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Bildrechte: picture alliance / Xinhua News Agency /Lian Zhen

Audio: Die Arbeit, die die chinesische Mission Chang'e 5 auf dem Mond verrichtet, ist durchaus anspruchsvoll und beachtlich. Aber warum will China überhaupt die Proben von Mondgestein?

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Mond-Mission Chang'e 5 - Zurück mit Mondgestein

Straffer Zeitplan für Chinas Mond-Mission Chang’e 5: Am 1. Dezember auf dem Mond landen. Einen Tag später Proben einsammeln mit dem Lander. Am Nikolaustag mit Mondgestein an die Muttersonde andocken und am 16. Dezember 2020 zurück zur Erde .

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Von
  • Franziska Konitzer
  • Heike Westram

Ein großer Erfolg für die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA: Nicht nur das erste robotergesteuerte Rendezvous und Andocken in der Mondumlaufbahn ist gelungen sowie das Einsammeln von Mondgestein, sondern auch die gesamte Mond-Mission Chang'e 5. Die Raumkapsel ist am Abend des 16. Dezembers 2020 mit kostbarer Fracht auf der Erde gelandet.

Chang'e 5 - erste Mondgesteinsproben seit 44 Jahren

Mit den Proben im Bauch ist Chang'e 5 nun sicher in der Inneren Mongolei gelandet. Damit bringt China die ersten Mondgesteinsproben seit 44 Jahren zur Erde. Nach den USA und der Sowjetunion ist China das dritte Land, dem das überhaupt gelang. Das letzte derartige Unterfangen war 1976 die Luna 24 Mission der damaligen Sowjetunion. Diese brachte 170 Gramm lunaren Staub und Material zur Erde zurück.

Straffer Zeitplan der Mond-Mission Chang'e 5

Mit einer Rakete vom Typ "Langer Marsch 5" war das Raumschiff Chang'e 5 abends am 23. November 2020 (MEZ) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan abgehoben. Kurz darauf war eine Umlaufbahn um den Mond erreicht. Am 1. Dezember 2020 setzte Chang'e 5 erfolgreich ein Landemodul auf der Mondoberfläche ab.

Kurz nach der Landung begann das Landegerät seine harte Arbeit: Bis zu zwei Meter tief grub der Lander in die Mondoberfläche, um Gesteinsproben zu sammeln. Das ist gelungen: Zwei Kilogramm Mondgestein konnte der Lander ergattern und am 16. Dezember sicher zur Erde bringen. Der Wissenschaftsjournalist Andrew Jones twitterte ein Bild der gelandeten Kapsel. Zu sehen ist auch ein Tier, das von rechts nach links das Bild quert und die Kapsel wohl als erstes in den Weiten der Mongolei entdeckt hat. Die Internetgemeinde ist amüsiert.

Der Transport der Proben von der Mondoberfläche zur Muttersonde in der Umlaufbahn ist nicht ohne: Hier eine Simulation, wie die Mond-Gesteinsproben von Chang'e 5 zurück zur Muttersonde geschickt werden.

Mondgestein to go bei Apollo-Missionen

Die Astronauten der Apollo-Missionen der US-Weltraumagentur NASA konnten Mondgestein quasi persönlich einsammeln und zurück zur Erde transportieren. So kamen fast 400 Kilogramm an Material zusammen. Die Sowjetunion hingegen sammelte mit drei Luna-Missionen rund 300 Gramm Mondgestein ein. Dieses wurde damals mit einer Sonde direkt vom Mond zurück zur Erde befördert.

Chang’e 5 mit Ziel Mons Rümker

Als Landestelle für die Mission wurde das Gebiet um Mons Rümker in der Ebene des Oceanus Procellarum gewählt. Bei Mons Rümker handelt es sich um einen vulkanischen Dom. „Wenn man von uns gesehen auf den Mond schaut, dann ist Mons Rümker in der oberen, linken Ecke im Nordwesten,“ erzählt Harald Hiesinger, Professor für geologische Planetologe an der Universität Münster. „Er liegt mitten in einem dunklen Gebiet.“

Dunkel ist dieses Gebiet, weil es vulkanischen Ursprungs ist. Es besteht aus Basalt – ganz ähnlich wie die Basaltvorkommen in der Eifel oder aber auf Hawaii. „Das ist ein sehr spannendes Gebiet und eine sehr spannende Landestelle“, sagt Hiesinger. Spannend ist sie vor allem, weil sie wahrscheinlich sehr jung ist, relativ gesehen. Forscher gehen davon aus, dass dort noch vor rund 1,3 Milliarden Jahren vulkanische Aktivität stattfand.

Mons Rümker und das junge Mondgestein

„Diesen Vulkanausbruch hätte man vielleicht auch auf der Erde sehen können“, sagt Hiesinger. Vor 1,3 Milliarden Jahren hatten sich auf der Erde Vielzeller zwar schon entwickelt, aber noch nicht ganz die sexuelle Reproduktion für sich entdeckt, Augen gab es damals noch nicht und somit wahrscheinlich auch keine aktiven Beobachter. Aber es handelt sich um ein sehr viel jüngeres Gebiet als die, aus dem die bislang mitgebrachten Mondgesteine der NASA-Astronauten stammen. Diese sind nämlich mehr als drei Milliarden Jahre alt.

Jüngere Mondgesteine sind wichtig für die Wissenschaft

Für Forscher wie Hiesinger sind aber gerade jüngere Mondgesteine wichtig. Denn indem sie ihr Alter genau bestimmen, können sie wichtige Einblicke gewinnen, wie sich der Mond entwickelt hat. Darüber hinaus werden diese Daten auch benötigt, um Altersbestimmungen auf anderen Planeten im Sonnensystem wie beispielsweise dem Mars überhaupt erst zu ermöglichen. „Wir brauchen solche Daten für die Kalibrierung der Altersbestimmung im Sonnensystem. Aber derzeit gibt es im Zeitraum zwischen achthundert Millionen Jahren und drei Milliarden Jahren keinen einzigen Datenpunkt“, sagt Hiesinger. „Dabei ist es relativ einfach: zum Mond fliegen, einsammeln, zurückfliegen.“

Wird China sein Mondgestein mit dem Rest der Welt teilen?

Bleibt die Frage, ob China seine Proben mit dem Rest der Welt teilen wird. Im Falle des Mondgesteins der NASA können Forscher aus aller Welt Anträge stellen. Ein Gremium entscheidet dann darüber, ob Mondgestein zur Verfügung gestellt wird. Allerdings gilt dies gerade nicht für China, denn die NASA darf nicht direkt mit dem Land zusammenarbeiten. „Ich hoffe, dass die Chinesen die richtige Entscheidung treffen werden“, sagt Hiesinger und fügt an, dass die Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern sehr gut sei: „Gerade in den letzten Jahren sind wir verstärkt mit chinesischen Wissenschaftlern zusammengekommen. Sie präsentieren ihre Ergebnisse auf internationalen Konferenzen und publizieren sehr viel.“

Keine Eintagsfliege: Chang’e 5 ist Teil des chinesischen Raumfahrtprogramms

Das heißt aber nicht automatisch, dass es auf der höheren politischen Ebene gleich aussieht. Auch an Informationen über die jetzige Chang’e 5 Mission ist nicht so leicht heranzukommen. Die internationale PR-Arbeit der chinesischen Raumfahrtbehörde ist sehr, ähem, übersichtlich. Klar ist aber, dass Chang’e 5 Teil des ehrgeizigen chinesischen Mondprogramms ist, bei dem China seine Weltraumtechnologie Schritt für Schritt weiterentwickelt. Mit Chang’e 4 hatte China Anfang des vergangenen Jahres die Rückseite des Mondes erkundet, was bis dato noch keine andere Nation angegangen war. Derzeit ist die Mission dort auch noch unterwegs.

Nachdem China bereits 2013 mit der Vorgängermission Chang’e 5-T1 den geplanten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erprobt hatte, hätte Chang’e 5 bereits 2019 starten sollen. Die Mission war allerdings aufgrund eines Unfalls der Trägerrakete Langer Marsch 5 im Jahr 2017 verschoben worden. Und falls es nun mit Chang’e 5 nicht klappen sollte, steht mit Chang’e 6 schon ein Back-Up bereit. Nach der geglückten Mission 2020 könnte diese nun Proben von einem anderen Ort auf dem Mond einsammeln, beispielsweise vom Südpol.

© Bayerischer Rundfunk / Wochit
Bildrechte: picture alliance / Xinhua News Agency / CNSA

Zum ersten Mal seit 1976 soll Mondgestein zur Erde gebracht werden: China ist mit seiner Mission Chang'e 5 zum Mond geflogen.

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