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Bürgerforscher-Projekt: Wer die Nachtigall hört | BR24

© Bayerischer Rundfunk / Gut zu wissen

Es gibt immer weniger Nachtigallen in Deutschland. Um herauszufinden, wie viele es sind, wo sie leben und ob sie je nach Region unterschiedlich singen, sammeln Forscher nun Gesänge aus ganz Deutschland. Mitmachen kann jeder.

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Bürgerforscher-Projekt: Wer die Nachtigall hört

Manch einer hört sie trapsen - die meisten mögen sie lieber trällernd: Die Nachtigall ist der Star unter den Singvögeln. Ihr Sangestalent basiert auf hartem Training. Ein Bürgerforscher-Projekt untersucht jetzt, ob die Nachtigall in Dialekten singt.

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Nachtigallen lassen sich nicht leicht finden und schon gar nicht überall. Die Singvögel sind unscheinbare Tiere mit einem bräunlichen Gefieder, die äußerlich so gar nichts Auffälliges haben. Auffällig und einzigartig ist nur ihr Gesang. Und der hat es in sich: Von elf Uhr abends bis Sonnenaufgang singen die zierlichen und scheuen Tiere aus voller Vogelbrust, besonders im Frühling.

Stimmlich die Nachtigalldamen verführen

Nachts trillern und zwitschern Nachtigallen, um die Weibchen zu beeindrucken, und zwar so lange, bis sie eine Partnerin gefunden haben. Erst danach können sie endlich schlafen. Im Juli singen nur noch Singles oder Männchen, die tagsüber ihr Revier verteidigen müssen. Männliche Konkurrenten werden mit dem Gesang vertrieben. Der kleine Vogel, kaum größer als ein Spatz, kann mehr als 2.000 verschiedene Varianten zwitschern.

Meistersinger-Ausbildung im Winterquartier

Nachtigallen sind Zugvögel. Sie verbringen den Winter in Afrika. Dort erhalten die jüngeren Nachtigallenmännchen von den älteren ihre Ausbildung zum Ariensänger. Im Frühling kehren sie aus ihrem Winterquartier zurück. Mit ihrem prachtvollen Gesang erobern sie die Weibchen, die anschließend alleine für den Nestbau zuständig sind. Bei Nachtigalls herrscht noch klassische Arbeitsteilung. Sie baut aus Laub, Moos und Grashalmen ein gemütliches Zuhause, während er das Revier verteidigt. Wenn es sein muss, auch tagsüber. Dafür teilen sich Herr und Frau Nachtigall vorbildlich die Nachwuchspflege.

Nachtigallweibchen suchen das Abenteuer

Tatsächlich bevorzugen die Nachtigalldamen Männchen, die mit einem komplexeren Gesangsvortrag brillieren und ein großes Strophenrepertoire vorweisen können. Forscher nehmen an, dass die Weibchen Erfahrung im Singen gleichsetzen mit Lebenserfahrung. Ein älteres Männchen weiß mehr über adäquate Nistplatzsuche, darüber wie man Gegner abwehrt – und sich bei der Brutpflege nützlich macht. Indirekt wählt ein Nachtigallweibchen über einen besonders schönen Gesang einen besonders hingebungsvollen Vater für ihren Nachwuchs aus. Dennoch gehen viele von ihnen fremd.

Der Sängerwettstreit bei Nachtigallrivalen kann sich über Stunden hinziehen und sehr anstrengend sein. Es gibt verschiedene Gesangsmuster: scheppernde Bassstrophen, wehmütige Pfeifstrophen oder lautstarke Trillstrophen, die Männchen haben hunderte verschiedene Strophentypen in ihrem Repertoire.

Singen Nachtigallen in Dialekten?

Das Museum für Naturkunde Berlin wollte dem Nachtigallgesang nachgehen und hat vor einem Jahr das Projekt "Deutschland sucht die Nachtigall" gestartet. Das Ziel: Nachtigallen in ganz Deutschland zu erfassen, um herauszufinden, ob ihr Gesang sich regional unterscheidet. Mit Hilfe der Handy-App "Naturblick" können sich Menschen in ganz Deutschland an diesem Bürgerforscher-Projekt beteiligen. Das Citizen Science-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Silke Voigt-Heucke ist Verhaltensforscherin und Biologin am Museum für Naturkunde Berlin. Sie leitet seit 2018 den "Forschungsfall Nachtigall". Die Forscher werten seit einem Jahr Tonaufnahmen aus. Mehr als 2.000 sind schon eingetroffen. Die Wissenschaftler erstellen aus den Audios eine Karte mit Nachtigall-Revieren. So wollen sie den Gesang der Vögel erforschen.

"Man weiß zwar viel über den Gesang individueller Nachtigallmännchen, aber man weiß noch ganz wenig darüber, ob es tatsächlich regionale Dialekte gibt bei Nachtigallen oder sogar Mikrodialekte, d.h. ob die Nachtigallen in Berlin sogar unterschiedlich singen." Silke Voigt-Heucke, Museum für Naturkunde Berlin

Kaum Nachtigallengesang in Bayern

Aus manchen Regionen gibt es bisher nur wenige Daten, zum Beispiel aus Bayern. Allerdings gibt es in Bayern auch nicht so viele Nachtigallen.

"Ein Grund weshalb es in Bayern so wenige Nachtigallen gibt, oder wesentlich weniger, ist, dass die Nachtigall kein Vogel der Höhenlagen ist, dadurch ist das Voralpengebiet für die Nachtigallen kein bevorzugter Lebensraum, aber der nächste Grund mag sein, dass die Nachtigall es gerne sehr naturbelassen mag und viele ganz ursprüngliche Grünflächen braucht, um sich dort tatsächlich fortzupflanzen." Silke Voigt-Heucke, Museum für Naturkunde Berlin

In Deutschland ist die Nachtigall mit etwa 95.000 Brutpaaren noch nicht vom Aussterben bedroht. In Bayern gibt es höchstens 5.500 Paare – bei besseren Bedingungen könnten es mehr sein.

Mehr über "Die Nachtigall - Die Diva unter den Vögeln" können Sie hören: radioWissen, 02.08.2019, 09:05 Uhr, Bayern 2 und in der Wiederholung: radioWissen am Nachmittag, 22.08.2019, 15:05 Uhr, Bayern 2

© Bayerischer Rundfunk / IQ - Wissenschaft und Forschung

Die Nachtigall ist berühmt für ihren Gesang - ihr Gezwitscher gibt es in über tausend verschiedenen Varianten. Im Projekt "Forschungsfall Nachtigall" sollen Bürgerforscher per Handy-App Nachtigallen aufnehmen und Forschern zur Analyse schicken.