis betrifft 300.000 Menschen in ganz Deutschland.

Was ist, wenn die Grippe, ein Infekt der Bronchien oder das Fieber selbst nach Wochen oder Monaten nicht weggehen? Wenn man sich zunehmend kränker, wie erschlagen und empfindlich fühlt? Wenn alle Blutwerte scheinbar in Ordnung sind und einem kein Arzt sagen kann, warum man nicht wieder gesund wird?

So oder so ähnlich geht es in Deutschland hunderttausenden Menschen. Die Ursache könnte eine Krankheit mit dem Namen "Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrome" (ME/CFS) sein, auch bekannt als "Chronisches Erschöpfungssyndrom".

Chronisches Erschöpfungssyndrom ist keine psychische Krankheit

Lange gingen Ärztinnen und Ärzte davon aus, dass diese Krankheit hauptsächlich psychisch bedingt ist. Zu behandeln sei sie dann mit Verhaltenstherapie und mäßigem Sport - beides hilft leider nicht weiter.

Doch heute weiß man: ME/CFS ist eine Stoffwechselstörung, die wahrscheinlich auch Anteile einer Autoimmunerkrankung hat. Sie beginnt oft nach einem schweren Infekt, einer Grippe oder einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Auffällig wird die Situation dann, wenn die Patienten auch nach Wochen oder Monaten immer noch nicht wieder gesund sind und oft immer kränker werden.

Kleine Anstrengung kann zum Zusammenbruch führen

ME/CFS, oder das Chronische Fatigue Syndrom, ist eine komplexe Krankheit. Sie hat zahlreiche Symptome und wird oft fehldiagnostiziert. Das liegt auch daran, dass viele Ärzte ME/CFS überhaupt nicht kennen. Ein Leitsymptom ist die sogenannte Post-exertional Malaise. Sie beinhaltet, dass selbst kleine Anstrengungen zur totalen Erschöpfung führen können. Das kann bedeuten, dass ein Patient zum Beispiel morgens abwägen muss, ob er sich heute lieber duscht oder die Zähne putzt. So ein Zusammenbruch kann Tage oder Wochen dauern. Manche erholen sich sogar überhaupt nie mehr von der Überanstrengung, viele müssen ihren Beruf aufgeben oder werden bettlägerig.

Dauerhafte Grippesymptome

Darüber hinaus haben viele Probleme mit dem autonomen Nervensystem, das zum Beispiel den Blutdruck steuert. Sie können sich auch schlecht konzentrieren, reagieren überempfindlich auf Licht oder Geräusche, haben Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen. Manche können nicht mehr sprechen oder Radio hören. Sie leben isoliert in abgedunkelten Zimmern.

Aktuell geht die Forschung davon aus, dass bei ME/CFS-Betroffenen die Energiebereitstellung in den Körperzellen zusammenbricht. Der "Akku" ist einfach zu gering, sodass auch alltägliche Verrichtungen nicht mehr ausgeführt werden können. Der Nachtschlaf oder sonstige Erholungsmaßnahmen helfen nicht weiter. Auch eine Überreaktion des Immunsystems und Hormone sind in Verdacht, die Krankheit mit zu beeinflussen.

Wenig Hilfe für ME/CFS-Betroffene

Weil nur wenige Ärztinnen und Ärzte sich mit ME/CFS auskennen, ist es problematisch, dass es in ganz Deutschland nur eine einzige Spezialambulanz gibt, an der Charité in Berlin. Sie ist so überlaufen, dass dort mittlerweile nur noch Menschen aus Berlin-Brandenburg behandelt werden.

Darum spielen Selbsthilfeorganisationen bei ME/CFS eine bedeutende Rolle. Sie sind es auch, die weltweit dafür sorgen, dass zu dieser Krankheit weiter geforscht wird. Übrigens ist ME/CFS keine seltene Krankheit, allein in Deutschland sind rund 300.000 Menschen betroffen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche.