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Carnivore Diät – Der neue Trend der reinen Fleischesser | BR24

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Gegrilltes Ribeye Steak - Bei einer Carnivore Diät sind nur tierische Produkte erlaubt.

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Carnivore Diät – Der neue Trend der reinen Fleischesser

Ketogen, Paleo, Carnivore – es gibt einen weiteren Ernährungstrend, der um die Gunst des Verbrauchers buhlt. Die Carnivore Diet, auch Fleischesserdiät, erlaubt ausschließlich tierische Produkte. Wie genau funktioniert die Diät?

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Dieser neue Ernährungstrend kommt, wie könnte es anders sein, aus den USA. Erlaubt ist alles, was gelaufen, geschwommen oder geflogen ist, also ausschließlich tierische Produkte. Die Puristen ernähren sich von (Rinder-)Steaks und Wasser. Anhänger, die den Trend etwas legerer auslegen, essen auch Butter, Eier, Käse oder Milchprodukte. Salz und Gewürze sind erlaubt, aber nicht jeder verwendet es.

Was ist bei einer Fleischdiät erlaubt, was nicht?

Die Grundannahme der neuen Trendesser lautet: Fleisch enthält alle wichtigen Nährstoffe, die der Mensch benötigt. Wie schon in der ketogenen Ernährung, die sich durch eine kohlenhydratarme, aber fettstoffreiche Ernährungsweise auszeichnet, liefert nach Ansicht der Carnivore-Anhänger Fleisch ausreichend Proteine von hochwertiger Qualität für den Muskelaufbau. Auch Mineralstoffe und Vitamine wie B12 für Zellteilung und Blutbildung, Eisen und Zink für das Immunsystem scheinen zum größten Teil abgedeckt zu werden.

Vitamin C dagegen, wichtig für Stoffwechsel und Bindegewebe, ist hauptsächlich in Obst und Gemüse enthalten. Das ist bei der Carnivore Diät streng verboten. Doch die Fleischesser argumentieren: Der Körper benötige weniger Vitamin C, wenn keine Kohlenhydrate verzehrt werden. Und er ziehe sich Vitamin C aus dem Muskelfleisch, indem er einen Ketonkörper bildet, der die Funktion des Vitamins C und damit die Bildung von Kollagen übernimmt. Bei der Fleischdiät fehlen Kohlenhydrate, um Energie für den Körper zu gewinnen, sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide) und Ballaststoffe für die Verdauung ebenfalls.

Warum überhaupt eine Carnivore-Diät?

Die Forschung untersucht, ob Ballaststoffe notwendig für den Körper sind. Denn es gibt prominente Vertreter der Carnivore Diät, die genau das verneinen. Der kanadische Psychologe Jordan Peterson und seine Tochter Mikhaila ernähren sich nur mit Fleisch, Salz und Wasser. Mikhaila litt in ihrer Kindheit an einer Reihe von starken gesundheitlichen Problemen wie Arthritis und Autoimmunerkrankungen und in der Folge an Depressionen. Sie versuchte im Jugendalter durch eine Eliminationsdiät herauszufinden, welche Lebensmittel ihr gesundheitlich guttun.

Auch Dr. Shawn Baker, US-amerikanischer Arzt und mehrfacher Weltmeister über 500 Meter im Rudern, ebenfalls ein prominenter Vertreter der Diät, berichtet seinen Anhänger regelmäßig via Instagram und Twitter über Gewichtsabnahme und Verbesserungen im Körperbau und beim Blutdruck.

Noch keine Forschung, nur subjektive Eindrücke

Nachahmer der Trenddiät berichten über Gewichtsverlust, Verbesserung der Fitness und der allgemeinen Gesundheit sowohl körperlich als auch mental, über Linderung bei Allergien und Unverträglichkeiten, es gebe weniger Verdauungsprobleme und Autoimmunerkrankungen besserten sich. Doch neben ein paar wenigen Tierversuchen gibt es keine Langzeitforschung am Menschen. Das heißt, niemand hat bislang untersucht, ob diese einseitige Ernährungsform auf Dauer nicht einhergeht mit beispielsweise einem erhöhten Cholesterinspiegel, der sich wiederum negativ auf Herz-Kreislauferkrankungen auswirken kann.

Welche Auswirkungen hat die Fleischdiät auf den Körper?

Warum wirkt die Diät nach Ansicht der Fleischesser? Der Körper gerät in den Zustand der Ketose: So nennt man es, wenn der Körper Fett verbrennt, weil er keine Kohlenhydrate zur Verfügung hat. Das heißt, er unterliegt kaum Blutzuckerschwankungen durch das Vermeiden von Kohlenhydraten und er hat insgesamt einen niedrigeren Insulinspiegel. Das wirkt sich wie bei der ketogenen Ernährung positiv auf die Stimmung und die Leistungsfähigkeit eines Menschen aus.

Und die Fleischdiät ist eine Eliminationsdiät. Nach Ansicht ihrer Anhänger vermeidet diese Diät damit automatisch Lebensmittel, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken könnten. Verfolgt man die Diät ungefähr drei bis vier Wochen lang, kann man langsam wieder andere Lebensmittel zuführen und merkt recht schnell, ob sie einem guttun oder nicht. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Diät allerdings nicht ausreichend untersucht, um eine Empfehlung auszusprechen.

Wie alltagstauglich ist die Carnivore-Diät?

Wie wird die Diät im Alltag umgesetzt? Da wohl niemand schon morgens Appetit auf ein gebratenes Steak hat, ist es üblich, bis mittags zu fasten und meist auch nur eine Hauptmahlzeit einzunehmen. Wer mag, kann auch die inneren Organe der Tiere wie Leber und Hirn essen. Diese sind extrem nährstoffreich, werden aber von den Anhängern der Carnivore Diät eher gemieden. Wer den Speiseplan zusätzlich erweitern will, das nennt sich Zero Carb Diet, der kann auch Fisch, Käse, Eier, in Butter gebratenen Speck und Milchprodukte essen.

Was bedeutet die Fleischdiät für die Umwelt?

Dass eine Ernährungsweise, die primär aus Fleisch besteht, nicht umweltschonend ist, steht außer Frage. Selbst wenn das Fleisch regional gekauft wird, selbst wenn es nicht aus der Massentierhaltung stammt, werden trotzdem enorm viel Wasser und Futtermittel für seine Produktion verwendet.

Hinzu kommt: Bis zu 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase gehen auf das Konto der Fleischproduktion. Und beim Verdauungsprozess von Rindern entsteht das hochwirksame Treibhausgas Methan. Aus Umweltsicht wäre es also besser, weniger statt mehr Fleisch zu essen. Besonders kritisch wird die Situation, wenn sich der Fleischkonsum wie prognostiziert bis 2050 aufgrund der steigenden Weltbevölkerung weltweit nochmals mehr als verdoppelt. Eine reine Fleischernährung kann nicht wie prognostiziert knapp zehn Milliarden Menschen auf der Welt ernähren.

© Bayerischer Rundfunk

Kaum ein Thema bewegt die Gemüter so sehr wie unsere Ernährung. Was ist gesund? Was ist ethisch vertretbar? Was schmeckt? Und welche Konsequenzen ziehen wir aus den Antworten auf diese Fragen? Wir machen ein ungewöhnliches Experiment.