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Chronisch krank: Wie kann ich trotzdem arbeiten? | BR24

© BR/Ulrich Trebbin

Wenn Menschen chronisch krank werden, sind sie oft auch weniger leistungsfähig. Vielleicht ist sogar ihr Arbeitsplatz bedroht. Doch Arbeit ist wichtig: Nicht nur finanziell, sondern auch fürs Selbstwertgefühl. Ein Überblick, wo es Hilfe gibt.

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Chronisch krank: Wie kann ich trotzdem arbeiten?

Wenn Menschen chronisch krank werden, sind sie oft auch weniger leistungsfähig. Vielleicht ist sogar ihr Arbeitsplatz bedroht. Doch Arbeit ist wichtig: Nicht nur finanziell, sondern auch fürs Selbstwertgefühl. Ein Überblick, wo es Hilfe gibt.

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Eine Grippe heilt in den meisten Fällen gut aus, ein gebrochenes Bein ebenfalls. Auch eine Lebenskrise lässt sich überwinden. Es gibt jedoch Krankheiten, die einen jahrelang oder gar für den Rest des Lebens begleiten. Viele chronisch Kranke haben Angst, deshalb ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder nicht mehr in die Arbeit zurückzufinden. Denn Arbeit sichert nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern ist auch wichtig für unser Selbstwertgefühl.

Sag ich's meinem Chef?

Wenn die Leistungsfähigkeit aufgrund einer körperlichen oder psychischen Erkrankung nachlässt und vielleicht die Krankentage zunehmen, stellt sich oft die Frage, ob man die Vorgesetzten über die Krankheit informieren sollte. Das ist immer Abwägungssache, sagt der Arbeitsmediziner Dr. Tobias Benthaus von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Keiner will ja von einem verständnislosen Chef benachteiligt werden, weil er krank ist. Man solle es vor allem davon abhängig machen, wie gut das Vertrauensverhältnis ist, so Benthaus. Er habe es noch nie erlebt, dass einem Mitarbeiter nur aufgrund von einer chronischen Erkrankung gekündigt worden sei: Ausschlaggebend sei vielmehr, wenn zwischenmenschliche Probleme dazukommen. Tendenziell ist er für Offenheit. Oft könne es auch erleichternd sein, wenn Chef und Kollegen wissen, warum man weniger schafft.

Betriebsarzt steht unter Schweigepflicht

Wer sich noch nicht traut, seinen Vorgesetzten über seine chronische Erkrankung zu informieren, solle auf jeden Fall den Betriebsarzt aufsuchen, so der Arbeitsmediziner Tobias Benthaus. Denn der Betriebsarzt steht unter ärztlicher Schweigepflicht - auch dem Arbeitgeber gegenüber. Er kann nicht nur medizinische Hilfe leisten, sondern auf Wunsch auch zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber vermitteln, zum Beispiel um die Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass der Mitarbeiter nicht überlastet wird.

Wenn Arbeitgeber hier flexibel sind, wirke sich das auch positiv auf die Gesundheit des betreffenden Mitarbeiters aus, sagt der Arbeitsmediziner. Wenn kein Betriebsarzt vorhanden ist, kann man sich auch an einen Facharzt für Arbeitsmedizin wenden.

Hilfe von Schwerbehindertenvertretung und Inklusionsbeauftragten

Betriebe ab 20 Mitarbeitern haben immer auch eine Schwerbehindertenvertretung und einen Inklusionsbeauftragten, die ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Sie haben Erfahrung, wie und wo Kollegen eine Reha beantragen oder antreten können, oder helfen beim Wiedereinstieg in den Beruf. Zur so genannten betrieblichen Wiedereingliederung kann zum Beispiel gehören, die Arbeitszeit stundenweise wieder aufzubauen, spezielle Bürostühle zu beantragen oder im Einzelfall einen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen zu finden oder zu schaffen. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, wenn Mitarbeiter teilweise von zu Hause aus arbeiten.

Integrationsfachdienste für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Erfahrene Vermittler und Lösungsfinder sind auch die Integrationsfachdienste (ifd). Laut Martina Wagner-Stragies vom ifd-München-Freising schauen die Berater vor allem, welche Ressourcen chronisch Kranke Mitarbeiter haben. Sie gehen - zum Teil über Monate immer wieder - mit an den Arbeitsplatz und suchen gemeinsam mit Arbeitgeber, Betriebsarzt, Inklusionsbeauftragten und Schwerbehindertenvertretern nach einer Lösung, damit der betroffene Mitarbeiter trotz seiner Erkrankung weiter arbeiten kann.

Wenn sich tatsächlich herausstellt, dass die Weiterarbeit in einem Unternehmen nicht möglich ist, dann vermittelt der ifd auch Umschulungen, neue Arbeitsplätze oder hilft bei der Erwerbsminderungsrente.

Wiedereinstieg über den zweiten Arbeitsmarkt

Wenn ein chronisch kranker Mensch längere Zeit aus dem Arbeitsprozess aussteigen musste und jetzt wieder anfangen kann und möchte, gibt auch der so genannte zweite Arbeitsmarkt Möglichkeiten, sich langsam wieder ans Arbeitsleben zu gewöhnen. Die Betriebe des zweiten Arbeitsmarktes sind meist staatlich oder sonstwie subventioniert und können viel flexibler auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Mitarbeiter eingehen. Erwerbsarbeit im eigentlichen Sinne ist das allerdings meist nicht, denn die Stundenlöhne liegen in der Regel im Taschengeldbereich.

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