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Borkenkäfer: der Todbringer für Bäume und Wälder | BR24

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Ist es warm und trocken, fühlt sich der Borkenkäfer wohl.

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Borkenkäfer: der Todbringer für Bäume und Wälder

Ist es warm und trocken, fühlt sich der Borkenkäfer wohl. Er hat einen schlechten Ruf bei Besitzern von Fichten-Monokulturen, denn er legt ganze Wälder flach - das ist wirtschaftlich verheerend, aber für das Ökosystem womöglich eine Chance?

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Weltweit gibt es rund 5.000 Borkenkäferarten. Eine macht uns hierzulande besonders zu schaffen: der Buchdrucker. Er kann, wenn er in Massen auftritt und die Wetterbedingungen passen, ganze Wälder vernichten. Wärme im Winter und Frühling sowie Trockenheit im Sommer sind für ihn ideale Lebensbedingungen. Der Klimawandel begünstigt seine Verbreitung noch: wärmere Temperaturen, längere Trockenzeiten und häufigere Stürme steigern das Risiko eines Befalls. Dadurch kommt der Borkenkäfer frühzeitig auf Betriebstemperatur und stößt auf Fichten, die durch den Trockenstress schon geschwächt oder durch Stürme oder Schneelast geknickt wurden. Das sind seine Lieblingsbäume, denn bei ihnen fällt es dem Käfer leichter, an die nährstoffreiche Schicht unterhalb der Rinde zu gelangen.

© dpa

Die Gänge der Borkenkäfer

So schädigt der Borkenkäfer die Bäume

Der Buchdrucker gehört zu den sogenannten Rindenbrütern. Er verrichtet sein Werk im Verborgenen, zwischen Stamm und Rinde. Sichtbar wird es erst, wenn der Baum abstirbt. Die Käfer bohren Gänge in die Rinde, die Männchen legen dort eine sogenannte Rammelkammer an, das Zentrum des Brutsystems. Dorthin locken sie die Weibchen, um sie zu begatten. Die Weibchen wiederum legen die Muttergänge an, in denen sie ihre Eier legen. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich seitlich weiterfressen. Die Gänge werden immer breiter, denn die Larven wachsen, bis sie sich am Ende des Gangs in der Puppenwiege verpuppen. Der fertige Käfer bohrt sich wieder aus der Rinde, und sucht sich den nächsten Baum. Bis ins Innere des Holzes dringt der Buchdrucker dabei übrigens nicht vor, das Kernholz bleibt unversehrt.

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Borkenkäfer-Larve im Holz

Schäden durch Borkenkäfer

Borkenkäfer haben 2018 in Bayern rund viereinhalb Millionen Festmeter Holz befallen, so das Landwirtschaftsministerium in München. 2016 war es nicht mal halb so viel. Bundesweit beziffert das Julius-Kühn-Institut (JKI) nach einer groben Hochrechnung die Schadholzmenge mit etwa elf Millionen Festmeter. Ein Festmeter Holz entspricht einem Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume.

Befallenes Holz im Frühjahr aus dem Wald holen

Viele Borkenkäfer haben unter der Rinde von Bäumen überwintert. Den Käfern muss deshalb rechtzeitig vor Beginn des Schwärmflugs der Brutraum für weitere Vermehrung entzogen werden. Vielerorts ist deshalb besondere Sorgfalt gefragt: Regelmäßig muss das Holz auf Käferbefall kontrolliert werden, was unter anderem an dem Bohrmehl, das die Käfer beim Gängebohren produzieren, zu erkennen ist. Wird ein Befall festgestellt, müssen die Bäume gefällt und Baumstämme möglichst schnell aus dem Wald transportiert oder entrindet werden. Für das Entrinden oder Häckseln des befallenen Holzes können Waldbesitzer Zuschüsse von bis zu vier Euro pro Kubikmeter erhalten, ebenso für eine Zwischenlagerung der Stämme außerhalb des Waldes. Auch bei der Einrichtung entsprechender Lagerplätze bietet die Forstverwaltung finanzielle und organisatorische Hilfe an.

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Käferholzbeseitigung mit Holzkran

Mischwald - der beste Schutz

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Borkenkäfer ein Schädling, auf der anderen Seite kann man aus den von ihm verursachten Schäden auch lernen. Denn: In einem Mischwald kann der Borkenkäfer keinen großen Schaden anrichten. Auch einem gesunden Baum können einzelne Tiere nichts anhaben. Zumal in einem Mischwald auch natürliche Feinde des Käfers ihren Platz haben und ihn im Zaum halten.

Beispiel Bayerischer Wald: mehr Artenreichtum

Tausende Hektar Bergfichtenwald hat der Buchdrucker im Nationalpark Bayerischer Wald während dessen fast 50-jährigen Bestehens vernichtet. Dort, wo der Borkenkäfer vor Jahrzehnten sein Werk verrichtet hat und das Totholz liegen blieb, herrscht mittlerweile ein vielfältiges neues Leben. So kehrte beispielsweise vor Jahren die Pilzart "Zitronengelbe Tramete" zurück. Unter Mykologen war die Rückkehr dieses Pilzes eine Sensation - galt er doch in Deutschland bereits als ausgestorben! In der vom Borkenkäfer aufgelichteten Fläche wuchsen viele verschiedene Pflanzen nach, junge Fichten und Laubbäume. Der Strukturreichtum hat die Fläche auch für seltene Vogelarten interessant gemacht, wie etwa die Schwanzmeise oder den Zaunkönig.

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Das Totholz im Bayerischen Wald bringt neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Gewähren lassen, nicht bekämpfen

Im Nationalpark Böhmische Schweiz hat man den Kampf gegen den Borkenkäfer inzwischen aufgegeben. Im größten Teil des Nationalparks ist es zukünftig verboten, Bäume aufgrund eines Käferbefalls zu fällen. Damit wird der Altbestand zwar nicht erhalten, aber neue Pflanzen bekommen durch das Totholz eine Chance. Die abgestorbenen Bäume können helfen, dass sich eine neue und vielfältigere Pflanzenwelt entwickeln kann, da sie Schatten und Feuchtigkeit bieten.

© BR/Rainer Pöhlmann

Im Nationalpark Bayerischer Wald hat man den Kampf gegen den Borkenkäfer aufgegeben - und einen Urwald bekommen.