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Bio-Unkrautvernichter noch keine Alternative zu Glyphosat | BR24

© picture alliance/Bildagentur-online

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf einem Feld. Gesucht wird eine natürliche Alternative zu Glyphosat.

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    Bio-Unkrautvernichter noch keine Alternative zu Glyphosat

    Mit Glyphosat beseitigen Landwirte vor der Aussaat im Frühling das Grün auf ihren Äckern. Aber das Herbizid hat Nebenwirkungen. Tübinger Forscher haben eine natürliche Substanz entdeckt, die Unkraut bekämpfen könnte, aber keine Nebenwirkungen hat.

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    Cyanobakterien - man kennt sie von giftigen Blaualgen in Badeseen - stellen einen bestimmten Zucker her. Per Zufall haben Tübinger Wissenschaftler herausgefunden, dass dieser Zucker andere Bakterien, Pilze und vor allem Pflanzen tötet. Die Tübinger Forscher sind der Sache nachgegangen, weil sie an eine mögliche natürliche Alternative zum Unkrautvernichter Glyphosat dachten. Denn das chemische Herbizid steht im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen.

    Alternative zu Glyphosat ohne Nebenwirkungen

    Die neu entdeckte Substanz hemmt einen bestimmten Stoffwechselprozess, der bei Bakterien, Pilzen und Pflanzen vorkommt, nicht aber bei Tieren und Menschen. Der Bakterien-Zucker imitiert ähnlich wie Glyphosat eine Substanz, die in dem Stoffwechselprozess verarbeitet wird und dadurch ein Enzym blockiert. Der Prozess stoppt und die Pflanze stirbt. Mit dieser Wirkung wäre ein Bio-Glyphosat gefunden, das Unkraut vernichtet, jedoch ohne dessen schädliche Nebenwirkungen.

    Glyphosat schädigt das Mikrobiom von Bienen

    Der Haken an der wissenschaftlichen Zufallsentdeckung: Der Bakterien-Zucker und Glyphosat blockieren nicht dasselbe Enzym. Glyphosat greift erst spät in den Stoffwechsel der Pflanzen ein, der Zucker gleich zu Beginn. Glyphosat spielt in wesentlich mehr Reaktionen eine Rolle und hat damit potenziell auch mehr Nebenwirkungen als der Naturstoff. Es schädigt die Bakterien im Darm von Bienen, sodass sie leichter krank werden.

    Naturstoff wird schnell wieder abgebaut

    Das Bio-Glyphosat dagegen würde die Bienen vielleicht gar nicht erst angreifen, weil es in der Umwelt von natürlich vorkommenden Bakterien schnell abgebaut wird. Die Forscher befürchten aber, dass die Substanz auf dem Acker sogar so schnell abgebaut wird, dass sie gar kein Unkraut beseitigen kann. Denn Naturstoffe haben in der Regel eine geringe Haltbarkeit. Sie bauen sich unter Umständen schon während sie gelagert werden wieder ab. Ein marktfähiges Produkt auf der Basis des Bakterien-Zuckers müsste Konservierungsmittel enthalten und eventuell andere Helfer-Stoffe, um das Mittel in die Pflanze einzuschleusen. So ist es auch beim Glyphosat, denn nur über sogenannte Netzmittel kann der Wirkstoff über die Blätter der Pflanzen wirken.

    Schwieriges Produkt für den Einsatz im Freiland

    Ob das beim Bakterien-Zucker funktioniert, wissen die Forscher nicht. Bislang gab es ausschließlich Versuche mit keimfreiem Laborboden, bei dem nur der Samen den Wirkstoff aufnehmen musste. Im Labor gibt es keine anderen Bakterien, die den Zucker abbauen, und er kann konkurrenzlos in der Pflanze wirken. Die Umweltbedingungen auf dem Acker sind aber andere. Ob der Bakterien-Zucker auch im Freiland Unkraut abbauen kann, wurde noch nicht getestet. Herbologen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sind daher skeptisch, ob aus dem empfindlichen Naturstoff so bald ein Herbizid hergestellt werden kann.