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Chinesische Mission Chang’e 5 soll Mondgestein zur Erde bringen | BR24

© Bayerischer Rundfunk / Wochit

Zum ersten Mal seit 1976 soll Mondgestein zur Erde gebracht werden: China will Ende November mit seiner Mission Chang'e 5 zum Mond und wieder zurückfliegen.

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Chinesische Mission Chang’e 5 soll Mondgestein zur Erde bringen

Zum ersten Mal seit 1976 soll Mondgestein zur Erde gebracht werden: China hat erfolgreich sein unbemanntes Raumschiff Chang’e 5 auf den Weg zum Mond gebracht. Forscher warten mit Spannung auf die Proben.

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Mit einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 5" hob das Raumschiff Chang'e 5 am frühen Dienstagmorgen Ortszeit (Montagabend MEZ) reibungslos vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab. Das Raumschiff soll voraussichtlich am Sonntag in einem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen, das im "Ozean der Stürme" liegt - im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes. Auf der To Do Liste der Mondmission steht ein lunares Mitbringsel, rund zwei Kilogramm Mondgestein nämlich. Gelingt die Mission, wäre es das erste Mal seit über vierzig Jahren, dass eine Mission Mondgestein direkt vor Ort abholt. Das letzte derartige Unterfangen war die Luna 24 Mission der damaligen Sowjetunion im Jahr 1976, sie brachte 170 Gramm an lunarem Staub und Material zurück zur Erde.

Mondgestein To Go

Die Astronauten der Apollo-Missionen der US-Weltraumagentur NASA konnten Mondgestein quasi persönlich einsammeln und zurück zur Erde transportieren. So kamen fast vierhundert Kilogramm an Material zusammen. Die Sowjetunion hingegen sammelte mit drei Luna-Missionen rund 300 Gramm Mondgestein ein. Dieses wurde damals mit einer Sonde direkt vom Mond zurück zur Erde befördert.

Der Start der chinesischen Mondsonde ist erfolgt

Das Manöver der von der Chinesischen Akademie für Weltraumtechnologie gebauten Sonde ist hingegen komplizierter. Am Mond angekommen, wird ein Lander zusammen mit einer Aufstiegsstufe auf dem Mond aufsetzen. Unter anderem soll der Lander bis zu zwei Meter tief in den Mond bohren könnten, um dort Proben zu entnehmen.

Rendezvous in der Mondumlaufbahn

Diese Proben werden in der Aufstiegsstufe verstaut. Diese wird in die Mondumlaufbahn gebracht und trifft dort auf den Orbiter. Dort übergibt die Aufstiegsstufe die Proben an die Rückkehrkapsel und dann geht es zurück zur Erde. Das Manöver aus Ab- und Aufstieg soll innerhalb eines Tages erfolgen – innerhalb eines Mondtages, wohlgemerkt. Dieser dauert rund vierzehn irdische Tage. Läuft alles nach Plan, werden die Proben in der Inneren Mongolei auf irdischen Boden treffen, dort, wo auch chinesische Astronauten nach bemannten Shenzou-Missionen landen.

Chang’e 5 mit Ziel Mons Rümker

Als Landestelle für die Mission wurde das Gebiet um Mons Rümker in der Ebene des Oceanus Procellarum gewählt. Bei Mons Rümker handelt es sich um einen vulkanischen Dom. „Wenn man von uns gesehen auf den Mond schaut, dann ist Mons Rümker in der oberen, linken Ecke im Nordwesten,“ erzählt Harald Hiesinger, Professor für geologische Planetologe an der Universität Münster. „Er liegt mitten in einem dunklen Gebiet.“

Dunkel ist dieses Gebiet, weil es vulkanischen Ursprungs ist. Es besteht aus Basalt – ganz ähnlich wie die Basaltvorkommen in der Eifel oder aber auf Hawaii. „Das ist ein sehr spannendes Gebiet und eine sehr spannende Landestelle“, sagt Hiesinger. Spannend ist sie vor allem, weil sie wahrscheinlich sehr jung ist, relativ gesehen. Forscher gehen davon aus, dass dort noch vor rund 1,3 Milliarden Jahren vulkanische Aktivität stattfand.

Mons Rümker und das junge Mondgestein

„Diesen Vulkanausbruch hätte man vielleicht auch auf der Erde sehen können“, sagt Hiesinger. Vor 1,3 Milliarden Jahren hatten sich auf der Erde Vielzeller zwar schon entwickelt, aber noch nicht ganz die sexuelle Reproduktion für sich entdeckt, Augen gab es damals noch nicht und somit wahrscheinlich auch keine aktiven Beobachter. Aber es handelt sich um ein sehr viel jüngeres Gebiet als die, aus dem die bislang mitgebrachten Mondgesteine der NASA-Astronauten stammen. Diese sind nämlich mehr als drei Milliarden Jahre alt.

Jüngere Mondgesteine sind wichtig für die Wissenschaft

Für Forscher wie Hiesinger sind aber gerade jüngere Mondgesteine wichtig. Denn indem sie ihr Alter genau bestimmen, können sie wichtige Einblicke gewinnen, wie sich der Mond entwickelt hat. Darüber hinaus werden diese Daten auch benötigt, um Altersbestimmungen auf anderen Planeten im Sonnensystem wie beispielsweise dem Mars überhaupt erst zu ermöglichen. „Wir brauchen solche Daten für die Kalibrierung der Altersbestimmung im Sonnensystem. Aber derzeit gibt es im Zeitraum zwischen achthundert Millionen Jahren und drei Milliarden Jahren keinen einzigen Datenpunkt“, sagt Hiesinger. „Dabei ist es relativ einfach: zum Mond fliegen, einsammeln, zurückfliegen.“

Wird China sein Mondgestein mit dem Rest der Welt teilen?

Sollte genau diese Mission gelingen, ist da aber natürlich die Frage, ob China seine Proben mit dem Rest der Welt teilen wird. Im Falle des Mondgesteins der NASA können Forscher aus aller Welt Anträge stellen. Ein Gremium entscheidet dann darüber, ob Mondgestein zur Verfügung gestellt wird. Allerdings gilt dies gerade nicht für China, denn die NASA darf nicht direkt mit dem Land zusammenarbeiten. „Ich hoffe, dass die Chinesen die richtige Entscheidung treffen werden“, sagt Hiesinger. Laut ihm ist die Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern sehr gut: „Gerade in den letzten Jahren sind wir verstärkt mit chinesischen Wissenschaftlern zusammengekommen. Sie präsentieren ihre Ergebnisse auf internationalen Konferenzen und publizieren sehr viel.“

Kein Einmal-Ereignis: Chang’e 5 ist Teil des chinesischen Raumfahrtprogramms

Aber auf den höheren politischen Ebenen kann es schon wieder anders ausschauen. Auch an Informationen über die jetzige Chang’e 5 Mission ist nicht so leicht heranzukommen. Klar ist aber, dass Chang’e 5 Teil des ehrgeizigen chinesischen Mondprogramms ist, bei dem China seine Weltraumtechnologie Schritt für Schritt weiterentwickelt. Mit Chang’e 4 hatte China Anfang des vergangenen Jahres die Rückseite des Mondes erkundet, was bis dato noch keine andere Nation angegangen war. Derzeit ist die Mission auch noch dort unterwegs.

Nachdem China bereits 2013 mit der Vorgängermission Chang’e 5-T1 den geplanten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erprobt hatte, hätte Chang’e 5 bereits 2019 starten sollen. Die Mission war allerdings aufgrund eines Unfalls der Trägerrakete Langer Marsch 5 im Jahr 2017 verschoben worden. Und falls es nun mit Chang’e 5 nicht klappen sollte, steht mit Chang’e 6 schon ein Back-Up bereits. Im Falle einer erfolgreichen Mission könnte diese Mission dann Proben von einem anderen Ort auf dem Mond einsammeln, beispielsweise vom Südpol.

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