BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa
Bildrechte: dpa

Symbolbild Maskenpflicht

41
Per Mail sharen

    Büro, Familie, Kita: Wo ist Corona besonders infektiös?

    Nicht nur in den Medien ist Corona gerade gefühlt überall. Doch wo ist die Virus-Ansteckungsgefahr besonders hoch, wo eher gering? Zwei Experten nennen die wichtigsten Hotspots - und geben Ratschläge, die die Politik und wir alle beherzigen könnten.

    41
    Per Mail sharen
    Von
    • Johannes Roßteuscher
    • BR24 Redaktion

    Auch wenn die "Ruhetage" über Ostern zurückgenommen sind: der "Zwei-Drittel-Lockdown", der seit zweieinhalb Wochen besteht, gilt erst mal weiter. Und auch die Zahlen steigen weiter.

    Trotz vieler Beschränkungen finden täglich tausende Ansteckungen statt. Die Frage ist: Wo eigentlich? Im Supermarkt? Im Büro? In der Schule? Daheim?

    Wo das Virus leichtes Spiel hat

    Kai Nagel, Professor an der TU Berlin modelliert seit fast einem Jahr die Ausbreitung von Corona-Viren. Seine Antwort auf unsere Frage ist überraschend eindeutig:

    "Die Zusammenfassung wäre: alle Kontakte in Innenräumen, die ungeschützt sind." Kai Nagel

    Ganz ähnlich sieht es Oliver Keppler, Professor für Virologie an der LMU München. Er führt aus: Im Vergleich zu Begegnungen im Außenbereich ist der Kontakt in schlecht belüfteten Innenräumen um ein Zwanzigfaches infektionsgefährlicher.

    Freundschaftsbesuche: Wenn, dann unbedingt mit Test

    Und Keppler benennt auch die Hotspots für gefährliche Begegnungen, nämlich: Familienleben, private Besuche, Arbeitsplatz, Schulen und Kitas - in genau dieser Reihenfolge.

    Beginnen wir mit den privaten Besuchen, laut Nagel zweithöchster Pandemie-Faktor nach dem engeren Familienleben. Die glasklare Forderung der Experten: private Besuche nur draußen; wenn das nicht geht, dann mit Schnelltest. Das müsse sich einfach durchsetzen:

    "Man erwartet ja auch, dass die Leute nicht betrunken Auto fahren. Das war vor 20 Jahren noch anders", sagt Keppler. "Und genauso könnte man ja, wenn Besuch kommt, kurz fragen: Hast du ein Schnelltest gemacht? Und es ist ja doch unwahrscheinlich, dass die Leute einen da anlügen."

    Arbeitsplatz: Klare Vorschriften sind gefragt

    Nächster Bereich: die Arbeitsstelle. Die TU Berlin hat mit physikalischen Modellen herausgefunden, dass im Großraumbüro ohne Maske das Übertragungsrisiko rund zehnmal so hoch ist wie im Supermarkt oder im Theater mit verringerter Besucherzahl und Maskenpflicht. Nagel würde auch hier gesetzliche Regeln aufstellen.

    Bei der sinnvollsten Regelung, dem Homeoffice, setzt die Politik nicht anders als schon im Januar trotz wiederholter Appelle weiterhin auf Freiwilligkeit. Ganz ohne gesetzliche Regelungen aber geht es nicht, so Kai Nagel. Im ersten Schritt sollte man durchsetzen, dass überall, wo mehr als eine Person im Raum sitzt, Masken getragen werden müssen. Mittelfristig fordert er "ein geeignetes Schnelltest-Regime" von etwa drei obligatorischen Testungen pro Woche.

    Und dann kommen noch Schulen und Kitas, deren Anteil am Geschehen durch die britische Variante B.1.1.7. noch steigen dürfte. Doch auch hier könnte man mit Masken, Tests und Wechselunterricht wirksam gegensteuern.

    Geschäfte und Kulturveranstaltungen mit überschaubarem Risiko

    Eine geringe bis vernachlässigbare Rolle spielen laut Kai Nagel Geschäfte – man ist da nicht so lange, man trägt Maske, man redet kaum. Auch Kulturveranstaltungen mit wenig Teilnehmern und Maskenpflicht sieht Nagel nicht als Infektionstreiber. Und alles, was draußen stattfindet: Arbeit auf dem Bau, Straßencafés, aber auch das Training im Fußballverein - wenn man auf den Nahkampf verzichtet und hinterher nicht gemeinsam duscht.

    Die Lage völlig verändert hat sich in den Altersheimen. Es gibt zwar immer noch Ausbrüche, aber mittlerweile findet laut Robert-Koch-Institut dort nur noch jeder zwanzigste statt – im Dezember war es noch jeder zweite.

    Perspektive: Ein R-Wert von 0,5

    Trotzdem: Angesichts der britischen Variante reiche es momentan weder, auf die Impfung zu warten, noch die bisherigen Lockdown-Regeln zu beachten, sagt Kai Nagel. Mit einigen wohlüberlegten Verschärfungen könne man den R-Wert sogar auf kaum glaubliche 0,5 senken.

    "Wenn wir jetzt in den Schulen ein kohärentes Regime haben, wo wir also optimalerweise zweimal pro Woche testen, Masken aufsetzen und Wechselunterricht machen, dann kann man den Beitrag eigentlich rausstreichen", sagt der Modellierer Kai Nagel. Wenn man bei Arbeitsplätzen das Gleiche mache, dann könne man den Beitrag auch rausstreichen.

    "Und wenn man es jetzt bei gegenseitigen Privatbesuchen schafft, die eine Hälfte nach draußen zu verlegen und bei der anderen Hälfte vorher gültige Schnelltest zu machen, dann ist das eigentlich alles weitgehend weg." Kai Nagel, TU Berlin

    Und dabei, sagt Nagel, ist die höhere Ansteckungsrate der britischen Variante schon eingerechnet.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!