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Brustkrebsrisiko bei Hormonersatztherapien langfristig erhöht | BR24

© dpa - Report

Mammographie einer Brust mit auffälligen Veränderungen

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    Brustkrebsrisiko bei Hormonersatztherapien langfristig erhöht

    In Europa und Nordamerika nehmen rund 12 Millionen Frauen Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden ein. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass sich dadurch das Brustkrebsrisiko erhöht - und zwar teils für mehr als ein Jahrzehnt.

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    Ein internationales Forscherteam hat sich insgesamt 58 Studien zum Thema mit Daten von knapp 500.000 Frauen in den Wechseljahren vorgenommen und ausgewertet. Ergebnis: Nahezu jede Form von Hormontherapie in den Wechseljahren erhöht langfristig das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dieses Risiko wurde bislang unterschätzt.

    Brustkrebsrisiko je nach Art der Hormongabe

    Mehr als 100.000 der Frauen, die in den untersuchten Studien erfasst wurden, erkrankten unterschiedlich stark an Brustkrebs. Ohne Hormontherapie entwickelten 63 von 1.000 Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Brustkrebs. Wurden die Frauen fünf Jahre lang mit Östrogen und täglich Gestagen behandelt, erkrankte eine Frau zusätzlich pro 50 Frauen.

    Wurde das Gestagen nur phasenweise eingenommen, reduzierte sich das Risiko etwas: auf einen zusätzlichen Fall pro 70 Frauen. Wurde nur Östrogen genommen, gab es einen zusätzlichen Fall von Brustkrebs pro 200 Frauen. Das ist ein neues Ergebnis, sagt Professorin Marion Kiechle, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde am Klinikum rechts der Isar in München, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Reine Östrogenpräparate bekommen beispielsweise Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, sagt Kiechle.

    Die neue Studie zeigt, dass auch nach Absetzen der Medikamente das Brustkrebsrisiko teilweise mehr als ein Jahrzehnt erhöht war. Die Studie wurde am 29. August 2019 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht.

    Erhöhtes Risiko vor allem bei jüngeren Frauen

    Viele Frauen beginnen mit Mitte 40 eine Hormonersatztherapie und nehmen oft mehrere Jahre lang Hormonpräparate. Früher dachte man, dann sei das Brustkrebsrisiko geringer, aber genau das Gegenteil ist der Fall, sagt Marion Kiechle. Das Risiko ist erhöht. Bei älteren Frauen steigt im Zuge einer Hormonersatztherapie dagegen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so Kiechle.

    Brustkrebsrisiko je nach Dauer der Hormonbehandlung

    Nach Angaben der Forscher erhöht eine Hormontherapie, die weniger als ein Jahr lang durchgeführt wurde, das Brustkrebsrisiko nicht signifikant. Das gilt auch für eine lokale und vaginale Östrogenanwendung mit Salben und Zäpfchen, die nicht in den Blutkreislauf gelangen (sollen).

    Werden Frauen dagegen zehn Jahre lang mit Hormonen behandelt, verdoppelt das das bereits erhöhte Brustkrebsrisiko im Vergleich zu einer fünfjährigen Behandlung, betont Gillian Reeves, Mitautorin der Studie von der University of Oxford. Olaf Ortmann von der Universitätsfrauenklinik in Regensburg sagt, dass Patientinnen nicht in Panik verfallen, aber mit ihrem Arzt sprechen sollten. Nach ein paar Jahren solle man jeweils überprüfen, ob Medikamente reduziert oder ausgeschlichen werden könnten.