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Biontech-Chef Sahin: Im Sprint zum Corona-Impfstoff | BR24

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Gestern hat das Mainzer Unternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer in Aussicht gestellt, dass schon Ende des Jahres ein Impfstoff zugelassen werden könnte. Doch wer ist eigentlich Biontech und wer ist Firmenchef Ugur Sahin? Ein Porträt.

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Biontech-Chef Sahin: Im Sprint zum Corona-Impfstoff

Gestern hat das Mainzer Unternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer in Aussicht gestellt, dass schon Ende des Jahres ein Impfstoff zugelassen werden könnte. Doch wer ist eigentlich Biontech - und wer ist Firmenchef Ugur Sahin? Ein Porträt.

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Von
  • Sabine Geipel

Es passt vermutlich zu Ugur Sahin, dass ihn seine Pressesprecherin bitten muss, zum Fernseh-Interview per Videoschalte ins Homeoffice doch schnell noch ein Hemd übers T-Shirt zu ziehen – denn solche Äußerlichkeiten sind dem Biontech-Vorstandschef augenscheinlich egal, sein Fokus ist ein anderer:

"Wir haben mit der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs die Möglichkeit; Menschen weltweit helfen zu können und das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl, wenn man da beitragen kann, dass die Pandemie entsprechend unter Kontrolle gebracht wird." Ugur Sahin im Interview mit dem SWR

Euphorie liegt dem Firmenchef nicht

Im Gegensatz zu den euphorischen Reaktionen auf seine Ankündigung, einen Impfstoff entwickelt zu haben, der laut Studienergebnissen zu 90 Prozent gegen das Coronavirus schützt, kommt der 55-jährige Sohn türkischer Einwanderer nüchtern, unprätentiös daher: markantes Gesicht, raspelkurze graue Haare, Typ Marathonläufer.

Ein Langstreckenlauf mit frühem Start

Und eine Art Langstreckenlauf hat Sahin auch gerade mit Biontech hingelegt, wenn auch im Sprinttempo. Bereits Ende Januar hatte er kurzerhand die Ausrichtung seines Unternehmens gedreht – und sein Team mit der Forschung an einem Impfstoff beauftragt. Zu einem Zeitpunkt, als die Lungenkrankheit aus China noch gar keinen Namen hatte. Er lese eben gerne wissenschaftliche Literatur und mache sich Gedanken, sagte Sahin - vor kurzem im Gespräch mit dem Mainzer Medienhaus VRM - so las er auch Ende Januar einen Artikel über den Ausbruch in Wuhan:

"Die Arbeit hat den Ausbruch in einer Art und Weise beschrieben, dass ich zu der Schlussfolgerung kommen musste, dass diese Infektion nicht lokal bleiben wird, sondern sich pandemisch ausbreiten wird. Und dementsprechend sahen wir uns auch verpflichtet, hier etwas zu tun, weil wir die Grundvoraussetzungen dafür haben, Impfstoffe zu entwickeln." Ugur Sahin

Von der Krebstherapie zur Pandemiebekämpfung

Denn eigentlich entwickelte Biontech bis dato vor allem Impfstoffe gegen Krebs, auf Grundlage der mRNA, mit demselben Prinzip, mit dem nun auch der Impfstoff BNT162 gegen Corona funktionieren soll. Mit der Krebsimmuntherapie hatte sich Sahin gemeinsam mit seiner Frau, Özlem Türeci, einen Namen gemacht. Sie ist Mitglied im Vorstand, leitet die klinische Entwicklung bei Biontech – dem Unternehmen, dass das Forscher-Paar 2008 gegründet hatte. Davor hatten sie bereits ihre Krebstherapiefirma Ganymed aufgebaut.

Zu Start-Up-Zeiten bereits mit im Boot – Investoren wie die Strüngmann-Zwillinge, einstige Gründer von Hexal, dem Generikahersteller. Mit dem US-Pharmariesen Pfizer kooperiert das Unternehmen bereits seit zwei Jahren bei der Entwicklung von Grippeimpfstoffen - nun auch bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs.

"Die Partnerschaft mit Pfizer ist eine sehr wichtige Partnerschaft für uns, weil wir von Anfang an gesehen haben, wir haben die Innovation, wir haben die Technologie, aber es ist ganz klar, dass die Entwicklung eines Impfstoffes auch diese großen Phase-3-Studien mit über 30-40.000 Probanden benötigt - und dazu sind wir als kleines Unternehmen nicht in der Lage." Ugur Sahin

Ein Wissenschafter "an der Goldgrube"

Dazu kommt der Vertrieb, erläutert Sahin im Interview mit dem Medienhaus VRM – Pfizer könne rund eine Milliarde Impfstoffdosen pro Jahr ausliefern. Eine relevante Größenordnung bei der Bekämpfung der Pandemie, die für Sahin und sein Unternehmen im Vordergrund steht – auch wenn manche Finanzjournalisten keinen Zufall darin sehen wollen, dass Biontech in Mainz ausgerechnet an der Straße "An der Goldgrube" liegt.

Schließlich hat sich der Aktienkurs seit dem Börsengang des Unternehmens innerhalb eines Jahres versiebenfacht – Biontech ist an der Börse nun umgerechnet rund 20 Milliarden Euro wert. Auch das sieht der Biontech-Chef nüchtern:

"Ich bin Mediziner und Wissenschafter und unsere primäre Motivation ist sicherlich nicht, unsere finanzielle Situation zu optimieren, sondern Arzneimittel zu entwickeln." Ugur Sahin

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