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Nach Monaten im Corona-Lockdown fällt manchen der Weg in die zurückgewonnene Freiheit schwer. Wissenschaftler bezeichnen das als "Cave Syndrom".

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    Cave-Syndrom: Was uns trotz Lockerungen in unserer Blase hält

    Momentan sind wir weitgehend frei von ganz strengen Corona-Regeln. Doch einige bleiben trotzdem lieber noch zu Hause, meiden Treffen mit Freunden, Partys oder Reisen. Dahinter steckt ein Phänomen: das "Cave Syndrom".

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    Von
    • Johannes von Creytz

    Soziale Kontakte weitgehend vermeiden: So lautete monatelang die wichtigste Regel zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dank Lockerungen und fortgeschrittenem Impfstatus ist mittlerweile wieder deutlich mehr erlaubt. Doch einige Menschen tun sich noch schwer mit dem sozialen Miteinander. Für das Phänomen gibt es einen Begriff: "Cave-Syndrom".

    Lieber in der Höhle bleiben, statt rauszugehen

    Nach der antrainierten Angst vor dem Corona-Virus ist das zunächst eine vollkommen verständliche Erscheinung. Man hat gelernt, dass Kontakte mit anderen potenziell gefährlich sind. Geselligkeiten hatten das Risiko, sich selber oder andere anzustecken- und haben es teilweise noch immer. Nach fast 20 Monaten Pandemie sitzt das Gelernte so tief, dass diese antrainierte Angst nicht von heute auf morgen wieder abgelegt werden kann. In der Psychologie spricht man mit Blick auf dieses Cave-Syndrom nicht von einer Erkrankung, sondern von einer "Anpassungsverzögerung".

    Cave-Syndrom kann zur Einsamkeitsfalle werden

    Das Tempo der Anpassung an neue äußere Gegebenheiten kann durchaus eine Typ-Frage sein. Wer vor Corona nicht viel unternommen hat, macht es auch nachher nicht unbedingt. Ehemals gesellige und unternehmenslustige Menschen sollten sich aber in Frage stellen, wenn sie im Sommer 2021 immer noch die Außenwelt meiden, so die Psychologin Lucia Steinmetzer: "Wichtig ist es ehrlich zu sich zu sein, warum man jetzt gerade zum Beispiel nicht auf die Sommerparty gehen will. Vermeide ich etwas, habe ich eher Angst. Oder tut es mir nur gut, weil ich etwas vermeide, also nur in diesem Augenblick gut und langfristig sicherlich nicht.

    Wer es sich in seiner Corona-Höhle gemütlich gemacht hat, weil er oder sie dort nicht auf sein Äußeres achten musste, unbeobachtet Lastern wie zum Beispiel Tabak, Alkohol Computerspielen etc. nachgehen konnte und nicht mit den eigenen Unsicherheiten umgehen musste, der läuft Gefahr sich langfristig selbst zu vernachlässigen. Das kann nicht nur die körperliche Gesundheit schädigen, sondern auch die geistige, warnt die Psychologin Lucia Steinmetzer: "Es ist immer wichtig, dass man sich Erfahrungen aussetzt und dass man Dinge erlebt, die man dann auch verarbeitet, die einen vital halten, die den Denkapparat, aber auch den Körper lebendig halten."

    "Ängste kann man verlernen"

    Bei den meisten dürfte das Cave-Syndrom von allein wieder verschwinden. So wie die Vorsichtsmaßnahmen gegen Corona erlernt wurden, werden sie mit einer Rückkehr in Richtung Normalität auch wieder verlernt. Das geschieht ganz einfach, indem man merkt, dass einem nichts Schlimmes passiert, wenn man die Höhle wieder verlässt.

    Üben hilft also. Wer an sich selber oder bei Freunden merkt, dass Kontakte gemieden werden, sollte auf keinen Fall aufgeben. Je öfter man der Aufforderung zu gemeinsamen Unternehmungen folgt oder andere dazu einlädt, desto schneller verschwindet das Cave Syndrom. Deswegen rät Lucia Steinmetzer: "Schonung ist letztlich kein guter Ratgeber, sondern eher das Aktivwerden und sich spüren und auch Bestätigung finden, dadurch, dass man etwas tut und dass man sich fordert."

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